Wi snackt Platt – Ein Selbstversuch

Kann man Plattdeutsch wirklich als Fremdsprache erlernen und anwenden? Ich traf mich mit Frederik Reinhold, dessen Muttersprache Plattdüütsch ist. Er gehört zu den 27 Prozent Schleswig-Holsteinern, die sich noch auf Platt unterhalten können. Ich studiere die Regionalsprache hingegen erst seit zwei Semestern. Ein Selbstversuch.

Muttersprachler vs. Fremdsprachler. Frederik Reinhold (rechts) und ich (links) schnackten op Platt.

Muttersprachler vs. Fremdsprachler. Frederik Reinhold (rechts) und ich (links) schnackten op Platt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frederik erzählte mir, dass er in seiner Heimat auf Nordstrand im Kreis Nordfriesland mit seinen Eltern nur Plattdeutsch schnackt. Für ihn höre sich das einfach gut, ehrlich und direkt an. Ob sprachpolitische Förderungen eine Wirkung erzielen könnten, bezweifelte er. Ohne die Verwurzelung der Sprache in der Familie würde er es auf eigene Initiative nicht wirklich lernen. Die Sprache könne nur kulturell als Fremdsprache erhalten werden. Zwar sei Plattdüütsch auf Nordstrand noch eine normale Verkehrssprache, aber werde eben nur primär von der älteren Generationen benutzt.

Am Anfang unseres Gesprächs („Wo gaiht di dat denn?“ / „Mi gaiht das allerbest“) kann ich noch gut mithalten. Während des Gesprächs merke ich allerdings, dass mir die Vokabeln fehlen. Es gab immer wieder mal Sprechpausen oder ich musste Wörter nachfragen. Verstehen kann ich Plattdüütsch mittlerweile echt super, obwohl ich es erst seit 2014 lerne. Das konnte Frederik bestätigen: „Nach einem halben Jahr schon gut“, bewertete er mein Können typisch norddeutsch kühn. Nach dem geglückten Selbstversuch fühle ich mich motviert, mit dieser sympathischen, direkten Sprache weiterzumachen. Vielleicht auch mit einem eigenen Beitrag zu fördern. An vielen Ecken in Kiel kann ich Platt noch kulturell spüren, und das nicht nur auf musikalischer Ebene: Zum Beispiel bei der Niederdeutschen Bühne Kiel am Wilhelmplatz.

Platt als Fremdsprache zu lernen ist gar nicht so schwierig. Die Grammatik ist nicht so komplex wie im Hochdeutschen. Mir macht es großen Spaß. Der Klang der Laute lässt mich einfach heimisch norddeutsch fühlen und erheitert mich.

Nachdem Niederdeutsch als Minderheitssprache in die EU-Regionalsprachencharta aufgenommen wurde, hat sich das Land Schleswig-Holstein verpflichtet, Niederdeutsch zu fördern. An 27 Grundschulen wird es unterrichtet. Der erste Schritt zur Sprachförderung in Norddeutschland ist also gegangen worden. Die Universitäten Kiel und Flensburg in Schleswig-Holstein unterstützen mit Lehrangeboten auf Niederdeutsch. So gibt es für Lehramtsstudenten an der CAU in Kiel das „Ergänzungsfach Niederdeutsch“. Für 30 Leistungspunkte könnte sich nicht nur die berufliche Perspektive steigern, sondern ein ganz persönlicher Beitrag zur Förderung dieser Sprache geleistet werden. Im Masterstudiengang für Lehrämtler im Fach Deutsch müssen Studierende sogar eine Veranstaltung Friesisch oder Niederdeutsch belegen. Ob es dadurch gelingen könnte, das kulturelle Gedächtnis für das Niederdeutsche zu erhalten, bleibt fraglich.

Ik studeer Nedderdüütsch an de CAU Kiel. Bi Interesse kiekt doch ma op düssen Link: http://www.zsb.uni-kiel.de/infoblaetter/niederdeutsch-2F-erg.pdf

 

 

 

Ein Gedanke zu „Wi snackt Platt – Ein Selbstversuch

  1. Drachenkater

    Jrüss dich

    I bin jo jebürtig vum Ihrefeld (Kölle am Rhing), un i mus di saje met dem Platt he ovve is dat ledder su wie met dem Kölsche bei mie in dä Heimot -> et dät ledder usstirvve 🙁
    En dä Scholl da wed dat uch no als AG anjebote, uch wenn dä Sparkasse do su en Akedemie jejründet hät….

    Et jrüßt
    Dä Thorste, Wahlflensburger 😉

    Übersetzung benötigt? E-Mail bitte, dann schreibe ich eine 😉

    Antworten

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