Selbstversuch: Französisch lernen im Selbststudium

Für 2016 habe ich mir zum ersten Mal in meinem Leben ein Neujahrsvorsatz vorgenommen. Ich möchte mir Französisch so gut beibringen, dass ich zumindest ein einfaches Gespräch führen kann. Sprachniveau A2 also. Eine Frage beschäftigt mich als angehenden Fremdsprachdidaktiker dabei besonders: Wie gut funktioniert das Sprachenlernen so ganz ohne Lehrer und Unterricht? Eine Bilanz nach vier Wochen Selbststudium.

Wie fange ich das Erlernen einer neuen Sprache am besten an? Hierfür wurde mir auf dem sozialen Netzwerk tumblr die App Duolingo ans Herz gelegt. Das Programm ist kostenlos und verzeichnet mittlerweile über 100 Millionen Nutzer weltweit. Duolingo funktioniert nach dem Prinzip der Belohnung: Mit jeder erfolgreich absolvierten Übung erhält der Nutzer Punkte, die wiederum gegen Bonusinhalte eingetauscht werden können. Zudem ist die App wie ein Videospiel aufgebaut, da man Erfahrungspunkte (XP) sammeln und im Level aufsteigen kann. Dieser spielerische und motivierende Charakter hat mich bisher auf jeden Fall am Ball bleiben lassen: Täglich übe ich einige Lektionen, um im Level aufsteigen zu können.

Sind schon Lerneffekte erkennbar? Absolut! Durch meine täglichen Übungen habe ich mir bereits ein Grundvokabular angeeignet, dass ich wohl so schnell nicht mehr vergessen werde. Die Wörter werden so oft wiederholt, bis sie sich in meinem Langzeitgedächtnis verankern. In meinen Veranstaltungen zur Fremdsprachdidaktik wird immer wieder betont, dass die Kenntnis des Wortschatzes das A und O des Spracherwerbs sind. Der Grund ist einfach: Selbst wenn ich die Grammatik (noch) nicht beherrsche, werde ich mich mit einem ausgeprägten Vokabular in einer Fremdsprache verständigen können.

Auf welche Schwierigkeiten bin ich gestoßen? Mein bisheriges Selbststudium verläuft weitgehend induktiv: Das bedeutet, dass ich Übungen absolviere und mir davon ausgehend die allgemeingültigen Regelmäßigkeiten der Sprache selbst ableite. Diese Methode entspricht den aktuellen Trends in der Sprachdidaktik, die sich immer mehr vom Pauken grammatikalischer Regeln distanziert bzw. diese Regeln von den Lernenden selbst erschließen lässt. Zwar ist es durchaus möglich, eine Sprache zu beherrschen, ohne ihre Regeln zu kennen (seine Muttersprache erlernt man nämlich genau so), mir persönlich fehlt jedoch in meinem Selbstversuch diese Sicherung von Regelmäßigkeiten. So beherrsche ich beispielsweise noch nicht perfekt die Personalendungen von Verben (Ist es „Je mange“ oder „Je mangez“?).

Ein weiteres Problem liegt für mich in der einseitigen Lernrichtung der Vokabeln. Duolingo generiert in erster Linie Aufgaben, die das Erkennen von Wörtern in der Fremdsprache voraussetzen. Nur in wenigen Fällen wird in die andere Richtung geübt, etwa das Übersetzen deutscher Sätze und Wörter ins Französische. Deshalb habe ich noch viele Schwierigkeiten damit, Französisch schriftlich oder mündlich zu reproduzieren, während ich einfache Formulieren schon recht gut verstehen kann.

Wie werde ich mein Selbststudium fortführen? Ich werde auf jeden Fall weiterhin mit der App lernen, da sie mich als wirksames Tool zum Erlernen einer neuen Sprache überzeugen konnte. Dennoch reicht ihr Angebot für mich nicht aus. Zum einen brauche ich Übersichten hinsichtlich der grammatikalischen Regeln, aber auch der französischen Aussprache und Rechtschreibung. Zum anderen möchte ich mein Vokabeltraining verbessern. Hierfür wurde mir bereits von mehreren Freunden der Vokabeltrainer phase6 empfohlen, den ich als nächstes ausprobieren werde. Eine Freundin hat mir zudem ein Lehrbuch geschenkt, das sich mit den Grundlagen der französischen Kommunikation beschäftigt.

Ich bin zuversichtlich, dass ich mein Ziel, Französisch auf dem Niveau A2 sprechen zu können, erreichen werde! Das Erlernen einer neuen Sprache erfordert zwar sehr viel Zeit und Geduld, es macht jedoch auch viel Spaß. Falls ihr Erfahrungen im Selbststudium einer Sprache gesammelt habt, lasst es mich gern in den Kommentaren wissen.

3 Gedanken zu „Selbstversuch: Französisch lernen im Selbststudium

  1. Charlotte

    Hallo Dennis, probiere mal die Methode nach Birkenbihl, sie lehnt sich an den kindlichen Spracherwerb. Durch Ergänzungen mit etwas Grammatik und – für mein doch etwas fortgeschrittenes Alter – einem Vokabelprogramm auf Leo.org funktioniert der Spracherwerb ganz gut. Viel Spaß noch beim Lernen Charlotte

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  2. RENATE GRAETSCH

    Hallo Dennis Wegner,
    ich betreue zur Zeit 2 syrische Flüchtlinge. Er(Abed Mohamad), 22J. 3. Semester Physik,; sie(Nour Mohamad), 30 J. abgeschlossenes Stud(Master) im syrischen Steuerrecht? Rechnungswesen?, sehr gute Englischkenntnisse.
    Beide sind seit Oktober hier und lernen fleißig Deutsch. Ist Ihr Verfahren des Lernens auch für Flüchtlinge geeignet? Beide wollen so schnell wie möglich Fuß fassen und weiter
    studierten oder arbeiten. Könnte ich auch noch eine Sprache damit erlernen(70Jahre)?
    Über einen Kontakt würde ich mich freuen.Wir könnten uns auch mit den beiden treffen, Kronshagen liegt dicht zur Uni.
    Renate Graetsch
    Mitarbeiterin des Arbeitskreises Flüchtlingshilfe Kronshagen
    0431 581547
    oder
    15234347500

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  3. Patrick

    Hallo Dennis, bin gerade über Google auf deinen Beitrag gestoßen. Da ich auch Duolingo nutze, hier ein Tipp. Bzw. eher eine Vermutung, die ich habe, nachdem ich gelesen habe, was du an Duolingo vermisst. Lernst du mit Duolingo auf dem Handy oder auf dem PC? Die Handy-App hat nämlich einen sehr großen Nachteil: Die vom PC angebotenen Grammatik-Lektionen und Erklärungen mit den Grundregeln der französischen Sprache werden nur auf dem PC angezeigt, wenn man eine Lektion anklickt. Logge dich mal mit deinen Zugangsdaten auf einem Laptop bzw. PC ein und schaue, ob dir das weiterhilft.

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