Das Monster namens „Gruppenarbeit“

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Hausarbeiten sind nicht zuletzt wegen ihres enormen Umfangs als Prüfungsform unbeliebt. Noch schlimmer ist, wenn die Prüfungsleistung in der Gruppe geleistet werden muss. Wer bei Gruppe nun an die noch vergleichsweise entspannte Arbeit zu zweit denkt, mag in einigen Fällen recht haben. Man stelle sich aber eine Gruppenhausarbeit mit einer Gruppengröße von vier oder gar acht Studierenden vor. Gibt es nicht? Oh doch! Acht Köpfe mit acht eigenen Vorstellungen sowie unterschiedlichen Arbeits- und Herangehensweisen sollen ein gemeinsames Werk abgeben. Eine Herausforderung. So richtig Spaß macht das Ganze aber erst, wenn man in einem Semester mehrere Hausarbeiten schreiben soll und die Gruppen untereinander koordinieren muss.

Schwierigkeit

Ich hatte eigentlich nicht vor, in diesem Artikel zu polemisch zu klingen. Dann las ich, dass Polemik vom griechischen Wort polemikós kommt, was soviel bedeutet wie kriegerisch. Gruppenarbeiten und -projekte sind immer Herausforderungen und manchmal auch ein kleines bisschen Krieg. Sie scheitern oft schon daran, sich gemeinsam zu treffen. Je größer die Gruppe, desto schwieriger die gemeinsame Terminfindung. Verschiedene Menschen haben alle andere Freizeitgestaltung. Einige gehen Hobbies nach, andere arbeiten nebenbei, manche haben bereits Kinder. Unterschiedliche Lebensstile zusammenzubringen ist alles andere als leicht. Wenn man dann auch noch mehrere Gruppen hat, mit denen man sich treffen muss, wird es richtig hart. Das sehen die Dozierenden jedoch selten ein. Doch was tun? Erfahrungsgemäß ist es am besten, wenn ihr mit einer Gruppe früher anfangt als mit den anderen. So erspart ihr euch starke Überschneidungen in den Hauptarbeitsphasen. Ganz wichtig: Setzt euch selbst Deadlines, bis wann ihr was in der Gruppe fertig haben wollt! Das erhöht den Druck und verhindert Prokrastination.

Ist endlich ein Termin gefunden, kommt es schnell zu Stress. Man hat verschiedene Vorstellungen vom Ideal. Das geht schon bei Kleinigkeiten wie Satzformulierungen los. Der Eine recherchiert ausschließlich online, während der Andere lieber Bibliotheken durchstöbert. Mein Tipp: Ergänzt euch! Nutzt diese Synergien. Vielleicht könnt Ihr dabei noch das Eine oder Andere voneinander lernen.

Sinnhaftigkeit

Dass Haus- oder Seminararbeiten auch positive Aspekte bringen, steht außer Frage. Man befasst sich über einen längeren Zeitraum hinweg mit einem zuvor definierten Thema und bekommt so die Möglichkeit, auch einmal mehr in die Tiefe zu gehen. In einer Gruppe geht dieser Faktor jedoch schnell unter. Von Gruppenarbeit erhoffen sich Dozierende oft die gegenseitige Befruchtung von Gedanken und einen größeren Fundus an Ideen. Die Realität sieht jedoch oft anders aus:

„Viele Köche verderben den Brei.“

Wenn man die Hausarbeit in Themenblöcke unterteilt, ist jeder am Ende Experte auf seinem Gebiet – und oft nur da. Die anderen Bereiche werden oberflächlich wahrgenommen, aber nicht in der Tiefe verstanden. Die Tiefe im Themenblock bleibt erhalten, während die Breite des Themas verloren geht. Ist es nicht genau der Sinn von Hausarbeiten, der abhanden kommt?

