Begehrter Wohnraum – Brücke zwischen Generationen

Die Wohnungssituation in Kiel ist kompliziert. Gerade für Studenten fehlt bezahlbarer Wohnraum. Einige Studenten erhalten ihre Zulassung erst spät, viele Wohnungen sind dann bereits vergeben. Das Studentenwerk ist sich dieser Problematik bewusst, und versucht Angebote für Studenten zu schaffen. Wohnen für Hilfe ist eines davon.

Das Projekt bringt Menschen mit freiem Wohnraum und Studenten auf Wohnungssuche zusammen. Das Besondere dabei ist, dass die Studenten nur Nebenkosten bezahlen, die Wohnung selbst bleibt mietfrei. Dafür gehen sie aber im Haushalt zur Hand. Abwasch, Einkauf, Garten- und Schreibarbeit gehören zu den möglichen Aufgaben. Hauptsächlich richtet sich Wohnen für Hilfe an ältere Menschen, für die eine helfende Hand eine erhebliche Entlastung darstellt. Aber auch junge Familien sind an dem Projekt beteiligt. So betreuen manche Studenten die Kinder des Haushalts, in dem sie wohnen.

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Das Studentenwerk bietet umfangreiches Infomaterial zum Thema Wohnen in Kiel an. Foto: Benjamin Kindler

Der Leitgedanke des Projekts enthält nicht nur den Wohnraum, sondern auch die Begegnung der Generationen. Die Studenten erwerben neue soziale Fähigkeiten und verschönern den Alltag der Senioren durch die Gesellschaft, die sie bieten. Vorlesen und Gespräche gehören zu den offziellen Aufgaben, sind aber für beide Parteien auch vergnüglich. Auf diese Weise stellen die studentischen Mieter auch eine soziale Sicherheit dar.

In Kiel existiert Wohnen für Hilfe seit einem Jahr und geht jetzt in die zweite Runde. Zu diesem Zweck fand in der Mensa 1 eine Informationsveranstaltung statt. Das Projekt wurde persönlich von den Organisatoren und in einer Filmvorführung vorgestellt. Außerdem wurden einige der bestehenden Wohnpartnerschaften geehrt. Schließlich geht es nicht um Pragmatik: Mieter und Vermieter sollen im besten Fall eine Bindung aufbauen. So schilderten Studenten, dass es sich wie eine Familie angefühlt hätte. Die Resonanz der Beteiligten schien vorwiegend positiv, Probleme gibt es aber dennoch. Einige der angebotenen Wohnungen befinden sich sehr zentrumsfern, beispielsweise in Flintbek, Dänischenhagen und Neuwittenbek. Aktuell sind aber noch zu wenige Menschen bereit, dem Projekt eine Chance zu geben. Die Hemmschwelle, einen Fremden bei sich aufzunehmen, scheint noch zu hoch. Hier sollen Werbung und Aufklärung Abhilfe schaffen. In anderen Städten wie München und Düsseldorf existiert Wohnen für Hilfe schon viele Jahre erfolgreich.

Um die Wohnpartnerschaften optimal zu vermitteln, füllen beide Seiten einen Bewerbungsbogen aus. Anhand dieser Informationen erfolgt die Vermittlung mit Gesprächen zum Kennenlernen und Probewohnen für zwei Wochen. Sollte es nicht harmonieren, kann jede Seite sich zurückziehen, Sympathie muss schon vorhanden sein. Die Wohnpartnerschaften sind schließlich auf lange Zeit angelegt. Das kann ein zeitlich begrenzter Raum von einem ganzen oder halben Jahr sein, aber auch unbegrenzte Wohnpartnerschaften sind möglich. Es gibt eine Kündigungsfrist von vierzehn Tagen. Die Rahmenbedingungen werden in einem Abkommen festgehalten. Darin sind die zu erledigenden Aufgaben festgehalten. Die Faustregel lautet, dass für jeden Quadratmeter Wohnfläche eine Stunde Arbeit im Monat geleistet werden sollte. Laufende Partnerschaften werden vom Studentenwerk betreut. 

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In der Mensa 1 konnte man sich über das Projekt informieren oder direkt Kontakte knüpfen. Foto: Benjamin Kindler

Die Vorteile für die Studenten liegen auf der Hand. Der Wohnraum ist unschlagbar im Preis, das Miteinander kann sich sehr herzlich gestalten. Für ausländische Studenten ist es auch eine gute Möglichkeit zum Spracherwerb. Alle Projektteilnehmer lernen den Umgang mit anderen, meist älteren Menschen und was es heißt, soziale Verantwortung zu tragen. Daher wird Wohnen für Hilfe auch vom Café Impuls unterstützt.

Diese Gruppe gründete sich 2013 über die Changemaker Plattform YooWeeDoo. Ziel ist es, auf dem Campus einen Ort zu schaffen, an dem kreative Köpfe zusammenkommen. So soll eine Vernetzung stattfinden, um soziale, nachhaltige Projekte zu starten. Als ein solches erweist sich Wohnen für Hilfe und findet daher auch ihre Zustimmung.

Konkret äußert sich diese zum Beispiel in Form von Buttons, die auf der Infoveranstaltung verteilt wurden. Rote für Wohnungssuchende und Grüne für alle, die Wohnraum anbieten. Auf diese Weise diente die Veranstaltung nicht nur dazu, Projektteilnehmer zu ehren, Interessierte und Medien zu informieren, sondern auch Menschen zusammenzubringen.

Die Mitarbeiter des Studentenwerks prüfen jeden angebotenen Wohnraum. Dieser soll wohnlich und akzeptabel sein, die Zufriedenheit aller Teilnehmenden hat schließlich Priorität. Informationen für Interessierte gibt es hier.

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