Artgerecht statt ungerecht

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Der Verein ProVieh setzt sich bereits seit 1973 für die artgerechte Haltung von Tieren in der Landwirtschaft ein. In seiner Zentrale in Kiel und bundesweit engagieren sich auch Studierende für den Tierschutz. Der Collegeblog hat zwei von ihnen zum Gespräch getroffen.

„Mir ging es vor allem darum, nicht nur zu spenden, sondern aktiv dabei zu sein“, erklärt Sophia Hartwig (26) ihre Beweggründe, Mitglied bei ProVieh zu werden. Sie ist angehende Studentin der Agrarwissenschaft an der Fachhochschule Kiel und interessierte sich bereits seit längerem für das Thema Tierschutz. Ihre Mitstreiterin Svenja Taube (22) studiert im siebten Semester Deutsch und Europäische Ethnologie/Volkskunde an der Christian-Albrechts-Universität. Sie ist über einen Informationsstand auf der Kieler Woche auf ProVieh aufmerksam geworden. So habe sie auch von der Möglichkeit erfahren, ein Praktikum bei dem Verein zu machen. „Jetzt bin ich schon seit zwei Monaten dabei“, erzählt Svenja. „Und weil es mir bis jetzt so gut gefallen hat, werde ich noch um einen Monat verlängern.“

Sich und andere informieren

Beide ernähren sich vegetarisch, Sophia probiert sogar, vegan zu leben. Doch dies sei ihre persönliche Entscheidung, betonen sie. Bei ProVieh ginge es nicht darum, das Fleischessen zu verbieten. „Vielmehr soll geguckt werden, wo das Fleisch herkommt“, erklärt Svenja. Wo es herkommt, erfahren die Mitglieder von ProVieh beispielsweise auf Hofbesichtigungen. Hier sehen sie, wie Landwirtschaft in der Praxis funktioniert. Wie werden die Tiere gefüttert und gehalten? Beim Verein angestellte Fachreferenten begleiten diese Exkursionen und beantworten Fragen. Im Anschluss gebe es immer ein Gespräch mit dem Hofbesitzer. Hier schildert er seine Sicht der Dinge und reagiert auf Kritik. „Bei diesen Hofbesichtigungen bekommt man einen realen Eindruck“, findet Sophia. „Beispielsweise auch davon, wie eine Schlachtung abläuft.“ Das sei wichtige Aufklärung für einen selbst. Und helfe auch in der Vereinsarbeit, wenn sie andere über artgerechte Tierhaltung informieren wollen. „Die Hemmschwelle ist ja sehr groß“, gibt Svenja zu Bedenken. „Die Frage ist: Will ich das wirklich wissen?“ Sophia stimmt zu: „Es geht darum, die Augen zuzumachen oder sich zu informieren. Und ob und wie man seinen Konsum verantworten kann.“ Selbst im Kleinen würden Veränderungen einen Unterschied machen. „Der Verbraucher hat wirklich die Macht“, stellt Svenja fest.

Svenja Taube (links) und Sophia Hartwig (rechts) engagieren sich neben dem Studium bei ProVieh.

Svenja Taube (links) und Sophia Hartwig (rechts) engagieren sich neben dem Studium bei ProVieh.

Mitmachen

Wer sich für das Thema Tierschutz interessiert, könne ganz einfach mit dem Verein in Verbindung treten, erzählen die beiden. „Es gibt eine Aktionsgruppe auf Facebook, da kann jeder eintreten. Da informieren wir über Veranstaltungen, die anstehen“, sagt Svenja. „Neue Leute sind auf jeden Fall immer willkommen.“ Die Aktionen sind vielfältig: gemeinsame Kochtreffen, die Hofbesichtigungen und auch Besuche von Demonstrationen wie „Wir haben es satt!“ in Berlin gegen die Agrarindustrie. Sophia betont: „Das finde ich, ist gerade das Tolle an ProVieh – dass alles freiwillig ist und dass jeder so viel beitragen kann, wie er möchte.“ Wer sich entscheidet, in den Verein einzutreten, zahlt als Studierender 2 Euro Mitgliedsgebühr pro Monat. Dafür bekommt er außerdem vierteljährlich das Vereinsmagazin.

"Artgerecht statt ungerecht" - das Motto von ProVieh.

„Artgerecht statt ungerecht“ – das Motto von ProVieh.

Kompromisse schließen

Svenja hat durch ihr Praktikum in der ProVieh-Geschäftsstelle einen Einblick in die hauptberufliche Vereinsarbeit bekommen. „Wir wollen einen Austausch mit der Landwirtschaft. Aber das Thema Tierschutz birgt natürlich auch immer Konfliktpotential.“ Manche Bauern fühlten sich von den Forderungen des Vereins angegriffen. „Dabei ist es wichtig, dass wir an einem Strang ziehen gegenüber der Politik.“ Um etwas zu erreichen, müssten sie viele Kompromisse schließen. „Auch wenn wir mit diesen nicht hundertprozentig zufrieden sind.“ Für Svenja steht auf jeden Fall fest, dass sie sich nach dem Praktikum weiterhin für ProVieh engagieren möchte.

Wer Interesse an der Arbeit von ProVieh hat, kann sich auf http://www.provieh.de/ über den Verein informieren und auf Facebook der PROVIEH-Aktionsgruppe beitreten.

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