Wie lehre ich Deutsch als Zweitsprache?

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An verschiedenen Schulen in Schleswig-Holstein entstehen DaZ-Zentren oder sind allmählich Bestandteil der Institutionen. Die zentrale Frage in der Bildungspolitik müsste lauten: Wie gelingt ein professionalisiertes Gleichgewicht zwischen Lehrenden und Lernern? Jetzt soll an der CAU Kiel eine Juniorprofessur entstehen, die sich mit dem Thema „Deutsch als Zweitsprache“ beschäftigt.

Freitag, 20. Mai 2016. Ich befinde mich in den heiligen Hallen der Leibnizstraße 1. Genau hier erwartet die CAU Kiel zahlreiche Bewerberinnen für eine Juniorprofessur mit Tenure Track für Deutsch als Zweitsprache und fachbezogene Sprachförderung. Interessiert lausche ich den Vorträgen und bringe meine Gedanken zu Papier.

Funktion schafft Form. Oder umgekehrt: Die Form folgt der Funktion. Eine Theorie der Sozialwissenschaft, um aktuelle Entwicklungslinien in der Bildungswelt erklären zu können. Endlich ist es soweit! Die bereits Geflüchteten stehen in den Startlöchern, ein adäquates und professionelles Angebot an Deutschkursen zu erhalten. Na nu? Dafür müsste ja auch entsprechend Personal vorher ausgebildet sein. Denn aktuell stämmen eine Vielzahl von Ehrenamtlichen das hohe Pensum. Hierbei gilt es zu differenzieren: Deutsch als Zweitsprache = Ich erlerne die deutsche Sprache im Inland, um mich für den Alltag zu rüsten und Deutsch als Fremdsprache = Die generelle Form, Deutsch nicht als Muttersprache zu lernen.

Eine Steigerung der Attraktivität der CAU?

Allerdings bietet das Zentrum für Lehrerbildung ein Zertifikatssemester für Lehramtsstudierende im Master of Education an, das Germanistische Seminar darf eine Hochschuldozentin für Deutsch als Fremdsprache beschäftigen und immerhin unterstützt das Lektorat für Deutsch als Fremdsprache eine integrative Entwicklung in einer pluralen Gesellschaft. Von einer Juniorprofessur für Deutsch als Zweitsprache erhoffe ich mir eine breitere Palette an Lehrveranstaltungen für das Lehramt.

So eine Professur mit weniger Gehalt könnte einen Anker-Effekt auslösen, um weitere Dozierende einstellen zu können. Wiederum eine Steigerung der Attraktivität der CAU. Diese Hoffnung schimmert in mir, da der sogenannte „Tenure Track“ für eine vielleicht unbefristete Stelle sorgt. Die Referentinnen verschiedener Universitäten stellen sich im Auswahlverfahren den Professoren des Germanistischen Seminars. Selbst die Studierenden dürfen partizipieren. Denn sie haben über die Studierendenvertreter in der Berufungskommission eine Stimme. Die Vorträge reichen von Themen wie Bildungssprache, Wissen von DaZ-Lernern, Sprachförderung über klassischere Themen wie Textproduktion und den Kasus als Sprachindikator.

Fragen für die Zukunft

An verschiedenen Schulen entstehen DaZ-Zentren oder sind allmählich Bestandteil der Institutionen. Die zentrale Frage in der Bildungspolitik müsste lauten: Wie gelingt ein professionalisiertes Gleichgewicht zwischen Lehrenden und Lernern? Hier wurde etwas gepennt. Oft besitzen Deutsch-Dozierende keine theoretisch-fundierte Ausbildung oder haben einfach nur Deutsch auf Lehramt studiert.

An der Carl-von-Ossietzky Universität zu Oldenburg wurde vorausschauender geplant: Hier forscht seit 2013 eine echte Professorin am besagten Kosmos. Sprache als Schlüssel zur Integration ist ein unverzichtbares Diktum. Dafür sind auch Stellen in den Schulen notwendig. Wir müssen aus den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte lernen und endlich akkurat handeln. Ich möchte kein Mosaik, ich möchte ein tolerantes Miteinander und hier müssen wir an dem natürlichsten und emotionalsten Apparat ansetzen. So heißt es beim Großmeister Fontane: „Das Menschlichste, was wir haben, ist doch die Sprache, und wir haben sie, um zu sprechen.“

In meinem nächsten Artikel werde ich Portraits von Dozentinnen und Dozenten der Praxis berichten. Eventuell werde ich auch verraten, wer die Stelle gewonnen hat.

 

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