Schweinebraten in Biersoße

Es war ein kalter regnerischer Tag an der Uni. Ich war bereits seit 8 Uhr da, hatte großen Hunger und wollte mich mit einem deftigen Mittagessen in der Mensa über den Tag retten und aufwärmen, um neue Kraft für Habermas und Kant im nächsten Seminar zu tanken. Schweinebraten mit Biersoße war genau die richtige Entscheidung.

Die ersten Wochen nach den langen Semesterferien sind echt hart. Während man in den Ferien bei schlechtem Wetter das Haus nicht freiwillig verlassen hat, muss man sich nun wieder Tag für Tag hoch quälen. Gott sei Dank gibt es da die Mensa als ‚Ruheort‘ und Ersatzwohnzimmer.

Der Tag begann schon echt bescheiden für mich. Nach dem Aufstehen um halb sieben Uhr MORGENS – was wirklich nicht einfach ist, wenn der dreimonatige Ferienrhythmus noch fest verankert ist und es einfach nicht gelingen will vor eins zur Ruhe zu kommen – muss ich mich in den bereits nach lediglich zwei vorherigen Bushaltestellen überfüllten Bus quetschen und von der Harmsstaße bis zum Botanischen Garten zwischen ebenfalls müden und stehfaulen Studenten stehen und halb ersticken. Fazit: Busfahren zur Uni raubt einem den letzten Nerv und das um halb acht Uhr MORGENS.

Nach meinem zauberhaften Latein-Tutorium von 8 bis 10 Uhr, genieße ich meine Freistunde mit dem Übersetzen von Cicero, Sallust und Caesar. Ob ich Latein studiere: Nein, aber selbstverständlich benötige ich ein Latinum für mein Geschichtsstudium. Klar, ich habe ja auch sonst nichts zu tun.

Egal jetzt. Nach dem vergeblichen Blättern im PONS, entschloss ich mich, in die Mensa zu gehen, um mich vom Kampf gegen den Ablativus Absolutus zu erholen und mit einem deftigen Essen zu stärken. Ich brauchte was ‚Ordentliches‘ und entschied mich für den Schweinebraten in Biersoße mit Kroketten und Broccoli. Kostenpunkt: rund drei Euro.

 

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Super Preis! Super Qualität?

Diesmal war ich sehr zufrieden mit dem Menü. Bis auf die dicke Mehlsoße, die man aus Omas heimischen Kochtöpfen kennt, war alles gelungen, fein abgeschmeckt und weder zerkocht noch fade. Ich dachte mir gleich, dass hier kaum Verbesserungen möglich sein werden. Aber ich wollte zumindest diesmal den Preis schlagen und eine noch bessere Soße zaubern.

Eingekauft habe ich in dem Supermarkt meines Vertrauens. Ich hatte Glück, denn zufälligerweise war in dieser Woche Rollbraten im Angebot. Ich kaufte gleich ein Kilo im Stück und zahlte nur 3,33 €/kg. Hinzu kommt:

1 Broccoli:                   0,89 €

1 Paket Kroketten:      1,19 €

1 Bier: inkl. Pfand        0,97 €

1 Bund Suppengrün:   0,85 €

1 Zwiebel:              ca. 0,10 €

Salz, Pfeffer, Zucker, Muskatnuss, etwas Tomatenmark, etwas Senf.

Vor der Zubereitung eines Bratens, das kann ich nachvollziehen, hat man einen gewissen Respekt. Das muss aber gar nicht sein. Eigentlich ist doch nichts einfacher, als etwas einfach vor sich hin köcheln zu lassen. Man muss nicht umrühren, man hat ca. zwei Stunden Zeit für andere Sachen und keinerlei Zeitdruck beim Zubereiten von den Beilagen.

Daher kümmern wir uns logischerweise als erstes um den Braten.

Den Braten von allen Seiten mit Salz und Pfeffer würzen und anschließend in einem großen Topf mit etwas Öl rundum anbraten. Nun den Braten aus dem Topf nehmen und auf einen Teller beiseite legen. In dem selben Topf das grob zerkleinerte Suppengemüse und eine geviertelte Zwiebel anrösten. Bereits hier verbinden sich die Röstaromen vom Fleisch und vom Gemüse miteinander Die Grundlage für eine richtig geile Soße. Als nächstes ca. 2 EL Tomatenmark hinzugeben und ebenfalls leicht anrösten. Nun wird mit einem 0,33 Bier und ungefähr 150 ml Wasser abgelöscht.

Den Braten zurück in den Topf legen und ca. zwei Stunden bei leichter Hitze köcheln lassen. Hierbei nach einer Stunde einmal wenden. Eine halbe Stunde vor dem Servieren ganz einfach die einzelnen Broccoliröschen in Salzwasser blanchieren und die Kroketten laut Angabe in den Ofen befördern.

Um die Soße zu vollenden, den Braten aus dem Topf auf einen Teller geben und ruhen lassen. Damit die Soße auf natürliche Weise andickt, ohne Mondamin oder Mehlschwitze, einfach bei höchster Temperatur, ohne Deckel einkochen lassen. Damit der Braten nicht auskühlt, eine kurze Zeit zu den fertigen Kroketten bei 80°C in den Ofen stellen. Er wird oder bleibt heiß, ohne dabei auszutrocknen.

Die Soße sollte nun auf die Hälfte einreduziert und dann durch ein Sieb passiert werden. Wenn man nun in die heiße, aber nicht mehr köchelnde Soße ein Stück kalte Butter und einen Teelöffel Senf gibt, dickt sie noch ein wenig nach und wird perfekt. Je nach Gusto noch mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Der Braten und die Kroketten bleiben im Ofen schön heiß und die Soße ist ebenfalls fertig. Fehlt noch ein wenig Pfiff beim Broccoli: Den gegarten Broccoli nach ca. 15 Minuten im kochenden Wasser abgießen und mit Butter und Muskatnuss verfeinern.

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Fertig ist der deftige Braten, der zu Hause noch viel besser schmeckt, als in der überfüllten Mensa in einer halben Stunde Pause. Genau das richtige in der nass-kalten Jahreszeit. Und preislich gab es Braten und Broccoli für zwei und noch leckeren Bratenaufschnitt am nächsten Tag sowie Kroketten für ein weiteres Gericht.

Guten Appetit

Eure Käthe

 

 

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Katrin Burmeister

Über Katrin Burmeister

Katrin Burmeister (25), studiert Geschichte und Philosophie an der CAU. Sie lebt seit fünf Jahren zusammen mit ihrem Freund in Kiel, kommt ursprünglich aus Bordesholm und arbeitet nebenberuflich bei H&M. „Ich bin eine ambitionierte Hobbyköchin, und wären die Arbeitszeiten des Kochs nicht so exorbitant nervig, wäre ich ganz sicher schon im Beruf gelandet.“ Im KN-CollegeBLOG will sie Mensaessen günstig, aber lecker nachkochen und die Rezepte dazu liefern.

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