Verwende deine Jugend

Keine Lust mehr auf Unialltag? Das geht vielen so, die gerade ihre Bachelorarbeit abgegeben haben oder dies in nächster Zeit tun wollen. Aber nicht nur nach dem Bachelorabschluss gibt es viele Möglichkeiten, eine Pause wie das „Gap Year“ einzulegen.

Dafür aber brauchen Studierende ein wenig Mut zur Lücke – weg von Studium und Berufsplanung nach Schema F.. Zwar steht das F hier für Fleiß, weniger aber für die Fähigkeit, einen Blick über den Tellerrand zu wagen. Suchen Arbeitgeber wirklich nach 22-jährigen Bachelorabsolventen, die außer Schule und Universität nichts weiteres gesehen haben? Oder pfeifen sie nicht viel eher auf ein Jahr Altersunterschied, weil der Student Lebenserfahrung gesammelt hat? Natürlich gibt es auch Arbeitgeber, die von ihren Bewerbern erwarten, dass sie vom Studium direkt ins Berufsleben starten. Jedoch lassen sich mindestens genauso viele von einer gut geplanten und sinnvollen Auszeit begeistern.

Praxiserfahrung – ohne Noten?

Als Bruch in ihrem Studium würde Anna Bursy, 22, die geplante Auszeit zwischen Bachelor und Master nie bezeichnen. „Bruch“, dass klinge nach unerwarteten Komplikationen, nach Scheitern oder Kaputtgehen. Viel sinnvoller würde Anna ihr „Gap Year“ als Teaching Assistent in England als „Auszeit“ bezeichnen. Zeit, um einmal an etwas anders zu denken als Politikvorlesungen und Hausarbeiten.

Für Anna Busy ist das „Gap Year“ die Chance,  praktische Erfahrungen zu sammeln ohne am Ende dafür benotet zu werden. Für acht Monate nach England zu gehen und dort in einer Schule zu unterrichten, sei eine wichtige Entscheidung gewesen. Anna: „Ich brauche auch einfach mal eine Pause, um Kraft und Motivation zum Weiterlernen im Master zu sammeln“

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Für Anna geht es in nächsten Jahr nach England.

Warum nicht jetzt?

Auch Malte Krüger, 22, wollte sich nicht für die Regelstudienzeit verbiegen lassen. „Oft hört man von Dozenten, dass es nicht wichtig sei, in Regelstudienzeit fertig zu werden. Auf der anderen Seite gibt es schon einen gewissen Druck, nicht unbedingt länger als nötig zu brauchen“, erklärt Malte.  Der Lehramtsstudent hat sich dazu entschieden, ein Sozialsemester einzulegen, was durch sein Stipendium finanziert wird.  Bis Februar arbeitet er in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Kiel und hilft bei der sozialen Betreuung unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge.

Dem Lehramtsstudent war es besonders wichtig, konkrete Hilfe zu leisten. Deshalb nahm er Kontakt mit der Aufnahmeleiterin der Unterkunft auf. Seine Motivation für ein Sozialsemester ergab sich für Malte in der Notwendigkeit etwas zu tun: „Täglich erfahren wir in den Nachrichten, dass Flüchtlinge nach Deutschland kommen und Hilfe brauchen. Warum nicht jetzt etwas tun?“

Malte arbeitet seit November in der Erstaufnahmeeinrichtung.

Malte arbeitet seit November in der Erstaufnahmeeinrichtung.

Planung, Planung, Planung

Für manchen gestaltet sich das „Gap Year“ allerdings als große Herausforderung – denn die Auszeit will gut durchdacht sein. Ob es ein Praktikum ist, um Berufserfahrung zu sammeln, ein Sprachkurs in einem anderem Land oder ein Freiwilligendienst in einer NGO: Auszeiten brauchen Zeit, um den entsprechenden Bewerbungsfristen gerecht zu werden. Nimm dir also die Zeit, dich rechtzeitig über Möglichkeiten und Alternativen zu informieren, damit du am Ende nicht doch noch im Hörsaal sitzen musst.

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