Brücken in die Zukunft bauen

Bei dem Mentoring-Programm „Rock Your Life!“ geben Studierende ihre Erfahrungen an Jugendliche weiter. Nun ist der Verein auch in Kiel vertreten.

Viele mögen es aus ihrer eigenen Jugend kennen: Man weiß nicht so genau, wo man hinmöchte und hat kein klares Ziel vor Augen. Das kann wirklich demotivierend wirken. Es ist gut, wenn man dann jemanden hat, der einem in dieser Zeit zur Seite steht und dabei hilft, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Noch besser, wenn diese Person nicht sehr viel älter als man selbst ist, denn manche Teenager wollen alles, aber bloß nicht auf ihre Eltern hören.

Für genau diesen Zweck gibt es das Mentoring-Programm „Rock Your Life!“, das nun auch in Kiel existiert. Dabei betreuen Studierende Schülerinnen und Schüler. Heiko Kolz, Mitbegründer des Vereins in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt, meint: „Wir wollen Jugendlichen helfen, Ziele für die Zeit nach der Schule zu entdecken.“ Heiko ist erst über einige Umwege an sein persönliches Ziel gekommen. Er hat sein Abitur nachgemacht, studiert VWL und ist Unternehmensberater. Der 32-Jährige möchte seine Erfahrungen gerne an andere weitergeben, damit diese ihren Weg vielleicht direkter gehen können als er selbst.

Auch Laura Zgoda gehört zum Kieler Gründungsteam. Sie studiert Soziale Arbeit an der FH. „Das Unterstützen liegt mir einfach im Blut“, lacht sie. Neben dem Drang, anderen Leuten unter die Arme zu greifen, sollten Mentoren außerdem Begeisterungsfähigkeit mitbringen. Genauso wichtig ist Empathie. „Die Mentoren müssen sich in die Schüler hereinfühlen können“, erklärt die 26-Jährige. Außerdem seien Selbstbewusstsein, Zielstrebigkeit und soziales Engagement von Bedeutung. „Der Wille, über den Tellerrand zu blicken, ist ebenfalls relevant,“ ergänzt Heiko.

Bisher steckt das Projekt in Kiel noch in den Kinderschuhen. Außerdem kommen die meisten Mentoren von der CAU Kiel. „Rock Your Life!“ soll allerdings auch an der FH verbreitet werden. Studierende aus allen Fachrichtungen von Medizin bis Philosophie sind vertreten. Wer sich als Mentor engagieren möchte, muss zunächst ein Motivationsschreiben einreichen. Danach folgt ein persönliches Gespräch mit Mitgliedern des Vorstandes.

Bei „Rock Your Life!“ gehen die Mentoren in die Schulen, um von dem Programm zu berichten. Interessierte Schülerinnen und Schüler können danach zum sogenannten Matching gehen. „Wir nennen das auch Speed-Dating“, erzählt Laura. „Die Schülerinnen und Schüler unterhalten sich je fünf Minuten mit jedem der Mentoren.“ Danach können die Jugendlichen zwei Favoriten angeben und bekommen danach einen Mentor zugeteilt. „Schüler und Mentor sollten sich mindestens einmal pro Woche treffen“, fügt Laura hinzu. Dabei ist es dem Tandem überlassen, welche Unternehmungen anstehen. Egal ob Kino, Kaffee trinken oder Eis essen: In welchem Rahmen der Austausch über die Zukunft stattfindet, kann individuell gestaltet werden. Das 1:1-Mentoring läuft über zwei Jahre. Durch den geringen Altersunterschied zwischen Schülern und Studierenden nehmen letztere eine Vorbildfunktion ein und können der Identifikation dienen. „Am Ende sollen die Schülerinnen und Schüler aber ihren eigenen Weg finden,“ betont Laura.

Das Programm richtet sich insbesondere an Jugendliche aus benachteiligten Verhältnissen, sei es wirtschaftlich, sozial oder familiär. „Bundesweit driftet die Kluft zwischen Arbeiter- und Bildungsschicht immer weiter auseinander,“ weiß Heiko. „Bildung ist ein kritischer Punkt. Wir wollen Power für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit bereitstellen.“ Die Mentoren setzen sich mit ihrem Engagement also für soziale Mobilität ein.

Abgesehen von Studierenden stehen auch Unternehmen den Schülerinnen und Schülern auf dem Weg nach der Schule helfend zur Seite. So fördert beispielsweise Penny das Projekt in ganz Deutschland. Als regionale Firma konnte der Verein bereits die Segelmacherei coastworxx gewinnen, die bei der Gründung finanziell unter die Arme gegriffen hat. Den Jugendlichen wird durch die Kooperationspartner die Möglichkeit geboten, an Bewerbungstrainings teilzunehmen und Firmen zu besichtigen. Die Unternehmen wiederum können junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmerinnen direkt kennenlernen.

Für die Zukunft wünschen sich Heiko und Laura viele Teilnehmer. Dazu haben sie konkrete Zahlen im Kopf: „Mindestens zwei Unternehmen als feste Förderer, zwei Schulen für die Zusammenarbeit und 30 Studierende für das Mentoring wären klasse.“ Wer sich selbst bei „Rock Your Life!“ engagieren oder mehr über den Verein erfahren möchte, kann dies auf www.rockyourlife.de

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