Studienplatzklage: „Ich will doch nur studieren“

„Ich bin nicht reingekommen!“ Das letzte Mal, als Patrick Lietsche diesen Satz sagte, scheiterte er vor der Club-Tür. Vor einigen Monaten aber bedeutete dieser Satz für Patrick viel mehr als nur der zerplatzte Traum einer Partynacht. Seine Abiturnote hat für die Zulassung seines Wunschstudiengangs einfach nicht gereicht. Er hätte warten ­ oder versuchen können sich einzuklagen. Doch lohnt sich das überhaupt?

Dass Studierende für ihren Wunschstudienplatz vor Gericht ziehen, ist immer beliebter geworden. Auch an der Kieler Fachhochschule und der Uni zeigt sich: Je attraktiver ein Fach, desto mehr Studierende wollen sich durch eine Klage noch in die vollen Hörsäle hineinquetschen. Falls es klappt, können sie sich über einen Studienplatz freuen. Klappt es nicht, bleiben sie auf den Kosten sitzen. Und die können immens hoch sein.

„Leider müssen wir Ihnen mitteilen..“ Patrick Lietsche ist immer noch enttäuscht, auch als er den Ablehnungsbescheid für Soziale Arbeit an der Fachschule Kiel zum dritten Mal liest. Bereits zu Beginn seiner Abiturzeit war Patrick klar, dass er gerne im sozialen Bereich arbeiten würde. Für den Studiengang Soziale Arbeit hat er sich an vielen Hochschulen beworben, angenommen wurde er an keiner. „Nach der Absage kam für mich dann nur noch Plan B infrage. Ich habe angefangen an der Christian-Albrechts-Universität Pädagogik und Sprachwissenschaft zu studieren.“

So richtig überzeugend war dieses Studium an der CAU für Patrick allerdings nicht: „Ich glaube, so ist das mit großen Träumen, die möchte man nicht so leicht aufgeben.“ Patrick entscheidet sich also die Absage nicht einfach hinzunehmen, bewirbt sich für das Sommersemester ein weiteres Mal. Absage. Schon wieder. Der 26-Jährige wird wütend, schließlich geht es um seine Zukunft.

Kein Einlass? Studieren wo man will, was man will- so einfach ist das für viele Student*innen leider nicht.

Kein Einlass? Studieren wo man will, was man will – so einfach ist das für viele Studierende leider nicht.

„Ich will doch nur studieren“, denkt er und entscheidet sich, Tage später zum Anwalt zu gehen, um Klage gegen die Fachhochschule einzureichen. Im Internet informiert er sich über seine Möglichkeiten, spricht mit Studierenden der Sozialen Arbeit, die es geschafft haben sich einzuklagen. Sie machen ihm Mut, vielleicht sitzt er auch bald im Hörsaal neben ihnen. Seine ganze Hoffnung setzt Patrick in den Artikel 12 des Grundgesetztes. Hier heißt es: „Jeder hat das Recht, seinen Beruf frei zu wählen.“ Dieser Artikel wird allerdings nicht verletzt, wenn die Institutionen nachweisen können, dass sie ihre Ausbildungskapazitäten voll ausschöpfen. Gemeinsam mit seinem Anwalt begibt sich Patrick nun auf die Jagd nach Kapazitäten.

Patrick (26) mit einem Abiturschnitt von 2,5 stehen seine Chancen für Soziale Arbeit schlecht, trotzdem will er es weiter versuchen.

Für Patrick (26) mit einem Abiturschnitt von 2,5 stehen seine Chancen für Soziale Arbeit schlecht, trotzdem will er es weiter versuchen.

Doch auch auf dem Rechtsweg klappt es nicht. Als sich für Patrick zeigt, dass er auch im Sommersemester nicht an der Fachhochschule studieren wird, ist die Enttäuschung riesig. „Ich habe mir die Anwaltskosten durch Nebenjobs finanziert. Ich musste lange sparen, um diese bezahlen zu können.“ Patrick hat viel Verständnis dafür, dass die Hochschulen nur eine bestimmte Zahl an Studienplätzen bereitstellen können. Trotzdem fühlt er sich, als wäre er vor verschlossener Tür stehen gelassen worden: „Ich habe keinen schlechten Abiturschnitt, habe eine Ausbildung im sozialen Bereich. Mein Wunschstudium bleibt mir trotzdem verborgen.“

Er weiß nun, dass auch Anwälte ihm keine Garantie auf einen Studienplatz geben können. Aufgeben möchte Patrick dennoch nicht. Er wird sich auch im kommenden Semester versuchen einzuklagen. „Es wird hoffentlich klappen. Ich weiß, was ich will“, sagt er optimistisch.

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