Islamwoche an der CAU

Ihr möchtet euch (näher) mit dem Islam beschäftigen, hattet aber noch keine Gelegenheit dazu, weil ihr keine „Experten“ aus dem Bereich kennt? Das kann sich diese Woche ändern: Die Islamische Hochschulgemeinde (IHG) lädt zur Islamwoche ein! Von Montag bis Freitag findet jeweils ab 18:30 Uhr am Christian-Albrechts-Platz 3 ein Vortrag zum Thema Islamophobie statt. In einem Interview erklärt der Vorstand der IHG, welche Ziele sie als Gemeinde verfolgen und inwieweit eine Beschäftigung mit dem Thema Islamophobie relevant ist. Alle Interessierten sind zur kostenlosen Veranstaltung herzlich eingeladen.

Die Islamische Hochschulgemeinde Kiel wurde 2009 mit sieben Mitgliedern gegründet und hat ca. 40 aktive Mitglieder, worunter auch einige Mitglieder aus der Fachhochschule Kiel sind. Außer von Studierenden wird die Gemeinde auch regelmäßig von interessierten Oberstufenschüler/innen besucht, die dabei die Gelegenheit erhalten, im Vorfeld aktiv an der Universität zu sein. Der Vorstand, der aus vierzehn Mitgliedern besteht, beschäftigt sich nicht nur mit gruppeninternen Aktivitäten, sondern organisiert regelmäßig Veranstaltungen, an denen jeder Interessierte teilnehmen kann. Im Wintersemester plante die IHG in Kooperation mit dem Lehrstuhl der Islamischen Theologie der Universität Osnabrück eine Blockveranstaltung mit dem Titel „Islamisches Seminarprogramm“, in der die Themen Grundzüge der muslimischen Glaubenspraxis sowie „Aquida“ (zu Deutsch: Glaubensgrundlagen/Dogmatik) behandelt wurden. Hierzu wurden die Referenten Prof. Dr. Merdan Günes und Murat Karacan M.A. eingeladen.

Diese Woche findet die jährliche Islamwoche zum Thema Islamophobie statt. Täglich wird jeweils ein Vortrag zu Themen wie die innermuslimische Diskriminierung, die ethische Dimensionen der Scharia, Beispiele aus dem prophetischen Leben, das Menschenbild im Islam oder der Umgang mit Islamfeindlichkeit von unterschiedlichen Referent/innen gehalten. Doch worum geht es der IHG eigentlich? Und warum haben sie sich für das Thema Islamophobie entschieden?

Die IHG möchte die Bindung der muslimischen Studierende untereinander stärken und versuchen, den religiösen und kulturellen Bedürfnissen des Unialltags nachzukommen. Dabei ist ihnen wichtig, den Dialog zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen zu fördern. Sie legen Wert darauf, Studierende aus unterschiedlichen Ländern zusammenzubringen und ihnen in erster Linie in Fragen, die den Islam betreffen – aber auch bei anderen Problemen – unter die Arme zu greifen. Leider geschieht es gegenwärtig noch sehr oft, dass sich Muslime/muslimische Studierende nicht nur für die Handlungsweisen anderer ‚radikaler‘ Muslime, sondern auch ihre eigene Lebensweise begründen müssen. Trägt man beispielsweise als muslimisches Mädchen ein Kopftuch, wird man auf seine ‚Beweggründe‘ angesprochen – tut man es nicht, wird danach gefragt, ob man ‚denn wirklich‘ religiös sei. Eine Beschäftigung mit dem Thema Islamophobie ist dahingehend wichtig, um festgelegte Vorurteile des Islam zu hinterfragen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie man seine Fragen frei von Implikationen diskriminierender Art stellen kann.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Islamwoche zu organisieren?

Neben unseren Seminaren und unserem traditionellen Iftar (Fastenbrechen), der im Ramadan in der Mensa 1 der Universität stattfindet, wollten wir auch einen Rahmen für Leute schaffen, die an aktuellen und gesellschaftlichen Themen um und über den Islam interessiert sind. Dabei wollen wir den Interessierten die Gelegenheit geben, das Thema aus wissenschaftlicher Sicht zusammen mit uns zu durchleuchten und gemeinsam zu debattieren. Nach jedem Vortrag haben die Besucher die Möglichkeit Fragen, die themengerichtet oder allgemeiner Art sind, an den Referenten und uns zu stellen.

Warum ist eine Beschäftigung mit dem Thema Islamophobie wichtig?

Der Islam ist in den letzten Jahren mehr und mehr in den Mittelpunkt von gesellschaftlichen und politischen Debatten geraten. Durch extremistische Täter und Gewaltdelikte, die sie sehr viel Leid in Europa ausgelöst haben, findet eine Pauschalisierung von Muslimen statt, was dazu führt, dass wir als eine homogene Gruppe wahrgenommen werden, die ein ähnliches Denkmuster verfolgt. Die Bevölkerung hat zum Teil eine Angst gegenüber Muslimen entwickelt, was zur Distanzierung oder auch zur Diskriminierung führt. Deshalb wollen wir uns in unserer diesjährigen Islamwoche damit beschäftigen, die Angst abzubauen. Wir denken, dass jeder Mensch das Recht auf ein friedliches Leben hat – ohne jede Art von Diskriminierung. Wir werden häufig – insbesondere von Jugendlichen – angesprochen, die unzufrieden sind, weil sie sich teilweise „anders“ behandelt fühlen. Wir nehmen uns als Gruppe dann sehr viel Zeit, um mit ihnen über die Vorfälle zu sprechen und zu üben, wie sie sich in solchen Situationen verhalten können.

Beziehen sich die Referenten auf aktuelle Diskussionen wie beispielsweise die Aussage Horst Seehofers, der Islam gehöre nicht zu Deutschland?

Die Referenten werden ihre Vorträge mit verschiedenen Beispielen aus aktuellen Diskussionen zum Thema Islam/Islamophobie belegen. Inwieweit die explizite Aussage Seehofers thematisiert wird, wird sich im Laufe der Vorträge zeigen. Im Anschluss an die Vorträge können jedoch gerne diesbezüglich Fragen gestellt werden.

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madinamuhammad

Über madinamuhammad

Madina Muhammad studiert im letzten Mastersemester Deutsch und Philosophie auf Gymnasiallehramt an der CAU. Neben dem Studium ist sie als DaZ-Lehrkraft bei der inab - Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft des bfw mbH tätig. Die 24-jährige Deutsch-Afghanin legt großen Wert auf die Integration und Sprachförderung von geflüchteten Jugendlichen, die sie in ihrer Freizeit ehrenamtlich unterrichtet und betreut.

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