So gut wie neu – oder besser: Second Hand

In vielerlei Hinsicht bestimmt Konsum unseren Alltag. Der Schokoaufstrich fürs Brötchen, die Winterstiefel oder ein neues Bild für die Wohnzimmerwand: All das sind Dinge, die wir benötigen, glauben zu brauchen oder vielleicht einfach unbedingt wollen. Für das eigene Konsumverhalten muss sich niemand rechtfertigen – es hin und wieder in Frage zu stellen, schadet trotzdem nicht.

Nachhaltigkeit ist ein Wort, das zahlreiche öffentliche und politische Debatten prägt, Diskussionen beflügelt und Projekte inspiriert. Manchmal auch einfach als Floskel oder leeres Versprechen verwendet klingt es groß und bedeutungsschwanger, nach einem lobenswerten Ideal, nach dem jeder streben sollte, aber niemand so richtig weiß, wie man es erreicht. Dabei beginnt Nachhaltigkeit im Kleinen und ist gerade dort besonders wichtig.

Als Studierende empfinde ich es nach wie vor als Privileg, mich jeden Tag mit den großen und kleinen Fragen der Welt, mit Zusammenhängen und ungelösten Problemen beschäftigen zu dürfen. Auch oder gerade deshalb fühle ich mich verpflichtet, der Nachhaltigkeit und damit meinem Konsumverhalten besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Denn jeder Konsument trägt eine Verantwortung, die nicht an der Kasse endet.

Der Kauf von gebrauchten Dingen ergibt besonders darum für mich großen Sinn. Kleidung, Möbelstücke oder andere Gebrauchsgegenstände, die bereits produziert sind aber keinen Nutzen mehr erfahren, können für ihre neuen Besitzer zu ganz neuem Wert gelangen. Und der Einkauf in Second-Hand-Geschäften oder auf anderen Plattformen hat noch einen weiteren, entscheidenden Vorteil: Er spart Geld, denn in der Regel ist gebraucht günstiger als neu. Für viele Studierende mit knappem Budget ist der Kauf von Gebrauchtem deshalb eine gute Gelegenheit, Geld einzusparen ohne dabei auf Wünsche verzichten zu müssen. Einige Möglichkeiten für den nachhaltigen, preisgünstigen Einkauf in Kiel möchte ich euch im Folgenden vorstellen.

 Glückslokal e.V.

„Alle Welt redet von Nachhaltigkeit. Mit uns kannst du sie aktiv leben!“, schreiben die Verantwortlichen des Glückslokals auf ihrer Webseite. Damit versprechen sie nicht zu viel, denn im Glückslokal in der Alten Mu, Lorenzendamm 6-8 wird Gebrauchtem zu neuem Leben verholfen. Hier kann jeder, der sich von nicht mehr getragener Kleidung, ungenutzt herumstehenden Gebrauchsgegenständen oder bereits gelesenen Büchern befreien möchte, diese gebrauchten Dinge abgeben – und damit vielleicht jemand anderem eine riesige Freude machen. Außerdem bietet das Glückslokal, das immer dienstags und donnerstags von 16 bis 19 Uhr und jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet ist, eine Plattform für Austausch und Projekte, wie zum Beispiel Kleidertauschpartys oder Workshops. Nähere Informationen findet ihr unter: http://altemu.de/projekte/glueckslokal/

 Der Kilo-Laden

Gleich an drei Orten in Kiel ist der Kilo-Laden mittlerweile vertreten. Kein Wunder, denn das Prinzip ist so simpel wie verlockend. Statt zu feststehenden Preisen wird Second-Hand-Kleidung hier nach Gewicht gekauft. Dabei gilt: Je später im Monat, desto niedriger die Kilopreise. Mit etwas Glück und Geduld lassen sich im Sophienblatt 11 und 5 richtige Schnäppchen machen. In der dritten Filiale im Knooper Weg 29 wird zwar zu festen Preisen verkauft, die sind dafür aber auch denkbar günstig: Shirts gibt es hier etwa ab einem Euro, Kleider ab 2 Euro und warme Jacken schon für 5 Euro. Eine Tafel an der Kasse informiert euch über die Preiskategorien. Mehr Infos auf der Facebook-Seite des Kiloladens: https://www.facebook.com/Der-Kilo-Laden-106496849505180/

Innenstadt-Flohmarkt

An Ostersonntag noch nichts vor? Dann nichts wie los in die Kieler Innenstadt, denn dort findet am kommenden Sonntag wieder von 8 bis 16 Uhr ein großer Flohmarkt statt. Viele verschiedene Händler bieten an diesem Tag rund um Rathausplatz, Fleethörn, Willestraße, Asmus-Bremer-Platz, Europaplatz, Holstenstraße und dem Holstenplatz ihre gebrauchten Waren an. Die Auswahl ist dabei meist riesig und mit ein bisschen Geschick lassen sich gute Preise aushandeln.

Habe ich euren Lieblingsladen vergessen oder kennt ihr weitere Plattformen, die man unbedingt ausprobieren sollte? Wir freuen uns über Kommentare! Übrigens: Auch beim Thema Lebensmittel lässt sich Geld sparen und einwandfreies Essen vor der Tonne bewahren. Die Seite des Foodsharing e.V. bietet unter: https://foodsharing.de/ einiges an Inspiration. Auch in Kiel gibt es aktive Lebensmittelretter, die etwa über Facebook ihre Ausbeute verschenken. Schaut doch mal rein!

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