Selbstbestimmtheit

Noch vor wenigen Semestern versuchte man dieses Problem zu umgehen, indem es eine gemeinsame Note für die gesamte Gruppe gab. Ich für meinen Teil bin kein großer Freund von Gruppenbenotung, habe damit eher schlechte Erfahrungen gemacht. Meiner Meinung nach geben sich die Gruppenmitglieder mehr Mühe, wenn sie für ihre eigene Arbeit benotet werden. Ansonsten kommt es schnell zum sogenannten Ringelmann-Effekt (TEAM = „Toll, ein anderer macht’s“). In einigen Fällen besteht sogar die Wahl, ob man eine Gruppen- oder Einzelbewertung haben möchte. An diesem Punkt kommt man jedoch schnell in einen seelischen Konflikt: Ist es egoistisch, für seine eigene Arbeit in der Gruppe allein bewertet werden zu wollen? Ehrlich gesagt, muss das jede und jeder für sich selbst entscheiden. Denke nur daran: Es ist dein Studium und am Ende ist es deine Note auf dem Papier. Nicht die der anderen.

3 Gedanken zu „Das Monster namens „Gruppenarbeit“

  1. Ich

    Interessanter Ansatz, leider aber nicht auf den Großteil der Gruppenarbeiten zutreffend. Ein wichtiger Nutzen von Gruppenarbeiten ist die Vorbereitung auf das tatsächliche Arbeitsleben. Schauen wir uns die überwiegende Mehrheit an Arbeitsplätzen in der Wirtschaft an, stelle wir fest, dass diese nicht durch Einzelkämpfer besetzt sind sondern in Arbeits- und Projektgruppen funktionieren, in denen es um Absprache und Teamgeist geht. Innerhalb der Gruppe kann der Einzelne gut koordiniert sein Spezialgebiet bearbeiten und die Gruppe im „großen“ Projekt fördern. Zur Problematik des fachlichen Tiefenverständnisses muss natürlich sichergestellt werden, dass der Wissenaustausch nicht nur in die Gruppe sondern auch aus der Gruppe zum Einzelnen funktioniert – dies bedeutet aber nicht per se, dass eine Gruppenarbeit schlecht ist, sondern definiert u.a. nur, was eine gute Gruppenarbeit aus macht.

    Der abschließende Kommentar ist natürlich im Allgemeinen gesehen totaler Quatsch. Zwar verstehe ich, dass man unter bestimmten Umständen seine eigenen Ziele vor die der Gruppe stellt (bestmöglichster Studienabschluss), arbeitstechnisch wie gesellschaftlich ist diese Haltung jedoch fragwürdig. Nach dem Motto: „Nach mir die Sinnflut.“ und „Hauptsache mir geht es gut.“

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    1. Denise KleinDenise Klein Beitragsautor

      Für den Arbeitsalltag stimme ich Ihnen da vollkommen zu. Der Artikel bezieht sich jedoch auf das von Ihnen aufgenommene Ziel eines bestmöglichen Studienabschlusses und ist daher nicht eins zu eins auf die Arbeitswelt übertragbar.

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      1. Ich

        Wenn ich auf mein Studium zurückblicke (was in der Tat noch gar nicht so lange her ist ) war mir am wichtigsten – und somit der bestmöglichste Studienabschluss – möglichst viel für mein zukünftiges Arbeitsleben und mein Leben im Allgemeinen zu lernen. Bei einem Studium wie Maschinenbau stellte sich bei mir der größte Lernnutzen und Wissenszuwachs in Arbeitsgruppen ein, da ich hier Erlerntes in Projekten (Fh Kiel z.B. Raceyard) sowie Projektarbeiten anwenden und mein Wissen reflektieren konnte, aber auch Methoden lernte, die ich allein vermutlich nur durch erheblichen Mehraufwand oder gar nicht erlangt hätte. Mich persönlich motivierten Gruppenarbeiten zudem und begeisterten mich für fachlich trockene Themengebiete – nicht immer, aber oft.

        Wenn man unter bestmöglichsten Studienabschluss nur die besten Noten im Zeugnis versteht und als Persönlichkeit besser alleine lernt, mag Ihr Einwand durchaus zutreffend sein. Zudem möchte ich nicht Ausschließen, dass das Thema „Gruppenarbeit“ stark studiengangs- und modulabhängig ist.

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