Is life a journey or competition? – Vom richtigen und falschen Handeln

Zeit ist manchmal relativ – zumindest beim Schreiben eines Blogs. Sowie die Definition von ein paar Tagen zu diesem Artikel zwei Monate betrug, so können Verständnisse, das Richtige richtig zu beurteilen brachial voneinander abweichen.

Der vorletzte Teil der Reihe „Is life a journey or competition?“ beschäftigt sich wie seine beiden Vorgänger mit dem Versuch einer verzahnten politischen und gesellschaftlichen Analyse des vergangenen Jahres. Dabei verbinde ich Presseberichte, situative Aufnahmen und Zustände der Flüchtlings- und Sicherheitsdebatte mit Erlebnissen und Gesprächen rund auf dem Campus und meinem sonstigen Lebensweg. Es generieren sich immer wieder unerwartete Parallelen – doch bislang lediglich in meinem Kopf. Seit Januar segelten wir dabei vom Erfolg der Inszenierer über das Ringen um den selbst definierten Frieden auf Basis des Glaubens für den Erhalt der eigenen Persönlichkeit zum Hafen der zugelassenen Toleranz unserer Widersacher.

Wenn wir bei der Grundannahme bleiben, im Leben das Richtige zu tun – so geht damit einher, dass es bei einer Meinungsabweichung mit einem anderen Menschen zum eigenen Bewertungsmechanismus kommt, selbst etwas richtiger zu tun als mein Gegenüber – also etwas besser zu tun. Ist das dreist? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Es ist vielmehr fatal, wenn unsere Meinung von Gesetzmäßigkeiten und Realität Abstand nimmt, aber trotzdem als richtig toleriert wird. Wenn nun der einzelne noch über hinreichend Überzeugungsenergie verfügt und dadurch eine Welle ins Rollen bringt, entsteht folgendes Bild: Eine Partei kann als verfassungsfeindlich deklariert werden, auch wenn sie dies weder nach Gesetzesauflagen noch auf Grundlage ihrer Selbstpräsentation ist und gleichzeitig kann dabei – solange einem die Mehrheit zustimmt – die inhaltliche Debatte umgangen werden, indem dem bewerteten Objekt in einem Paralysezustand die eigene Position zugeschrieben wird, anstatt es sich selbst erklären zu lassen. Ist das jetzt ein Problem der Demokratie oder der mangelnden Informationsgrundlage der bewertenden Mehrheit? Vielleicht beides. In jedem Fall ist dadurch die erlangte Mündigkeit eines jeden Bürgers ein umso höherer Erfolg für die unabhängig rationale Meinung, denn nur durch die Fähigkeit, Dinge aus möglichst allen Betrachtungsperspektiven beleuchten zu können, kann diese Bewertungsfreiheit und auch das Selbstbewusstsein dazu entstehen.

Die eigene Mündigkeit zu erreichen, bleibt eine der schwersten Aufgaben, die wir unserem Gehirn gerne aufbürden sollten.

Der ehemalige Vorgesetzte meiner Großmutter sagte mir bereits letztes Jahr während des Osterfestes: „Manjit, Druck erzeugt Gegendruck – das ist immer so!“ Er setzte diesen Ausspruch in den Zusammenhang mit Personalentscheidungen und familiärem Handeln über den Kopf des Betroffenen hinweg. Wenn mit Druck eine Meinung in einen Betroffenen indoktriniert wird, lehnt sich dieser in der Regel, ohne zu reflektieren dagegen auf. Unabhängig ob in der Familie, der Politik oder der Wirtschaft. In genau diesem Zusammenhang frage ich mich, wie es einer Person möglich ist, in einer der unzähligen Talkshows während der späten Abendzeit, von der Silvesternacht in Köln oder Gewaltverbrechen durch Menschen nachweislich nordafrikanischer, syrischer, balkanischer oder persischer Herkunft mit vollkommener Defokussierung auf Gewaltanwendung in deutschen Familien überzugehen. Genau an solchen Punkten dürfen einen Frustverhalten und Konsequenzen Nicht-Ernstgenommener nicht mehr wundern. Probleme offenbaren ihre Dringlichkeit an den Stellen, wo man eben einfach nicht mehr über sie hinwegreden kann. Der dadurch aufgebaute Druck entlädt sich im glimpflichsten Fall in einer neuen Wahlentscheidung und geht bis zur angewandten Selbstjustiz.

Bei diesem ständigen Ringen um falsch, richtig und das bessere Richtig entsteht leicht der Eindruck, das Leben sei ein stetiger Konkurrenzkampf; ein Behauptungsmarathon vom Erlangen der Aufmerksamkeit bis zur präsentierten Selbstinszenierung, die durch ihre Kontinuität an Glaubwürdigkeit gewinnt. Frage geklärt!? Nein. Täglich machen wir Erfahrungen unserer eigenen Grenzen; wo der Körper noch will, kann der Geist nicht mehr und umgekehrt, trotzdem laufen wir stets immer wieder an, um unsere Ziele zu erreichen.

Die eigene Motivation bleibt Antriebsader für jede zu überwindende Hürde. Doch woher diese Motivation nehmen?

Im letzten noch folgenden Teil versuche ich unsere theoretischen Überlegungen anhand eines einjährigen Selbstexperiments in der Praxis auf einer neuen Ebene zu erleben, indem wir bewusst in eine Außenseiterrolle schlüpfen werden und uns dabei als neuer Charakter unter das Studentenvolk mischen. Dabei schauen wir, was mit meinen Erwartungen und meinem Antrieb in dieser Zeit passiert und geben endlich eine weitere Antwort auf die Frage: Life – competition or journey?

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