Jura, eine gute Wahl?

„Jura, eine gute Wahl!“ So reagieren viele, wenn man ihnen erzählt, dass man Jura studiert, also mit einer Mischung aus Bewunderung und Zuspruch. Die Entscheidung für Jura gilt als Vernunftentscheidung, etwas handfestes, wo niemand danach fragt, was man denn damit mal werden wolle. Doch das Jurastudium ist schwer. Es bringt Studierende an ihre Grenze. Es kostet viel Zeit, Motivation, Kraft und mentale Stärke. Bei kaum einem Studiengang ist die Abbruchquote so hoch. Zwischen einem Prädikat im Examen  oder dem Scheitern liegen oft nur Millimeter. Was aber genau bewegt die Studierenden auf diesem langen Weg? Jura-Beginner Lasse Schramm, Jura-Schlussmacherin Lotte Nieder* und Absolvent Marc Schröder der Universität Kiel berichten auf dem KN-Collegblog von ihren Erfahrungen im Jurastudium.

Lasse Schramm (23): „Politik und Jura gehören für mich zusammen.“

Ich bin: Lasse Schramm, 23 und studiere nun im dritten Semester Jura in Kiel.

Deshalb habe ich angefangen, Jura zu studieren: Ich habe mich schon immer für Politik interessiert und auch vorher ein paar Semester Politikwissenschaft studiert. Allerdings war das nicht das, was ich mir darunter vorgestellt habe. Meiner Meinung nach muss man, um Politik zu verstehen, auch das Rechtssystem verstehen. Außerdem brauche ich ein konkretes Ziel vor Augen, um mich wirklich zu motivieren. Das ist bei Jura eben mehr gegeben, als bei einem geisteswissenschaftlichen Studium, wo man erst noch herausfinden muss, was man damit macht.

Das hat meine Familie/Freundeskreis zu meinem Plan gesagt, Jura zu studieren: Mein Vater hat mich erstmal sehr unterstützt. Dadurch, dass er in einer Behörde arbeitet und viel mit behördlichen Juristen zu tun hat, hat er mir dazu geraten, Jura zu studieren. Natürlich hat er auch darauf hingewiesen, dass es ein Studium mit hohem Risiko ist. Man ist eben nicht nach 6. Semestern durch einen Bachelorabschluss abgesichert.

Die Kommilitonen: Viele Klischees treffen zu 100 Prozent zu. Allerdings ist die Bandbreite an Menschen echt weit. Es gibt nicht den klassischen Jurastudenten, sondern die Hippiestudentin, die mit Jura die Welt verbessern will und genauso den Anzugstudenten, der wirklich jedes Mal mit Krawatte zur Vorlesung erscheint. Ich habe auf jeden Fall echt gute Freunde gefunden.

Ich habe bisher gelernt, dass: Der Lernaufwand nicht unbedingt mit den entsprechenden Noten vergütet wird. Das bedeutet, dass jemand anderes viel mehr lernen kann und nicht unbedingt bessere Noten schreib. Jura ist nicht unbedingt nur auswendig lernen. Man kann einfach nicht alles auswendig lernen, sondern muss Systematik lernen und Strategien entwickeln.

Hast du Respekt vor dem, was dir auf dem Juraweg noch bevorsteht?

Klar, man macht sich schon Sorgen darüber, was ist, wenn ich es nicht schaffe. Auch aus finanzieller Perspektive. Ich denke aber, dass man schlechter dran ist, wenn man keinen Respekt davor hat. Der Respekt davor schützt einen ja auch.

Sollte das Jurastudium reformiert werden?

Nein, ich finde für bestimmte Berufe muss man sich darauf verlassen können, dass ein gewisser Wissensstand besteht. In manchen Bachelor-Studiengängen kann man sich ja doch durchmogeln. Durch die staatliche Prüfung in Jura wird das verhindert. Du kannst dich als Bürger darauf verlassen, dass das Können besteht. Klar sind die Examenssituationen und der Druck, der dort besteht viel zu groß. Die verlässliche Kontrolle durch das Examen sollte trotzdem weiterbestehen.

Marc Schröder (30): „Das Examen war eine riesige Herausforderung“

Ich bin: Marc, 30, Volljurist, Examen mit Prädikat.

Das Jurastudium war für mich: Eine der größten, wenn nicht sogar die größte Herausforderung meines bisherigen Lebens.

