Sechs Tipps für Euren Interrail-Urlaub

Die Semesterferien sind im vollen Gange, alle Kommilitonen sind in der Heimat oder haben andere abenteuerliche Reisepläne,  bei den euch vor Neid nur der Mund offen steht? Mit etwas Spontanität und ein wenig Geld aus dem Sparschwein könnt auch ihr noch einen aufregenden Sommer erleben. Dafür muss es nicht immer Thailand, Mexiko oder Australien sein. Auch Europa hat viele schöne Ecken zu bieten: Ihr wolltet schon immer in das Colloseum in Rom, vom Eifelturm auf Paris herabschauen oder die Kronjuwelen im Tower of London sehen? Mit dem Interrail-Ticket könnt ihr  all diese Sehenswürdigkeiten noch diesen Sommer von Eurer „Travel Bucket List“ abhaken. Interrail? Interrail bedeutet die aufregendsten Städte und schönsten Länder Europas via Zug zu erkunden. Seid ihr bereit?

Faro in Portugal hier begann für mich meine erste Interrail-Reise im Jahr 2014. Mit drei Freunden hieß es nach dem Abitur: Europa wir kommen! Mit unseren schweren Rucksäcken und dem Ticket im Gepäck ging es für uns knapp vier Wochen von der Algarve in Portugal über Madrid bis in die Stadt der Liebe nach Paris. Und obwohl wir alles bis ins kleinste Detail planten, um keine Reisezeit zu verschwenden oder nachts auf einer Parkbank zu enden, wurden auch wir immer wieder – sowohl positiv als auch negativ – überrascht. Damit eure Reise zum vollen Erfolg wird und ihr nur positiv überrascht werdet gibt es hier sechs Tipps, die euch helfen einen unvergesslichen Sommer zu erleben:

1. Bestimmt die Art eurer Reise: Spontan oder geplant? Zu Beginn solltet ihr euch überlegen, wie ihr reisen wollt. Abenteuerlich, aber durchaus mit Stress oder geplant, aber dafür ganz entspannt? Wenn man spontan ist und kein Problem mit ausgiebigeren Suchen nach Hostels, einer Nacht auf der Parkbank oder einer längeren Fahrt mit der Regionalbahn hat, lässt sich gut ohne jegliche weitere Planung reisen. Ist man lieber auf der sicheren Seite, sollte man schon vor Reisebeginn die Route festlegen sowie die passenden Übernachtungsmöglichkeiten buchen. So könnt ihr die Fahrttage im Reisezeitraum gut ausnutzen und ihr vergeudet eure Zeit nicht für unnötige Suchen nach Hostels oder dem nächsten Zug. Jedoch bedeutet das auch, nicht ein bis zwei Tage länger in einem wunderschönen weißen Dorf in Griechenland zu verweilen oder die Reisedauer an einem anderen Ort zu verkürzen. Alles hat seine Vor-und Nachteile, jedoch solltet ihr euch vorab entscheiden, wie ihr das Ganze angehen möchtet.

2.Wählt den richtigen Pass: Auch wenn ihr ohne große Planung die Reise starten möchte, solltet ihr vor Reisebeginn unbedingt den richtigen Interrail-Pass auswählen. Hier könnt ihr euch entweder für den Global Pass oder den One Country Pass entscheiden. Beim Global Pass habt ihr die Möglichkeit, bis zu 30 Länder in einem Monat zu bereisen. Falls man aber nur ein Land und das in Gänze kennenlernen möchte, kann man den One Country Pass wählen. Dieser ist für 31 Länder verfügbar: Griechenland, Italien, Schweden und viele mehr. Jedoch kann man das Ticket nicht für das Land, in dem man wohnt nutzen. Deutschland fällt hier also als Reiseziel aus. Seid ihr 27 Jahre alt oder jünger, könnt ihr sogar noch etwas sparen, da ihr die Pässe zum ermäßigten Preis erhaltet. Außerdem könnt ihr verschiedene Optionen auswählen. Beim Global Pass müsst ihr euch beispielsweise entscheiden, ob ihr 5 Reisetage innerhalb von 15 Tagen, 7 Reisetage in einem Monat oder einen ganzen Monat unbeschränkt reisen möchtet. Zudem bestimmt ihr, ob ihr 1. oder 2. Klasse fahren wollt. Je nachdem variieren natürlich auch die Preise. Wichtig bei der Entscheidung: Nehmt euch nicht zu viel vor. Peilt nicht zu viele Ziele an, sondern verweilt auch mal länger an einem Ort. Empfehlenswert ist es mindestens zwei Nächte an einem eurer Ziele zu bleiben, sonst artet die Reise schnell in Stress aus. Und das wollen wir in den Semesterferien doch wirklich nicht, oder?

Habt ihr euch für ein Ticket entschieden, kann es aber immer noch nicht gleich losgehen. Circa eine Woche müsst ihr euch nach der Online-Bestellung noch gedulden, bis ihr in den Zug einsteigen könnt. Also bestellt in jedem Fall rechtzeitig vor Reiseantritt. Ist Euer Ticket angekommen könnt ihr beim Global Ticket den ersten Reisetag nutzen, um aus eurem Heimatland auszureisen beziehungsweise am letzten Reisetag wieder einzureisen. Vergesst nicht eure Fahrten im Reisekalender eures Tickets einzutragen, sonst gibt es Ärger mit dem Schaffner.

