Die Hochschulgruppe für Tierrechte – Vier Pfoten für ein bewusstes Miteinander

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Das Logo der HSGT

Die Atmosphäre im Seminarraum des Hansa 48 ist angenehm und die Stimmung freundlich. Ich stelle mich den Anwesenden kurz vor und nehme dann meinen Posten als Beobachter ein. Ich bin das erste Mal bei einem Treffen der HSG für Tierrechte. Mein Ziel ist, die Arbeitsweise der Gruppe kennenzulernen, als Außenstehender. Ganz neutral eben. Das ist jedoch leichter gesagt als getan, denn mir wird das Gefühl vermittelt, ich sei sehr willkommen, Barrieren fühle ich nicht.

Los geht es mit den Tagesordnungspunkten, Annelie leitet die Sitzung und beginnt sie auch. Den Anfang macht die Planung der Osteraktion. Jeder ist frei, sich zu äußern sowie Wünsche und Vorschläge einzubringen. Ostern ist eine gute Gelegenheit, um über tierische Produkte ins Gespräch zu kommen, Eier im Speziellen. In der Gruppe ist jeder willkommen, vegan zu sein ist absolut keine Voraussetzung. Es geht auch bei der Osteraktion darum, Menschen anzusprechen und auf die Situation von Legehennen hinzuweisen. „Leute erreichen, nicht urteilen“ könnte man das Credo der Gruppe zusammenfassen. Diese Offenheit wird nicht von allen Tierrechtsbewegungen geteilt, Anfeindungen können vorkommen.

Zu Ostern plant die HSG für Tierrechte einen Stand in der Holtenauer Straße, die bisherige Präsenz in der Holstenstraße führte zu wenig Erfolgen. Letztendlich möchte man die Menschen erreichen und ein Bewusstsein schaffen, die Hoffnungen an das veränderte Klientel sind hoch.

Das Treffen verläuft unverkrampft, und jeder fühlt sich sichtlich wohl, dennoch sollen am Ende Ergebnisse stehen. Und tatsächlich stört sich niemand an den ab und an durch den Raum laufenden Gästen des Kneipenbereichs, welche die Toiletten suchen. Der erste Punkt der Tagesordnung ist rasch vom Tisch, weiter im Text.

Zweites Anliegen ist heute die Arbeit an internem Textmaterial. Sehr demokratisch kann sich hier jeder zu den Formulierungen äußern. Alles wird diskutiert, ein Konsens gefunden. Wie wichtig es ist, solche Texte klar zu formulieren, wird mir schnell klar. Tierrechtsgruppen gehen in unterschiedlichste Richtungen, manche verfolgen sehr dogmatische Ansätze, sogar rechtsextreme gibt es unter ihnen. Die HSGT distanziert sich davon ausdrücklich. Außenwirkung ist wichtig, jeder, der tolerant und friedlich ist, ist in der Gruppe willkommen, das soll auch nach außen transportiert werden.

Die Anwesenden der Hochschulgruppe nach dem Treffen

Die Anwesenden der Hochschulgruppe nach dem Treffen (Foto: Benjamin Kindler)

Dann wird über Sponsoren für die Osteraktion geredet, anschließend über ein Soli-Konzert und wohin die Spenden gehen sollen. Die Themen werden gründlich, aber rasch abgehandelt. Besonders interessant ist das Gespräch über den Vortrag der Autorin Hilal Sezgin. Die Verfasserin des Buchs „Artgerecht ist nur die Freiheit“ ist von der Hochschulgruppe eingeladen worden und stellt am 22. Mai ihr Buch in der CAU vor. Dieser Anlass soll ausdrücklich auch zur professionellen Präsentation der eigenen Arbeit genutzt werden. Zur Arbeit der HSGT gehören Vortragsreihen, aber auch Aktionen wie der bereits erwähnte Stand zu Ostern. Weiterhin finden jedes Semester regelmäßige Aktivitäten wie das Kochen veganer Gerichte und Filmvorführungen statt. Durch die Gruppe organisierte Demos sind eher die Ausnahme. Dabei hat sich eine eigene „Demo-Kultur“ entwickelt. Der HSG Tierrechte geht es darum, den Dialog zu den Menschen zu suchen, radikale Methoden werden nicht angewandt.

Finanziert werden die Aktivitäten der Gruppe ausschließlich über Spenden. Allerdings sind die Kosten meist eher gering. Hauptsächlich fallen Lizenzgebühren für die Filme, Fahrtkosten für Gastredner und Lebensmitteleinkäufe an. Das Essen wird in der Regel gegen Spende angeboten, so findet ein Ausgleich statt.

Schnell sind die letzten beiden Tagesordnungspunkte abgearbeitet, jetzt hat jeder das Wort, der noch etwas sagen möchte. Über vieles wurde im Verlauf des Treffens geredet, dann und wann schweifte das Gespräch ab. Es ist eben ein sehr kollegiales und freundliches Miteinander in dieser Runde, dogmatisches Abarbeiten der Themen liegt da fern. Am Ende stehen dennoch Ergebnisse, die Gruppe arbeitet schließlich schon eine Weile zusammen und scheint sich aufeinander eingestellt zu haben.

Im Sommer 2012 wurde die Hochschulgruppe für Tierrechte gegründet und hat jetzt ungefähr 30 Mitglieder. Das Hauptziel ist, den Status quo der Tierrechte in unserer Gesellschaft durch Dialog mit der Öffentlichkeit zu verbessern. Jeder mit demselben Ziel ist willkommen. Besondere Fähigkeiten sind nicht nötig, es besteht kein Zwang, vegan oder vegetarisch zu leben. Wem die Rechte der Tiere am Herzen liegen kann sich im Internet via Facebook und auf ihrer Homepage bei der Gruppe melden oder einfach bei einem ihrer Treffen vorbeischauen. Die HSGT trifft sich jeden zweiten und vierten Dienstag im Monat um 20 Uhr im Hansa 48.

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