Deshalb habe ich angefangen, Jura zu studieren: An sich aus einem sehr trivialen Grund. Bereits mit 14 kam für mich nur das Jurastudium in Betracht. Doch familiäre Gründe gibt es nicht, was häufig der Fall ist, denn keiner aus meiner Familie ist Jurist. Ich war damals einfach von der Serie Matlock begeistert.

Die Kommilitonen: Sehr vielfältig, von jedem Typ Mensch ist etwas dabei. Ich selbst habe sowohl im Studium als auch im Repetitorium und Referendariat tolle Menschen getroffen, von denen ich einige sogar heute zu meinen engsten Freunden zähle.

Wenn ich mich nochmal für ein Studium entscheiden müsste: Dann würde ich höchstwahrscheinlich einen „einfacheren“ Studiengang wie Lehramt oder BWL wählen, da mir dieses Studium inklusive Referendariat nahezu alles abverlangt hat. Jedoch bin ich unglaublich stolz darauf, das Studium erfolgreich abgeschlossen zu haben und bereue meine damalige Entscheidung Jura zu studieren, keineswegs. Meines Erachtens bereitet die Universität weder ausreichend auf das Examen noch auf die Praxis vor. Ohne Repetitorium hätte ich vielleicht nicht das Prädikatsexamen erreicht.

Sollte das Jurastudium reformiert werden?
Ja, jedenfalls die universitäre Ausbildung und Vorbereitung sollte meines Erachtens überdacht werden.

Lotte Nieder*: „Das Studium führte mich zu meinem jetzigen Berufsziel“

Ich bin: Lotte Nieder* und habe 2002 in Trier angefangen, Jura zu studieren. 2006 habe ich ein Erasmussemester in Wrotzlaw/Polen gemacht und danach weiter in Kiel studiert, die Schwerpunktprüfung gemacht, das 1. Staatsexamen zweimal geschrieben und dann das Ergebnis „endgültig nicht bestanden“ bekommen und damit das Studium beendet. „Abgebrochen“ wäre irgendwie keine richtige Bezeichnung. Ich habe mich dagegen entschieden, noch Widerspruch gegen die Entscheidung einzulegen, um Frieden mit der Situation zu finden und den Blick für neue Perspektiven zu öffnen.

Deshalb habe ich angefangen, Jura zu studieren: Das Studium habe ich angefangen, weil ich den Berufswunsch Familienrichterin oder Jugendstrafrichterin hatte. Mir wurde oft ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn nachgesagt und so ergab sich dann der Wunsch. Die Idee, vorher eine Ausbildung zu machen, habe ich verworfen im Hinblick auf die Dauer des Jurastudiums.

Das Jurastudium war für mich: Der Weg zu meinem Berufsziel.

Ich habe gelernt, dass: Ich habe soviel mitgenommen! Einen besonderen Blick, nämlich den juristischen auf viele Lebenssachverhalte. Dass man alles, was im Leben so passieren kann, auch mit der juristischen Brille betrachten kann. Außerdem einen Frustrationstoleranz, wegen des niedrigen Notenniveaus und der hohen Durchfallquoten.

Die Kommilitonen: Hier war für jeden was dabei. Ich habe tolle Menschen kennengelernt, die meine engsten Freunde geworden sind. Der Zusammenhalt und das gegenseitige Aufbauen war in meinem Freundeskreis ausgeprägt, viele hat man aber in der Masse der Leute kaum näher wahrgenommen.

Wenn ich mich nochmal für ein Studium entscheiden müsste: Das habe ich getan: ich habe mich nach zwei Jahren arbeiten und Praktika für ein Lehramtsstudium entschieden, was ich bald beenden werde und bin damit sehr glücklich! Die persönlichen Erfahrungen und Inhalte des Jurastudiums haben mir dabei sehr geholfen!

Sollte das Jurastudium reformiert werden?

Auf jeden Fall! Ich weiß zwar nicht, was sich in den letzten Jahren getan hat, aber von sinnvoller Didaktik war nichts zu sehen. Dass Leistungsdruck mit Angst geschürt wird, liegt m.E. auch daran, dass dies von Professoren und Dozentenseite auch getragen wird. Das System, in dem das Bestehen oder nicht Bestehen ausschließlich von den letzten Klausuren abhängt, die zudem in einem sehr kurzen Zeitraum stattfinden, ist reformbedürftig.

*Name geändert.

 

 

 

 

2 Gedanken zu „Jura, eine gute Wahl?

  1. Mia

    Mit Jura kann man ja nicht nur als Anwalt arbeiten. In der Wirtschaft gibt es viele Felder in den Juristen gebraucht werden. Manch arbeiten sogar in Personalabteilungen.

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