Vom Hörsaal in den Landtag

Für mehr Gerechtigkeit in Schleswig-Holstein: Der Kieler Student Christoph Beeck (22) setzt auf politisches Engagement.

Am 07. Mai darf in Schleswig-Holstein wieder gewählt werden. Dabei werden auch Studierende mit ihren Namen auf den Listen zu sehen sein. Was sie motiviert und wie das mit dem Studium harmoniert, habe ich Christoph Beeck, den Kreisvorsitzenden der Jusos Kiel, gefragt.

Wie kamst du auf die Idee, dich für einen Listenplatz zu bewerben? Was sind deine Gründe, Motive, Ziele?

In Kiel haben wir in der SPD vielfältige, aber eher ältere Kandidierende für die drei Wahlkreise. Dieses Tableau möchte ich mit einem Listenplatz gerne ergänzen, um die außerordentlich große Zahl junger Menschen, insbesondere Studierender, zu repräsentieren und um jungen Menschen zu zeigen, dass ihre Stimme in der Politik, in der SPD willkommen ist und gehört wird. Die Liste wird ja nach den 35 Wahlkreiskandidierenden immer noch um einige mehr symbolische Plätze erweitert und da wollte ich dieses Mal dazugehören.

Siehst du eine Chance für dich? Und wenn nein, welches Zeichen kannst du damit setzen?

Wenn der „Schulz-Zug“ weiter ohne Bremsen rollt, ist alles möglich. Realistisch habe ich keine Chance, die SPD müsste noch weit mehr als die absolute Mehrheit erreichen. Platz 46 ist bei aktuell 22 Fraktionsmitgliedern ziemlich weit weg. Dieses Jahr wollen wir wieder die Wahl gewinnen und zahlreiche weitere Menschen für das Engagement in der Sozialdemokratie begeistern. Dazu möchte ich nicht nur auf der Straße beitragen, sondern auch auf der Liste. Ich finde, dass die Landesliste auch das vielfältige Engagement in unserer Partei und die ausgeprägte Bereitschaft ihrer Mitglieder, Verantwortung zu übernehmen, widerspiegeln muss.

Kennst du weitere Kandidatinnen und Kandidaten? Gegeben den Fall, dass sie gewählt werden, wie funktioniert das dann mit deren Studium?

Hendrik Schwind-Hansen tritt für die SPD in Nordfriesland an und studiert in Flensburg im Master WiPo. Wenn man nur ein paar Lehrveranstaltungen im Semester belegt, ist es wohl möglich, das Studium im Laufe der Legislaturperiode abzuschließen. Das dauert dann alles etwas länger und braucht Konzentration, kann aber klappen. Andere, wie Lasse Petersdotter, haben ihr Studium nach dem Bachelor beendet und setzen jetzt auf Politik als Beruf.

Politisches Engagement. Ist das mit dem Studium vereinbar? Warum lohnt sich die politische Partizipation, unabhängig von der politischen Coleur? Wie kamst du zu den Jusos?

Auf jeden Fall. Niemand sollte nur studieren, für Dinge wie Politik oder Sport kann man sich schon Zeit nehmen. Manchmal sorgt dann vielleicht die Vorbereitung der Ausschusssitzung dafür, dass die Klausur 0,7 schlechter wird und wenn man viel Zeit einsetzt, kann auch ein Semester dazukommen, aber das ist erstens in Ordnung und zweitens eine Frage von Organisation und Prioritätensetzung. Ich bin bereit, solche Opportunitätskosten in Kauf zu nehmen. Es ist also genug aus EVWL hängen geblieben.

Als Geschichtsinteressierter habe ich aus der deutschen Geschichte den Schluss gezogen, dass Freiheit und Demokratie nur bestehen bleiben, wenn Leute sich aktiv in Gestaltung und Verteidigung einbringen. Die große Geschichte der SPD hat mich schon immer beeindruckt, außerdem sehe ich in ihrer Politik auch religiöse Werte wie Barmherzigkeit und Nächstenliebe am besten realisiert. Und als damals Siebzehnjähriger war der Schritt zuerst zu den Jusos und dann etwas später in die Partei nicht mehr weit.

Schon wenn man nur Mitglied ist, stärkt man den für die eigenen Vorstellungen Aktiven den Rücken, Neueintritte motivieren echt. Mit konkretem Engagement kann man auch echt was erreichen. An Kieler Schulen wird in absehbarer Zeit ausgehend von meinem Antrag das eingesammelte Kopiergeld abgeschafft. Flyer verteilen bringt vielleicht nicht sofort Globale Gerechtigkeit, überzeugt aber irgendwann so viele Menschen, dass eine sozialdemokratische Regierung sich für faireren Handel einsetzen kann.

Hast du uns noch etwas zu sagen?

Auf jeden Fall wählen gehen, auch mit Kater oder bei Kieler Dauerregen. Einfach immer vorstellen, dass Du die entscheidende Stimme bist.

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