Ein Garten für alle von allen

Neben dem Hauptgebäude der Uni-Bibliothek fällt dem aufmerksamen Betrachter eine Reihe von Holzkästen auf. Es sind 23 Hochbeete, bepflanzt mit Blumen und Gemüse, mit allem was den Gärtnern gefällt und was gedeiht. Wer der Gärtner ist? Studenten, Dozenten, Mitarbeiter der Uni. Es ist „Gärtnern im Vorbeigehen“ – ein grünes Idyll direkt auf dem Campus. Campus Gemüse eben.

Das Projekt wurde im vergangenen Oktober über die Changemaker Community YooWeeDoo gegründet und mit 2000 Euro gefördert. Entworfen wurde Campus Gemüse von Ilja Saev, Lea Prüß, Franziska Zink und Hove Thießen. Sie erhielten zusätzlich eine staatliche Unterstützung von 300 Euro. Die vier Gründer wollten den Studenten und Mitarbeitern der Kieler Uni das Gärtnern auf dem Campus ermöglichen. Denn Gartenparzellen sind teuer und pflegeaufwändig. Die Hochbeete neben der UB hingegen sind schnell zu erreichen. Sogar dann, wenn Hausarbeiten und Lernen viel Zeit kosten. Außerdem bietet Campus Gemüse den Teilnehmern die völlige Freiheit beim Anpflanzen.

Ilja , eines der vier Gründungsmitglieder, stellt das „Campus Gemüse“ vor. Foto: Benjamin Kindler

Die Hochbeete sind Holzkästen, die auf Paletten ruhen. Der Eingriff in die Landschaft ist minimal, sie können versetzt oder entfernt werden ohne Spuren zu hinterlassen. Dies wünschte sich die Verwaltung der CAU. Weiterer Vorteil: Die Hochbeete werden kaum von Schädlingen, allen voran Schnecken, befallen.

Der Botanische Garten half bei der Befüllung der Beete mit. Die unterste Schicht besteht aus Holzspänen, darüber liegt Pferdemist und zu oberst befindet sich Humus. Dadurch wird die Bewässerung vereinfacht und es können sowohl Flach- als auch Tiefwurzler wachsen. Trotzdem musste ein Kanister zur Bewässerung angeschafft werden, da das Wetter in Kiel sich als eher unbeständig erwies.

Das Projekt wuchs nach und nach. Von den 23 Hochbeeten blieben nur drei unbepflanzt, für die nächste Saison gibt es zusätzliche Wachstumskapazitäten. Neben den Beeten wurde ein Komposthaufen angelegt.  Bänke und ein Grill laden zum verweilen ein. Der Garten soll die Menschen zusammenbringen und Naherholung ermöglichen. Im Sommersemester fand einmal im Monat eine gemeinsame Veranstaltung im Garten statt.

Projektgründer und Teilnehmer sind mit dem Ergebnis zufrieden. Blumen, Spinat, Tomaten, Zucchini, Möhren, Radieschen und Kartoffeln wurden erfolgreich angebaut. Sogar Erdbeeren sind gepflanzt worden. Ob diese erfolgreich wachsen, wird sich erst in der nächsten Saison zeigen. Wer mag, darf sein Beet über den Winter behalten, was auch gerne angenommen wird. Vandalismus oder gar Diebstähle kamen in den Hochbeeten überhaupt nicht vor.

Campus Gemüse soll im kommenden Semester fortgesetzt werden und sich weiterentwickeln. Am Changemaker Tag wurden Beete am Sechseckbau zu Werbezwecken bepflanzt. Von den Kräutern und dem Gemüse darf sich jeder Passant gerne etwas mitnehmen. Auch neue Beete beim IPN und der Mathematischen Fakultät sind in Vorbereitung. Logistisch war dies zur ersten Saison noch nicht möglich.

Die erste Saison soll im Oktober enden, Beete für die nächste sind ab November zu haben. Dafür müssen Interessierte einmalig 25 Euro bezahlen. Enthalten sind darin zehn Euro Schutzgebühr, fünf Euro für die Befüllung und weitere zehn Euro für die Produktionskosten des Beetes. Damit wird ungefähr ein Viertel des tatsächlichen Aufwandes gedeckt, die ursprüngliche Fördersumme ist bis auf 40 Euro aufgebraucht. Die Schutzgebühr soll verhindern, dass Beete vergeben, aber dann nicht bepflanzt werden. Das Ziel des Projektes ist Nachhaltigkeit, nicht nur in den ökologischen Strukturen, sondern auch im Anbau. Ein Beet braucht dauerhafte Aufmerksamkeit. Es ist teilweise problematisch, dass Studenten nur kurze Zeit an der Uni sind, die Beete aber bleiben.

Foto: Benjamin Kindler

Foto: Benjamin Kindler

Für die Zukunft des Projektes existieren schon verschiedene Ideen wie Gärtnerwettbewerbe und die Möglichkeit, Fachschaftsgärten anzulegen, oder einen Kurs „urbanes Gärtnern“ im ZfS aufzubauen. Jeder Teilnehmer darf sich völlig einbringen, und darf seine Kreativität auch über das Beet hinaus ausleben. Er soll sich nur überlegen, ob er es auch zu Ende bringen kann und will.

Campus Gemüse findet ihr hier, Unterstützt wurde das Projekt vom Botanischen Garten, dem Asta, der Liegenschaftsverwaltung der Uni Kiel, der Plattform YooWeeDoo und den Erstteilnehmern.

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