Flüchtlingsintegration: Aufnahmestopp für Masse an ehrenamtlichen Helfern

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Die Politik bleibt, was die Flüchtlingsdebatte betrifft, gefordert. Mit welchen Gefahren die illegale Einreise nach Europa verbunden ist, wurde kürzlich auf tragische Weise am Schiffsunglück im Mittelmeer deutlich, bei dem offiziellen Berichten zufolge 800 Menschen ihr Leben verloren haben. Und trotzdem werden weitere Flüchtlinge versuchen, nach Europa zu kommen.

219.000 Menschen flohen laut dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR 2014 über das Mittelmeer; im laufenden Jahr sind es bis zum 20. April 35.000. Damit ist eine stetig steigende Zahl der Asylbewerber nicht nur in Italien oder Bulgarien zu verzeichnen, sondern auch Deutschland kommt auf einen Anstieg von 60% im Vergleich zum Jahr 2013.

Der Druck auf die Kommunen wächst und ist omnipräsent spürbar. Lange vor meinem Umzug nach Schleswig-Holstein wurde in meinem Heimatbezirk in Köln der Bau eines neuen Flüchtlingswohnhauses und damit verbundene Angebote für die Ankömmlinge geplant, hier in Kiel soll auf unserem Campus eine Erstaufnahmeeinrichtung für bis zu 700 Flüchtlinge entstehen, vor zwei Wochen beschloss die Christusgemeinde in Kronshagen, unweit von meinem Wohnort entfernt, das Gemeindezentrum für Flüchtlinge bereitzustellen. Darüber hinaus sind Turnhallen und Hotels unter anderem auch auf Bundesebene seit Monaten belegt.

Trotz dieses Drucks verhält sich ein großer Teil der Bevölkerung vorbildlich. Dies zeigte erneut die Informationsveranstaltung vergangene Woche „Geflüchtete in Kiel“ allein schon aufgrund der Teilnehmerzahl in dem bis an die Türen gefüllten Hörsaal. „Es geht darum, gemeinsam Lösungsstrategien zu finden!“, erklärte Martin Link vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein. Neben ihm hatten zahlreiche Organisationen an diesem Abend die Möglichkeit, sich zu präsentieren und den Anwesenden Informationen zu geben, wie sie sich in die aktuelle Flüchtlingssituation in Kiel hilfreich einbringen können. Darunter fanden sich auch sowohl der Christliche Verein zur Förderung sozialer Initiativen in Kiel als auch die Zentrale Bildungs- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Migranten (ZBBS), welche mittlerweile schon einen Aufnahmestopp für freiwillige Helfer beschließen musste und nun nur noch auf das Ehrenamtsbüro „Nette Kieler“ auf ihrer Website verweist.

Seit dem Unglück vor eineinhalb Wochen wird jedoch auch immer wieder Kritik an der Flüchtlingspolitik der Bundesrepublik Deutschland ausgeübt. Lauter werden Aufschreie nach einer legalen Einwanderungsmöglichkeit. Leider fehlen hierbei in den aktuellen Debatten zumeist die Ernsthaftigkeit und die Fähigkeit, Gedankengänge zu Ende zu führen. Noch dazu ist Grundlagenwissen bezüglich der Problematik nicht weit verbreitet. Sollte es nämlich eine legale Einwanderungsmöglichkeit geben und man ginge davon aus, die EU hole die Flüchtlinge in dafür übersetzenden Schiffen ab, dann tut sich ein neues Feld an Problemen auf, das Europa als Solches nicht zu bewältigen im Stande wäre. Die Frage, die sich dann stellt, ist: Wo soll welche Institution nach welchen Kriterien entscheiden, wer wieder gehen muss und wer bleiben darf, wo man es in diesem Falle nicht mehr mit Zehntausenden, sondern weit mehreren Hunderttausenden zu tun bekäme. Wer für diese Lösungsvariante plädiert, muss dann auch den Bürgern des Landes die Konsequenzen darlegen, denn diese sind in einem solchen Fall weitaus tiefgreifender als die Situation der überlasteten Kommunen derzeit ist. Auch der Irrglaube, Deutschland würde seiner moralischen Verantwortung nicht gerecht, ist noch weit verbreitet, aber dabei bleibt gerne unerwähnt, dass Deutschland gemeinsam mit Schweden ungefähr die Hälfte aller Asylbewerber in der Europäischen Union aufnimmt und Deutschland alleine zwei Drittel außerhalb der Krisengebiete aus Syrien aufgenommen hat. Das Problem ist vielmehr die Verteilung der bereits vorhandenen Massen, statt einer in diesem Kontext so oft genannten Abschottungspolitik Europas.

Insofern bleibt zu hoffen, dass die EU Möglichkeiten findet, das Schlepperwesen weiter einzudämmen und andere europäische Länder mehr in die Verteilung der Asylbewerber einzubinden, damit sich auch dort genauso viele hilfsbereite Menschen wie in Kiel finden können , die sich für eine Integration der Neuankömmlinge einsetzen.

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