Warum das „Holi Colour Festival“ ganz schnell wieder verschwinden soll

Einer der momentan größten Trends weltweit ist das sogenannte „Holi Colour Festival“, ein Event, das kommenden Sonntag auch in Kiel stattfindet. Das Holi One ist eine große Open Air Party, bei der sich die Beteiligten zu elektronischer Musik mit Farbpulver beschmeißen, tanzen, und ein freudiges Fest feiern. Klingt also eigentlich nicht übel. Ich persönlich finde dieses Phänomen allerdings problematisch.

Das heilige Fest der Farben ist auch hierzulande angekommen.  Foto: Michaela Völkl  / pixelio.de

Das heilige Fest der Farben ist auch hierzulande angekommen. Foto: Michaela Völkl / pixelio.de

Was es daran auszusetzen gibt? Das wird klar, wenn wir den historischen Hintergrund der bunten Party näher betrachten. Holi kommt ursprünglich aus Indien, dort ist es ein jährlich stattfindendes Fest, das über mehrere Frühlingstage gefeiert wird. Es gilt als einer der ältesten Bräuche der Welt und ist für das hinduistische Volk mit hohem sakralen Wert verbunden.  Die genaue religiöse Ursprungsgeschichte kann ich leider nicht wiedergeben, da mir der Hinduismus zugegeben nicht vertraut genug ist. Fakt ist, dass der religiöse Stellenwert beim Holi auch in der heutigen Zeit noch sehr hoch ist.

Schauen wir uns nun das westliche Pendant an. Wer am Sonntag in Kiel mitfeiern möchte, muss sich zunächst einmal eine Karte kaufen. Ja richtig, ein Fest, dass auf indischen Straßen von Jung und Alt, Arm und Reich auf den Straßen zelebriert wird, kostet hier Geld. Ist doch logisch. Auch das bunte Farbpulver, das sogenannte Gulal, wird in unseren Kulturkreisen industriell hergestellt und ist dann zum Verkauf bereit (Dass das Pulver in Indien gewöhnlich vor dem Einsatz im Tempel geweiht wird, erwähne ich dann lieber mal nicht). Das Holi verabschiedet zeremoniell die kalte Jahreszeit und begrüßt die kommende Wärme, es findet im Frühling statt. Uns ist der Frühling aber zu kalt, igitt! Verlegen wir das ganze doch lieber auf den Sommer, da macht das viel mehr Spaß.

Das Problem, das ich mit diesen internationalen Holi-Events habe, ist, dass mal wieder ein Teil einer uns fremden Kultur geklaut, völlig aus dem ursprünglichen Zusammenhang gerissen uns für unsere Konsumgesellschaft zerhackstückelt wird. Ist die Vielfalt der Traditionen und Bräuche unserer Breitengrade bereits so ausgelutscht, das wir uns schamlos an anderen Kulturen bedienen dürfen? Für die indigenen Völker Amerikas ist es beispielsweise ein Schlag ins Gesicht, wenn ihre alten Bräuche und Traditionen (welche von uns Weißen sowieso schon mit Füßen getreten wurden) für alberne Modeaccesoires, Werbung und so weiter zweckentfremdet werden. Wir erinnern uns an das höchst rassistische Blackfacing in der Theater- und Filmgeschichte. Und auch heute noch stellen weiße Schauspieler mithilfe der Maske oft dunkelhäutige oder asiatische Charaktere dar.  Und das Holi ist nicht der erste hinduistische Gegenstand, den wir uns angeeignet haben!

Nun wird das Fest der Farben so lang ausgebeutet und verwestlicht werden, bis wir verwöhnten Europäer keinen Gefallen mehr daran finden und uns das nächste Opfer für den Sommertrend 2014 suchen.

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Dennis Wegner

Über Dennis Wegner

Dennis Wegner ist 24 Jahre alt und studiert an der CAU Deutsch, Englisch und Russisch auf Lehramt. Seit dem Wintersemester 2011 wohnt er in Kiel und er fühlte sich in der Stadt sofort gut aufgehoben. Dennis ist ein Bücherwurm, hört gerne gute Musik und schreibt kreative Texte.

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