3.Nutzt die App: Zur perfekten Reiseplanung ist die Interrail-App unverzichtbar. Sie zeigt die Zugverbindungen, die Reisedauer und die Umstiege an, sodass man sich eigentlich nicht mehr für den falschen Zug entscheiden kann. Reist man zum ersten Ziel mit dem Flugzeug und möchte dann mit dem Zug weiter, ist es außerdem hilfreich, dass die App die Bahnhöfe in der Nähe anzeigt. Die App ist kostenlos für Apple und Android verfügbar.

4.Plant zusätzliche Kosten für Reservierungen ein: In den meisten Highspeed-Zügen, internationalen Züge und Nachtzügen sind Reservierungen Pflicht. Hier könnt ihr also nicht einfach in den Zug einsteigen, auf einen Platz hoffen und in aller höchster Not den Stehplatz wählen. Bis auf wenige Ausnahmen – wie Regionalbahnen –  muss man sich also einen Sitzplatz reservieren, um die Reise wie geplant fortsetzen zu können. Hat man diese nur wenig im Voraus geplant, ist es empfehlenswert bei Ankunft im Bahnhof schon direkt die Reservierung für eine Zugfahrt in den kommenden Tagen durchzuführen. Denn nicht nur ihr, sondern auch viele andere Europäer haben sich ein Interrail-Ticket zugelegt. Wollt ihr als Gruppe reisen oder seid auf eine bestimmte Zugfahrt angewiesen? Dann reserviert rechtzeitig, ansonsten kann sich die Weiterreise schwierig gestalten. Außerdem solltet ihr für die Reservierungen zusätzlich Budget einplanen, diese sind nämlich nicht im Interrail-Ticket mit enthalten. Der Preis liegt meist zwischen fünf bis zehn Euro. Bei Nachtzügen kann der Preis aber auf bis auf 30 Euro ansteigen. Ob eine Reservierung nötig ist, kann man in der App an einem grünen Kreis mit einem „R“ erkennen. Wenn ihr zusätzliche Kosten verhindern wollt, könnt ihr bei der Reiseplanung mit der App die Option „Züge mit Reservierungspflicht vermeiden“ auswählen. So spart ihr Geld, müsst aber meist eine längere Reisedauer einplanen. Jedoch ist diese Möglichkeit nicht immer gegeben. Für Spanien und Italien bietet Interrail jetzt zudem einen sogenannten Premium Pass an, mit diesem können die Reservierungen kostenlos vorgenommen werden.

5.Packt richtig: Bevor es ans Packen geht, solltet ihr zunächst einen guten Rucksack auswählen. Denn er wird für die nächsten Wochen euer ständiger Begleiter sein. Kauft ihn also nicht sofort online, sondern geht mal wieder in ein Fachgeschäft und lasst euch beraten. Wenn ihr den passenden Rucksack ausgewählt habt, achtet darauf nicht zu viel mitzunehmen. Sonst kann sich die Strecke vom Bahnhof zum Hostel bei über 30 Grad schnell nach einem Marathon anfühlen. Mehrzweckgegenstände sparen zusätzliches Gewicht, so kann man beispielsweise die Zahnseide zur Wäscheleine umfunktionieren. Mit ins Gepäck gehört auch immer eine Kreditkarte, so verzichtet ihr auf viel Bargeld und bei Diebstahl könnt ihr die sofort Karte sperren lassen. Um Diebstahl von Anfang an zu vermeiden, dienen auch sogenannte Geldgürtel. Sie sind ideal für Geld und Bankkarten aller Art, lassen sich leicht unter der Hose verstecken und stören nicht bei langen Sightseeing-Touren. Für die Sicherheit im Hostel kann ein Vorhängeschloss sorgen. Ganz wichtig: Denkt an eine gute Kamera, um die unvergessliche Zeit  für die Nachwelt festzuhalten. Verwackelte und verpixelte Fotos möchte doch niemand im Fotoalbum, oder?

6.Wählt die richtigen Unterkünfte: Hostels sind eine gute Möglichkeit, um kostengünstig zu reisen. Zudem sind oft Frühstück, WLAN oder Hand-und Betttücher im Preis enthalten. Auf verschiedensten Plattformen könnt ihr das richtige Hostel für euch finden. Fotos vom Hostel und die Bewertungen anderer Reisender können euch einen ersten Eindruck verschaffen –  der aber leider nicht immer stimmen muss. Achtet bei der Buchung zudem darauf, wie weit das Hostel vom Bahnhof und vom Zentrum entfernt ist. Nach einer anstrengenden Zugfahrt kann man gut auf eine ausgiebige Suche nach dem Hostel mit schwerem Gepäck verzichten. Habt ihr euch für eine Jugendherberge entschieden, könnt ihr noch zwischen verschiedenen Zimmern wählen: Einzelzimmer, Doppelzimmer oder große Schlafsäle. Bucht ihr ein Bett in einem Schlafsaal mit anderen Reisenden, könnt ihr Gleichgesinnte kennenlernen und gleichzeitig viel Geld sparen. Das ist doch eine Win-Win-Situation. Ihr habt keine Lust auf Jugendherbergen? Dann sucht nach preisgünstigen B&B’s oder Hotels – auch hier gibt es gute Last-Minute-Angebote. Wenn ihr auf ein gemütliches Bett verzichten könnt, nehmt euch euer Zelt mit. In Norwegen, Finnland und Schweden ist sogar wildes Zelten erlaubt. Denkt dann aber an Eure Campingausrüstung. (Achtung: Schweres Gepäck)

Wenn ihr euch an diese Tipps haltet, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Für mich werden meine Interrail-Reisen immer unvergesslich bleiben – trotz oder gerade wegen der unvorhergesehenen Momente. Also los geht’s, erschafft auch ihr euch unvergessliche Momente auf euer Zugreise durch Europa – Erschafft euch eure eigene Geschichte.

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