An den, der meine Fahrradklingel gestohlen hat

Erst vor Kurzem erzählte mir eine Freundin, dass sie Opfer eines dreisten Diebstahls geworden ist. Die Täter entwendeten ihre geliebte Fahrradklingel. Ausgerechnet die mit dem Froschsymbol. Tragisch, aber Gott sei Dank ist es nicht mir passiert … – dachte ich zumindest, denn heute lachten mir die Zahnräder meiner eigenen entgegen.

Nach einem kurzen Schock folgte die Trauerphase. Ich bin noch immer tief betroffen und konnte mich in den letzten Stunden nur mit Mühe davon abhalten, wutentbrannt eine Anzeige aufzugeben oder es der Lokalzeitung zu melden. Handelt es sich um puren Vandalismus? Steckt ein Klingel-Kleptomane dahinter?

Nein, ich bin sicher, ich bin auf den Spuren einer Bande Krimineller, einer Mafia. Angesichts dieser erschreckenden Tatsache drängen sich wichtige Fragen auf. Warum haben die Täter nicht mein komplettes Fahrrad geklaut? Ist es tatsächlich hässlicher, als ich zugeben will? Müsste der Dieb bei den vielen Reparaturen eventuell noch draufzahlen, wenn er den Drahtesel an einen schmierigen Unterhändler loswerden will? Was bedeutet das für mich? Sparen für ein neues Rad ohne Klingel, damit sie nicht gestohlen werden kann? Apropos, wozu braucht jemand überhaupt Fahrradklingeln? Ich glaube kaum, dass man darin neuerdings Kressesamen einpflanzt oder sie dekorativ an die Wand hängt. Gäbe es einen neuen Wohntrend, hätte ich das schon längst mitbekommen, wo ich doch, als mittellose Studentin, das Sortiment des schwedischen Möbelhauses meines Vertrauens in- und auswendig kenne.

Nun gut, so wichtig ist mir das Diebesgut nicht. Das ist noch untertrieben, es ist mir sogar vollkommen gleichgültig. Also, was auch immer der Täter damit anstellen mag, er soll wissen: ICH WILL MEINE KLINGEL ZURÜCK!

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Kyra Vüllings

Über Kyra Vüllings

Kyra Vüllings ist 21 Jahre alt und Studentin der Christian-Albrechts-Universität. Für ihr Studium in den Fächern Deutsch und Soziologie zog sie im September 2012 nach Kiel. Ursprünglich stammt sie vom Niederrhein, wo „schnacken“ und „lütt“ eigentlich Fremdwörter sind, mittlerweile aber zu ihrem alltäglichen Vokabular gehören. In ihrer Freizeit trifft sie sich gern mit Freunden, geht ins Kino, liest Bücher aller Art oder schreibt eigene Texte und Gedichte.

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