Motörhead trifft Reggae-Rock

Am Kieler Bootshafen ist es ungewöhnlich heiß. Über dem Wasser brennt die Luft. Und das nicht nur, weil die Sonne seit dem frühen Morgen unbarmherzig auf die gebräunten Körper der Nordlichter scheint, sondern vor allem, weil eine Reihe talentierter Musikbands dem Publikum ordentlich einheizt.

Auf der Bühne steht Martin Simon, Leadsänger der Motörhead-Coverband Motörizer. Mit einer Stimme, die in der Tat gewisse Ähnlichkeiten mit der von Musiklegende Lemmy Kilmister aufweist, lockt er mehr und mehr neugierige Zuhörer an. Trotz Hitze lassen sie sich auf den aufgewärmten Steinstufen nieder und fangen an, den Kopf oder Fuß im Takt hin und her zu wiegen. Je später der Abend, desto mutiger wird der ein oder andere: Erst einmal aufgestanden, hält zumindest das jüngere Publikum nichts mehr davon ab, zu den Reggae-Rock-Klängen von Lions of Nebraska in eine tanzwütige Ekstase zu verfallen. Was für ein Abend!

Die Band „Lions of Nebraska“ sorgte bis in den späten Abend für ausgelassene Stimmung. Foto: Kyra Vüllings

Es ist das zweite Wochenende des fünften Kieler-Bootshafensommers, der seinem Namen endlich alle Ehre macht. Denn über das sonnige Wetter der schönsten Zeit des Jahres freuen sich die zahlreichen Besucher ebenso wie die Veranstalter und die angereisten Künstler. „Letztes Mal hat es geregnet wie aus Kübeln“, ruft  Lions-of-Nebraska-Sänger Patrick Wilkens ins Mikrofon. Das Konzert hätte sogar teilweise unterbrochen werden müssen, „doch jetzt dieses Wetter“. Die Kieler Band tritt schon zum dritten Mal beim Bootshafensommer auf. Während die Lokalmatadore anfangs die Lücke im Nachmittagsprogramm füllten, begeistern sie mittlerweile als Top-Act des Abends. Zu Recht, haben sie selbst und alle anderen doch sichtlich Spaß an ihrem Auftritt.

Umso enttäuschender hingegen ist die lustlose Darbietung der Blauen Jungz, die den Samstagabend eigentlich mit einem krönenden Abschluss hätten versehen sollen. Statt Kontakt zu ihren Zuhörern aufzunehmen, langweilten die sechs jungen Künstler das Publikum mit Stücken, die sie in einem irren Tempo herunterspielten. Drum schien es auch nicht verwunderlich, dass die Bandmitglieder nacheinander die Bühne bereits eine Viertelstunde früher als geplant verließen. Nur auf Bitten einer etwas irritierten Moderatorin konnte sich die Band zu einer quälenden Fortsetzung hinreißen lassen. Ein gelungenes Live-Konzert sieht anders aus.

Von diesem Auftritt abgesehen, war das zweite Wochenende des Bootshafensommers ein voller Erfolg. Von Blues bis Rock, erfrischenden Cocktails und türkischen Baklava war für jede Altersgruppe etwas dabei. Wer nun von all dem nicht genug bekommen hat oder das Wochenende verpasst haben sollte, der darf sich freuen: Am nächsten Freitag startet das Festival mit Bands wie Tears of Beers oder Dear Henry Bliss in die nächste Runde. Programm-Highlights wie die Live-Übertragung des Sommertheaterstücks „Troubadour“ am 17., den Poetry Slam am 23. und den Singer/Songwriter Slam am 24. August sollten diesen Monat also ganz oben auf der Liste von Dingen stehen, die es sich lohnt, anzuschauen – bei hoffentlich weiterhin gutem Wetter.

Weitere Programm-Informationen erhaltet Ihr unter www.kiel-sailing-city.de

Dieser Beitrag wurde unter Kultur abgelegt am von .
Kyra Vüllings

Über Kyra Vüllings

Kyra Vüllings ist 21 Jahre alt und Studentin der Christian-Albrechts-Universität. Für ihr Studium in den Fächern Deutsch und Soziologie zog sie im September 2012 nach Kiel. Ursprünglich stammt sie vom Niederrhein, wo „schnacken“ und „lütt“ eigentlich Fremdwörter sind, mittlerweile aber zu ihrem alltäglichen Vokabular gehören. In ihrer Freizeit trifft sie sich gern mit Freunden, geht ins Kino, liest Bücher aller Art oder schreibt eigene Texte und Gedichte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.