Auf die Bücher! Fertig? LOS!

Es ist die Zeit nach den Prüfungen. Jeder Studierende kennt das Gefühl, jetzt erst einmal Ferien machen zu wollen und dabei die Universität ganz weit hinter sich zu lassen. Zumindest liebgewonnene aber vernachlässigte Freizeitaktivitäten wieder aufzunehmen zu wollen. Das Dilemma: Vorlesungsfreie ist eben nicht studienfreie Zeit. Wie schaffe ich es, noch weitere Abgaben zu machen, obwohl nach den Prüfungen nur noch wenig Energie da ist? Wie raffe ich mich wieder auf, um mich wieder an den Schreibtisch zu setzen, obwohl doch eine neue Staffel der Lieblingsserie verfügbar ist?

 

Die lange Nacht der Hausarbeiten

Für alle von Hausarbeiten geplagten fand am 1. März 2018 vom frühen Nachmittag bis in den späten Abend hinein die fünfte „Lange Nacht der Hausarbeiten“ in der Zentralbibliothek der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) statt. In rund 20 Workshops und Vorträgen und einem vielfältigen Begleitprogramm wurden viele praktische Tipps und Tricks gegeben, um das Verfassen einer wissenschaftlichen Hausarbeit zu erleichtern.

Studying hard? – Study smart!

Dr. Anne Bachmann, promovierte Psychologin, Coach und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Psychologie der CAU Kiel hielt im Rahmen der „Langen Nacht der Hausarbeiten“ den Vortrag „Studying hard? – Study smart! Selbstorganisationstechniken und Motivationsstrategien zum effizienten Studieren und Vermeiden von „Aufschieberitis“.

Hier im KN-CollegeBLOG findet ihr ihre Ratschläge, wie man sich zum Studieren motiviert. Im besten Falle treffe eine kluge Studienstruktur auf Motivation, die vor Prokrastination schütze und das führe zu einem zufriedenstellenden Studium, so Bachmann.

Struktur ist ALLES

Laut Dr. Anne Bachmann beruht kluges Studieren aus einzelnen, strukturierten  Komponenten, die im Zusammenspiel das Studieren effektiver und stressfreier gestalten. Der Lernprozess wird in drei Phasen eingeteilt, die nacheinander abgearbeitet werden: 1. Vorbereitung, 2. Mindset, 3. Lernen.

1. Vorbereitung

Die Basis einer klugen Studienstruktur für das Semester ist die Vorbereitung: Sie besteht aus den Aspekten Studienplanerstellung, der Erstellung von Zusammenfassungen und Prioritätensetzung.

Studienplan

Dabei erstellst du zuerst einen Studienplan: Nachdem du die Termine für deine Abgaben geklärt hast, legst du fest, wann du mit dem Lerne beginnen willst, erstellst demnach Tages-, Wochenpläne und To-Do-Listen (z.B. eine für den Lernstoff, eine für „den Rest“, wie Putzen, Einkaufen, Urlaubsplanung etc.) und auch eine Leseliste für das Semester. Nach dem Erstellen des Studienplanes legst du dein Semesterziel fest, auf das du hinarbeiten möchtest. Durch den Studienplan arbeitest du schrittweise auf dein Semesterziel hin und vermeidest, dass du am Ende des Semesters in hektisches Lernen verfällst.

Zusammenfassungen erstellen

Zu der Vorbereitung einer klugen Studienstruktur gehört auch, dass du bereits während des Semesters beim Durcharbeiten von Texten Zusammenfassungen erstellst. Hierbei exzerpierst du möglichen Prüfungsinhalt und legst das Fundament für deine spätere Lernphase.

Prioritäten setzen

Zum Dritten bedeutet kluges Studieren, dass du bereits während des Semesters die Arbeit mit dem Lernstoff auf die anstehenden Prüfungen ausrichtest. Das bedeutet für dich: Schreibe während der Vorlesung vollständig mit, um die Aussagen des Dozierenden später nach Relevanz ordnen zu können. Die Anmerkungen des Dozierenden kannst du später deinem Lernskript hinzufügen. Markiere bereits während der Vorlesung prüfungsrelevantes Wissen in deiner Mitschrift. Schreibe während der Lektüre des Lehrbuches prüfungsrelevantes Wissen heraus.

