Aufputschen für die Klausuren

Sich in der Prüfungszeit gleichzeitig auf vier Klausuren vorbereiten müssen, nebenbei eine Hausarbeit schreiben und nicht zu vergessen dieser lästige Nebenjob: Der Leistungsdruck an der Universität kann ganz schön heftig sein. Viele Studenten gehen in Prüfungszeiten an ihre Grenzen. Manche greifen sogar zu Wunderpillen, um ihre Leistung zu steigern. Eine Pille, damit man die Nachtschicht in der Bibliothek konzentriert durcharbeiten kann, eine weitere, um am nächsten Morgen auch wieder leistungsfähig zu sein. Gehört sowas auch zum Lernalltag an den Kieler Universitäten? Die Studentin Sophie* aus Kiel berichtet von ihren Erfahrungen mit leistungssteigernden Mitteln.

Das erste Mal Ritalin geschluckt habe Sophie in einer Lernphase, bei der sie sich auf vier Klausuren gleichzeitig vorbereiten musste. Ritalin ist einer Handelsnamen, unter dem Medikamente verkauft, werden, die den Wirkstoff Methylphenidat enthalten und verschreibungspflichtig sind. Ritalin wird eigentlich Kindern verschrieben, die an einer Konzentrationsschwäche leiden. Der Wirkstoff Methylphenidat ist mit den Amphetaminen verwandt und wirkt deshalb ähnlich wie ein Aufputschmittel. Mediziner warnen davor, sich das per Betäubungsmittelgesetz verschreibungspflichtige Medikament illegal zu besorgen und ohne ärztliche Aufsicht einzunehmen.

„Ich bin eine ganze Woche in dieser Zeit komplett krank gewesen und habe dadurch so viel Lernzeit verloren, dass ich dem Druck nicht mehr gewachsen war. Ich habe dann einen Freund gefragt, von dem ich wusste, dass er auch ab und zu Ritalin nimmt, ob er mir was besorgen kann“, so die Jurastudentin. Seit knapp zwei Jahren nimmt Sophie in intensiven Lernphasen verschreibungspflichtige Tabletten – hauptsächlich Ritalin, aber auch Modafinil. Deshalb möchte sie ihren Namen lieber nicht im Internet lesen.

Sophie wirkt selbstbewusst und ausgeglichen, doch das täuscht: Die 24-Jährige erzählt von dieser entsetzlichen Angst, den Erwartungen nicht gerecht zu werden.  „Der Druck meiner Eltern, mein Studium schnell und gut zu beenden. Der gesellschaftliche und natürlich mein eigener“, das sei einfach alles zu viel, so die Studentin. Mit den leistungssteigernden Mittel könne sie einfach länger, konzentrierter und fokussierter Lernen. Dass die Langzeitwirkungen der Substanzen bisher nicht bekannt sind, ist für Sophie erst mal zweitrangig.

Es komme selten vor, so Sophie, dass sie so offen über ihren Drogenkonsum spreche. Für die meisten ihrer Kommilitonen sei das Nachhelfen so etwas wie „schummeln“. Die Reaktionen von Freunden, sie solle sich mal zusammenreißen, hätten sie verletzt, gibt Sophie zu. „Kein Wunder, dass man da nicht erzählt, dass man überfordert ist“, sagt sie.

Wie lange das noch so weitergehen soll, weiß Sophie noch nicht. In dieser Prüfungszeit wird Sophie wohl wieder auf die Mittel zurückgreifen. Angst vor den Risiken, die mit dem Konsum einhergehen hat sie nicht – nur vor den Erwartungen, die sie zwingen, sie zu nehmen.

*Name geändert.

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