Spiel, Spaß und Kultur im Sechseckbau

Sechseckbau

Foto: Sabrina Aust

Der Sechseckbau ist an sich nur ein Gebäude. Doch so unscheinbar das Gebäude von außen auch sein mag, im Inneren kann man Einiges erleben. Theater zum Beispiel.

Mir selbst wäre der Bau von allein nicht aufgefallen. Kein Wunder, da ich als FH-Studentin eher selten auf dem Campus der CAU bin. Doch auch wenn ich mich unter Uni-Studenten umhöre, kennen anscheinend nur wenige den Sechseckbau bzw. verbinden etwas mit dem Gebäude. Dass sich darin ein Studententheater verbirgt, habe ich erst durch meinen Freund herausgefunden. Er ging mit mir zu der Vorbesprechung, die immer am Anfang des Semesters stattfindet. In dieser Veranstaltung werden alle angebotenen Kurse und Workshops der Studentischen Arbeitsgemeinschaften vorgestellt. So kann man zum Beispiel am Schauspieltraining teilnehmen oder am Theaterschminkkurs. Aber auch weitere Workshops wie Hörspiel, Filme-Machen und Fotografie werden angeboten. Das ganze Angebot findet ihr unter:
www.studentenwerk-s-h.de/kultur.

Freie Kunst und kompetente Beratung

Momentan leitet Diethard Pieske die Studentischen Arbeitsgemeinschaften. Er ist studierter Philologe und hat bereits viel Erfahrung im Bereich des Theaters gesammelt. Dieses Wissen möchte er gern an die Studierenden weitergeben. Jeder Student, der gern ein Stück im Sechseckbau aufführen möchte, kann sich an ihn wenden. Es gibt einen Schauspielerpool, aus dem sich jeder seine eigene Theatergruppe zusammenstellen kann. Nach der Anmeldung und Planung einer Inszenierung beginnen die Proben in der Mensa und später dann im Sechseckbau. Alles in Eigenregie. Man hat soviel Freiheit, wie die Kunst sie nun einmal benötigt, betont Pieske. Aber es gibt auch die Möglichkeit, Pieske als kompetenten Ansprechpartner dazuzuholen und seinen Rat einfließen zu lassen. Insgesamt existieren acht bis zehn aktive Theatergruppen, die von Zeit zu Zeit Stücke aufführen. Pro Semester entstehen so durchschnittlich drei verschiedene Inszenierungen. Zu den letzten drei Aufführungen gehörten:

„Doppelter Hinterhalt“ von der Theatergruppe GlasEisenBeton

„Für Eile fehlt mir die Zeit“ von der Theatergruppe Mephistopheles

„Baldur und das Schwert der Nibelungen“ von der Theatergruppe TheaterKommode

Schminken als Eintrittskarte ins Team

Mein Freund engagiert sich schon länger im Theater und hat bei mehreren Stücken das Bühnenbild gebaut und die Licht- und Tonregie geführt. Da ich mich nicht auf der Bühne sah, schrieb ich mich für den Schminkkurs ein und zahlte am Folgetag die zehn Euro für die Teilnahme im Büro der Kulturabteilung in der großen Mensa im 1. OG. Dafür hatte ich jetzt einmal wöchentlich einen von erfahrenen Schminkerinnen geleiteten Maskenkurs in kleiner Runde im obersten Geschoss des Sechseckbau-Gebäudes. In dem Kurs wurde alles von Anfang an sehr gut erklärt, so dass es einem wirklich nicht schwer fiel, einfach mitzumachen und zu lernen. Hier ein paar Impressionen aus dem Kurs:

Thema: Altmaske
Foto: Elisabeth Richter

Thema: Clown
Foto: Jasmin Plagmann

Thema: Barock
Foto: Elisabeth Richter

Ist man erst einmal im Team, wird jeder Schminker zu den Aufführungen gefragt, ob er/sie die Darsteller schminken möchte. So kam es dazu, dass ich bei mehreren Inszenierungen mit in der Maske stand und schließlich sogar die Schminkleitung bei „Für Eile fehlt mir die Zeit“ übernahm. Vorteil beim Mitmachen sind zudem die Freigetränke und Freikarten für die Vorstellung, bei der man mithilft. Ansonsten kostet der Eintritt erschwingliche fünf Euro.

Engagement zahlt sich aus

Für die Schauspieler, Techniker und den Regisseur ist die Teilnahme an einem Theaterstück immer recht zeitaufwendig. Besonders in der „heißen Phase“, ein paar Wochen vor der Premiere, sind die Schauspieler täglich am Proben. Pieske beobachtet, dass es immer schwieriger für Studenten geworden ist, diese Zeit aufzubringen, da das Studium heutzutage sehr verschult ist und wenig Platz für eine eigene Gestaltung lässt. Doch wenn man sich den Freiraum geschaffen hat und sich in einer Theatergruppe beteiligt, wird das Engagement nach jeder Vorstellung mit dem Applaus des Publikums belohnt. Einige Gäste suchen im Anschluss auch noch das Gespräch mit den Kulturschaffenden und können so ihr Lob und ihre Kritik loswerden. Darauf kommt es Pieske auch an. Denn wer Theater macht, sollte auch stets von den Publikumsreaktionen lernen, was auf der Bühne funktioniert und was eher ein Fehlschlag war. Besonders lehrreich für die Studenten, die ein Stück aufführen möchten, sind die Analysesitzungen mit den Regisseuren aller Theatergruppen. In diesen wird ein Forum zur Diskussion über Theaterinszenierungen geboten.

Angebot bleibt trotz Veränderungen bestehen

Das Studentenwerk Schleswig-Holstein war bisher ein Vorreiter in der Ausgestaltung der Kulturförderung von Studenten. Die Kulturabteilung in Kiel ist gleichrangig mit den anderen Bereichen des Studentenwerks: Wohnen, Essen und BaföG. Doch bereits 2014 wird es zu Veränderungen kommen, da Pieske in den Ruhestand geht. Ob es einen qualifizierten Nachfolger geben wird, der die Theaterlehre fortführen kann, ist unklar. Trotz der anstehenden Veränderungen werden das Kursangebot und die Möglichkeit, Theater zu machen, weiterhin bestehen. Das sei sicher, so Pieske.

Ich kann jedem nur empfehlen, einmal einen genaueren Blick in das unscheinbare Gebäude vor der großen Mensa zu werfen. Ob als Zuschauer oder als aktiver Kursteilnehmer, ob als Schauspieler oder als Barhelfer – es gibt im Sechseckbau einiges zu erleben.

Kontaktadresse:
Studentische Arbeitsgemeinschaften
im Studentenwerk Schleswig-Holstein
Westring 385, 24118 Kiel
Studentenhaus (Mensa I), 1. OG, Zimmer 2
Tel.: (04 31) 88 16 137
E-Mail: kultur@studentenwerk-s-h.de
Bürozeiten: Mo – Do 10.00 – 15.00 Uhr, Fr 10.00 – 14.30 Uhr
http://www.studentenwerk-s-h.de/seiten_kultur/kultur_theater.html
Aktuelle Veranstaltungshinweise findet Ihr unter http://www.sechseckbau.de

 

Dieser Artikel ist nur EINE Perspektive auf den „Bau“, wie er intern genannt wird. Schreibt mir Eure Erfahrungen mit dem Sechseckbau! Habt Ihr ihn vor diesem Beitrag gekannt?

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