2. Mindset

Als Mindset wird die Einstellung von Studierenden bezeichnet mit der das Studieren leichter fällt. In diesem Fall willst du während des Semesters konzentriert und kontinuierlich Lernen. Mehr Konzentration und einen kontinuierlicheren Lernprozess erhältst du auf diese Weise:

Konzentration

Damit du dich besser konzentrieren kannst, kannst du z.B. das Handy ausschalten, das Browserfenster auf deinem Rechner bewusst schließen, deinen Hunger stillen, damit du während des Lernens nicht Aufstehen musst, um etwas zu essen und bequeme Kleidung anziehen, damit du dich wohlfühlst. Wenn du trotzdem nicht in den fokussierten Arbeitsfluss kommen solltest empfiehlt Dr. Anne Bachmann die „Pomodoro-Technik“.

Kontinuität

Du vermeidest Nachtarbeit und Bulimielernen durch die Wiederholung des Lernstoffes. Probiere aus, was für dich am besten funktioniert: Du beschäftigst dich täglich mit prüfungsrelevantem Wissen oder dir genügt es, wenn du deine Mitschriften nach jeder Veranstaltung noch einmal durchgehst. Lernst du kontinuierlich, schaffst du während des Semesters die Grundlagen für die Prüfungsphase.

3. Lernen

Dr. Anne Bachmann hat in ihrem Vortrag drei Leitsprüche für Studierende in der Vorbereitung auf die Prüfungsphase:

„Versuche nicht (nur) auswendig zu lernen, BEGREIFE!“

Statt zeitaufwendig auswendig zu lernen, kannst du stattdessen deinen Lernstoff durch folgende Techniken besser verstehen: Stelle Assoziationen zwischen dem Lernstoff her, indem zu versuchst Beziehungen zwischen bereits bekannten und neuen Themen und Konzepten herzustellen. Visualisiere deinen Lernstoff, indem zu ihn mit Bildern verknüpfst. Verbinde deinen Lernstoff mit Emotionen, indem du deinem Thema mit Neugierde begegnest, wird es dir leichter fallen zu lernen. Vereinfache deinen Lernstoff durch Analogien, z.B. indem du einen Vergleich zwischen einem schweren und einem einfach zu lösenden Problem ziehst. Verwende beim Lernen Akronyme, um dir das Einprägen von Sachverhalten zu erleichtern, z.B. SMARTES Lernen. SMARTES Lernen bedeutet: S=spezifisch, M=messbar, A=akzeptiert, R=realistisch, T=terminiert.

„Behalte das GROSSE GANZE im Blick!“

Wenn du dich während der Prüfungsphase in den Details deines Prüfungswissens zu verlieren drohst, vergegenwärtige dir dein höheres Studienziel, z.B. ein Auslandsaufenthalt, ein bestimmter Beruf, ein hohes Gehalt oder auch die gesellschaftliche Anerkennung durch einen Studienabschluss, um weiter zu lernen.Vielleicht hängst du dir dein Studienziel als Poster an einen Ort an dem du oft vorbeikommst.

„Vervollkommne deine Art des Lernens!“

Erkenne welcher Lerntyp du bist. Deine Arbeitstechniken und Lernmethoden kannst du dann daran anpassen und effektiver Lernen. Es wird zwischen dem visuellen (d.h. Lernen durch Sehen, z.B. durch Mind-Maps), auditiven (d.h. Lernen durch Hören, z.B. durch Anhören von selbstproduzierten Vorträgen), emotionalen (d.h. Lernen durch Emotionen, das ist der umstrittenste Lerntyp, dabei werden die Lerninhalte mit Emotionen verknüpft) und kinästhetischen (d.h. Lernen durch Bewegung, z.B. während eines Spazierganges Vokabeln lernen) Lerntyp unterschieden.

Durch Motivation zum Erfolg

Das war eine ganze Menge praktischer Tipps und Tricks, um das kommenden Semester organisiert und strukturiert zu beginnen. Zum Schluss noch 9 Tipps und ein Ratschlag wie du dich motivierst, deinen Studienplan erfolgreich abzuschließen.

1. Lass dein Ziel deine Motivation sein!

Setze dir kurz- und langfristige Ziele, um deine Ressourcen zu bündeln, deine Kreativität zu fördern und deine Ausdauer zu erhöhen. Wenn du dir ein Ziel setzt, dann gehst du folgendermaßen vor:

  1. Schreibe deine Ziele auf.
  2. Vermeide dabei Ungenauigkeiten, Notwendigkeiten und Negationen.
  3. Zerlege große oder komplexe Ziele in Haupt-und Unterziele.
  4. Führe aus, wie du dein Ziel erreichen möchtest.
  5. Visualisiere wie du das Ziel erreichen möchtest und wie sich das anfühlt.
  6. Belohne dich, wenn du dein Ziel erreicht hast.

