Von der Vorlesung ins Löschfahrzeug

Ihr Hobby holt sie schon einmal aus der Vorlesung: Denn rund 30 Studenten der Kieler Hochschulen sind Mitglied in einer der zehn Freiwilligen Feuerwehren. Einige von ihnen haben dem Collegeblog erzählt, was sie dazu bewegt hat, Mitglied zu werden und was die Arbeit für sie so besonders macht.

Rund 500 ehrenamtliche Mitglieder zählen die Freiwilligen Feuerwehren aus Kiel. Darunter sind laut Stadtfeuerwehrverband auch 30 Studenten. Auf die Frage, wie sie zur Feuerwehr gekommen sind, lachen Lea und Leopold zunächst. Die beiden sind Mitglieder in der Freiwilligen Feuerwehr (FF) Suchsdorf im Norden Kiels. Lea Martensen (21), Lehramtsstudentin an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) Kiel, erklärt es bei einem Treffen in einem Café in der Kieler Innenstadt so: „Die ganze Familie ist einfach dabei, mein Papa, mein Opa…“ Leopold Oeffner (21) ergänzt: „Das ist einfach der Verein im Dorf.“ Beide sind fürs Studium nach Kiel gezogen. Und beide wollten ihr Ehrenamt nicht aufgeben. Also traten sie in die Suchsdorfer Wehr ein.

Leopold studiert an der CAU Kiel Volkswirtschaftslehre und schätzt vor allem den Ausgleich zum sehr theoretischen Studium: „Ich sitze nicht gerne den ganzen Tag in meinem Zimmer und lerne. Bei der Feuerwehr habe ich Praxisbezug, kann mich körperlich betätigen und außerdem Menschen helfen.“ Jeden zweiten Dienstag treffen sich alle Mitglieder im Gerätehaus. Es werden aktuelle Themen besprochen, Übungen durchgeführt und theoretisches Wissen für den Ernstfall vermittelt. Hinzu kommen Treffen, um gemeinsam Sport zu treiben. Bei der Jugendfeuerwehr, in der die 10- bis 18-Jährigen aktiv sind, helfen Lea und Leopold als Betreuer. „Die Arbeit mit den Kindern ist eine gute Vorbereitung auf den Lehrerberuf“, findet Lea. „Insgesamt bekommt man viel zurück für die Zeit und Arbeit, die man in die Feuerwehr steckt.“ Jeder habe die Möglichkeit, viele zusätzliche Aufgaben und Ämter zu übernehmen, könne aber auch nur einfaches Mitglied sein.

Flexibel Entscheidungen treffen

Der Altersdurchschnitt in der FF Suchsdorf sei sehr viel niedriger als bei anderen Wehren, erzählen die beiden. Grund hierfür sei vor allem ihr Einzugsgebiet, in dem auch die CAU Kiel liegt. Die Wehr sei sogar derart gefragt, dass es einen Aufnahmestopp bei aktiven Mitgliedern gäbe. Dies sind jene, die mit auf Einsätze fahren können. Einsätze machen laut Leopold auch einen großen Reiz der Feuerwehrarbeit aus. „Meinen Melder habe ich immer mit in den Uni-Veranstaltungen“, erzählt er. Dieser fängt bei Alarm laut an zu piepen. „Letztes Semester gab es einen Einsatz während einer sehr wichtigen Vorlesung, da bin ich dann nicht hingefahren.“ Eine Ausnahme. Denn im Grunde sei es wichtig, als zeitlich flexibler Student zu den Einsätzen zu fahren, da viele Kameraden tagsüber arbeiteten.

Leopold Oeffner und Lea Martensen erzählen von ihrer Arbeit in der FF Suchsdorf.

Leopold Oeffner und Lea Martensen (rechts) erzählen von ihrer Arbeit in der FF Suchsdorf.

Wer einmal in die Feuerwehr eintritt, tritt so schnell nicht wieder aus, bestätigt auch Carina Wente. Die 23-Jährige studiert im Master Kommunikationsdesign an der Muthesius-Kunsthochschule und ist Mitglied in der FF Gaarden. „Ich war vorher schon Feuerwehrfrau in Niedersachsen“, erzählt sie. Infolge ihres Umzugs 2012 nach Kiel trat sie in die Wehr auf dem Kieler Ostufer ein. Und trotz eines Wohnungswechsels, der sie in den Kieler Stadtteil Schreventeich führte, blieb Carina dort Mitglied. Grund dafür sei die Gemeinschaft in der FF Gaarden: „Ich habe da andere Freunde als in der Uni. Es ist einfach jeder willkommen, unterschiedliche Leute aus ganz unterschiedlichen Berufsfeldern.“ Als sie noch in Gaarden wohnte, konnte sie bei Einsätzen mit dem Fahrrad gut zum Gerätehaus fahren. Jetzt kann sie durch die Entfernung schwieriger an Einsätzen teilnehmen. Aber unmöglich ist es nicht, wie Carina erzählt: „Eine Straße von meinem jetzigen Zuhause entfernt wohnt ein Kamerad mit einem Auto. Wenn ich mich rechtzeitig bei Alarm an die Straße stelle, kann der mich mitnehmen.“

Grundausbildung dauert 1,5 Jahre

Dieses Problem hat Moritz Adamska (21), gebürtiger Kieler und Agrarwissenschaftsstudent an der CAU Kiel, nicht. Er ist in Meimersdorf aufgewachsen und dort seit fünf Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr. Ob man Studenten allgemein empfehlen könne, in die Feuerwehr einzutreten, sieht er kritisch: „Es kommt darauf an. Nur für drei Jahre Studium Mitglied zu werden, lohnt sich nicht wirklich.“ Die Grundausbildung zum aktiven Mitglied dauere bereits anderthalb Jahre. Mit verschiedenen Modulen werden die Mitglieder darauf vorbereitet, auf Einsätze zu fahren, und gegebenenfalls Atemschutzträger zu werden. Diese dürfen mit ihrer Ausrüstung brennende Gebäude betreten.

Lea sieht dies nicht so wie Moritz: „Bei uns gibt es viele Quereinsteiger. Und denen gefällt es auch sehr gut in der Wehr. Ich finde, es lohnt sich auch auf jeden Fall fürs Studium.“ Leopold stimmt ihr zu: „Wenn man umzieht, ist die Ausbildung ja nicht verloren, sondern man kann damit bei einer anderen Feuerwehr anknüpfen.“ Auch Carina aus Gaarden ist dieser Meinung: „Jeder, der sich berufen fühlt oder nur ein bisschen interessiert ist, sollte es ausprobieren.“

Weitere Informationen zu den Freiwilligen Feuerwehren in Kiel gibt es auf der Website des Stadtfeuerwehrverbandes: feuerwehr-kiel.de

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