2. Belohne dich!

Belohne dich nur wenn du ein Ziel erreicht hast. Und auch wirklich ERST DANN, WENN, du es erreicht hast. Passe die Belohnung der Größe des Ziels an. Auf diese Weise verknüpfst du die geschaffte Herausforderung mit etwas positivem und motivierst dich für weitere Anstrengungen.

3. Tu es einfach und fang an zu lernen!

Werde vom Opfer deines Lernstoffes zum Täter, der ihn besiegt, indem du dir z.B. vornimmst 15 bis 20 Minuten täglich zu lernen! Du wirst sehen, dass du Durchhaltevermögen beweist, wenn du begonnen hast. Wenn du nicht lernst, arbeite etwas von deiner To-Do-Liste ab, auf der die Tätigkeiten stehen, die nichts mit der Universität zu tun haben. Vertreibe die Müdigkeit, indem zu z.B. einen kurzen Spaziergang machst bevor du dich an den Schreibtisch setzt. Die Erfahrung der höheren Selbstwirksamkeit, aufgrund eigener Fähigkeiten eine anvisierte Handlung erfolgreich eigenständig auszuführen, wird dich zum Studieren motivieren.

4. Schritt für Schritt – Vermeide Verzögerungen

Wenn dein Studienplan in Verzögerung zu geraten droht, weil du dich nicht zum Arbeiten motivieren kannst, dann hilft dir vielleicht, wenn du dir dein höheres Studienziel nochmals vor Augen führst oder sage dir, dass du „das Beste draus machst“, wenn du schon einmal an der Uni bist. Vielleicht schreibst du dir vor selbst einen Motivationsbrief, mit all den Dingen die dich für deine Studium begeistern. Du kannst ihn zu Hand nehmen, wenn es einmal schlecht läuft.

5. Höre Musik!

Erstelle zum Beispiel eine Playlist mit motivierenden Liedern, die du in den Lernpausen hörst.

6. Beantworte die Frage: Wie sehr willst du es schaffen Erfolg zu haben?

7. Nimm eine positive Haltung dir gegenüber ein!

8. Zeige echtes Interesse an deinem Studium!

Jeder Studierende hat Fachbereiche in seinem Studiengang für die er sich wenig bis gar nicht begeistern kann in denen er aber trotzdem eine Prüfungsleistung abliefern muss. Um dennoch Neugierde zu entwickeln kann es helfen sich mit Begeisterten auszutauschen oder sich über nicht-wissenschaftliche oder populärwissenschaftliche Quellen über das Thema zu informieren. Je mehr du dich auch mit ungeliebten Studieninhalten beschäftigst, desto mehr Interesse und auch Motivation wirst du entwickeln.

9. Besiege die Prokrastination und die Ablenkungen!

Motivation und Handeln verringern Prokrastination, die Angst etwas abzuschließen, so Dr. Anne Bachmann. Du motivierst dich zum Handeln, indem du dir einen Lernort schaffst der möglichst langweilig ist, dort kann dich wenig ablenken.An deinem Lernort gelten nur zwei Regeln. 1. Du musst dort nicht lernen. 2. Aber du darfst dort aber auch nichts anderes tun als lernen! Du wirst sehen es funktioniert. Entscheide dich mit einer positiven Haltung bewusst für das Lernen, das bedeutet z.B.: Aus einem „Ich muss fertig werden“ wird ein „Wann kann ich beginnen?“. „Ich habe keine Zeit zur Erholung“ bedeutet „Ich muss mir Zeit zu Erholung nehmen“ und „Ich muss perfekt sein“ sagt aus „Ich kann perfekt menschlich sein“.

Dr. Anne Bachmann gibt zum Abschluss des Vortrages allen Studierenden den Rat:

„Bleib gelassen! Die Entwicklung neuer Gewohnheiten braucht Zeit“.

Viel Erfolg und ein Quäntchen Glück beim Verfassen von Hausarbeiten und im neuen Semester wünscht euch der KN-CollegeBLOG!

Lektüretipps zum Weiterlesen

Vielen Dank Dr. Anne Bachmann für die Erlaubnis Ihren Vortrag zu publizieren und die Lektüretipps! Ihre Präsentation findest du bald auf dem Lehre-Blog der CAU Kiel

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