Alleingelassen im Studium

Ein neuer Lebensabschnitt hat begonnen, Abitur in der Tasche und das Büffeln kann an der Uni schon weiter gehen. Nachdem ich jahrelang mit meinen besten Freunden in die gleiche Klasse gegangen bin, wartet nun die erste Challenge auf mich: Neue Leute kennenlernen, Freunde finden, eine Clique, mit der ich mein Studium verbringen werde. Genauso hab ich mir das nämlich vorgestellt. Aber was passiert, wenn die neu gefundenen Freunde den Studiengang schlecht reden? Oder sogar nach und nach abbrechen? Ist es dann auch für mich nicht das Richtige? Die Zweifel am eigenen Studiengang werden größer und damit auch die Angst, sich falsch entschieden zu haben.

Nach Highschool- und Collegefilmen aus Amerika fühlte ich mich perfekt vorbereitet für mein angestrebtes Studienleben. Viele Partys, eine Menge an Freizeit und neue Freunde, mit denen ich die nächsten drei Jahre jeden Tag verbringen werde. So hatte ich mir das gedacht. Falsch gedacht.

Am Anfang sah es noch genau so aus. Ich habe direkt Anschluss gefunden. Mädels, mit denen ich während den Freistunden eine Menge an Kaffee konsumiert habe und dabei über jeden Quatsch sprechen konnte. Aber nach den ersten Wochen sah es dann leider etwas anders aus. Meiner Clique gefiel der Studiengang nicht so sehr wie mir. Das Interesse an den Seminaren ließ nach und auch unsere Lerngruppe wurde vernachlässigt. Schon hier begann das erste Grübeln. Denn sobald andere zweifeln und sich negativ über etwas äußern, beginnt jeder von uns sich seine ganz eigenen Gedanken zu machen. Vielleicht kennt ihr das auch?

Mir schwirrten Fragen im Kopf wie: Ist es wirklich das Richtige? Bringt es mir vielleicht doch nicht so viel Spaß, wie ich denke? Sitz ich bald alleine in den manchmal endlosen Seminaren? Und mit wem verbringe ich meine Freistunden?

Nach und nach brachen meine neu gefundenen Freunde den Studiengang ab und ich blieb alleine zurück. Alleingelassen im Studium. Genauso fühlte ich mich. Ich hatte das Gefühl jeder hatte schon seine ganz eigene Clique, wo sollte ich da noch Anschluss finden? Fragen über Fragen, die mir kein anderer als ich selbst beantworten konnte.

 

Was mache ich, wenn meine Clique den Studiengang schlecht redet?

Solltest du dir selbst unsicher sein, wie dir dein Studiengang gefällt, mach dir eine Pro- und Kontraliste. Was gefällt dir? Was überhaupt nicht? Welche Punkte überwiegen?

Mir selbst hat es geholfen vor Augen zu führen, was ich in meiner Zukunft plane, ob der Studiengang dafür geeignet ist und welche Interessen ich eigentlich verfolge. Lass dir dabei nicht etwas einreden, was du anders siehst. Du musst dich für Interessen und andere Ansichten nicht schämen, sondern solltest sie vertreten.

 

Sollte ich mir auch einen neuen Studiengang oder eine Ausbildung suchen, sobald meine Freunde abbrechen?

 Ein klares und deutliches NEIN. Ein Studium sowie den jeweiligen Studiengang wählst du ganz allein für dich aus. Auch wenn zunächst die Gedanken kreisen und die Zweifel größer werden, wenn die Freunde abbrechen oder den Studiengang schlecht reden, solltest du dir selbst treu bleiben. Wenn dir dein Studium Spaß macht und du viel Freude daran hast, geh diesen Weg auch weiter. Einen Studiengang der Freunde wegen zu wählen, könnte Dich unglücklich machen, denn Interessen gehen auseinander und können unterschiedlich sein.

 

Finde ich dann überhaupt noch Anschluss? Oder verbringe ich die nächsten drei Jahre allein?

Wenn du offen und freundlich auf andere Menschen zugehst, findest du ganz leicht neuen Anschluss. Ich fühlte mich am Anfang auch alleingelassen und teilte in einigen Seminaren den Platz mit mir selbst. Aber das war nicht von langer Dauer. Meist kommst du schon vor den Seminarräumen mit anderen in Kontakt und aus einem kurzen Gespräch wird ein Plausch mit Kaffee in der Mensa. Im Gegensatz zur Schule, wo jeder viele Jahre mit denselben Leuten seinen Alltag teilte, sieht es in der Uni anders aus. Durch einen immer neuen Stundenplan lernst du ständig neue Leute kennen und kannst Freundschaften schließen.

 

Welche Möglichkeiten habe ich neue Leute kennenzulernen?

Mit jedem Semesteranfang und neuem Stundenplan lernst du auch neue Leute kennen. Vielleicht hast du diese noch nie in deinem Studium gesehen oder auch übersehen? Bei manchen Studiengängen ist die Anzahl an Studenten riesig und damit die Chance leichter mit verschiedensten Menschen in Kontakt zu kommen. Um gleich am Anfang einen Anschluss zu finden, bietet die Erstiwoche eine gute Möglichkeit.

Wenn du sportliche Interessen verfolgst, ist der Hochschulsport der Uni Kiel eine gute Adresse für dich. Von Ballsport, über Tanzen und Wassersport bis hin zum Kampfsport ist alles möglich, um deinen Lieblingssport mit anderen Menschen zu teilen und auszuüben.

 

Gehörst du zu den Musikbegeisterten? Dann findest du mit deinem Instrument bestimmt guten Anschluss im Orchester oder mit deiner tollen Stimme einen Platz im Chor der Universität. Falls deine Interessen weit davon entfernt liegen, gäbe es noch die Möglichkeit der Uni Veranstaltungen. Auch hier kann man Kontakte knüpfen und Interessen teilen. Die Studentenapp „Jodel“ bietet dafür eine super Plattform sich anonym zu verabreden und neue Leute kennenzulernen. Also hab keine Angst, es wird dich keiner beißen, sondern froh sein, dass du den Kontakt suchst. Trau dich.

 

Tja, manchmal ist das Leben vielleicht nicht wie ein amerikanischer Highschool- oder Collegefilm, wo sich Mädels die meiste Zeit gegenseitig die Fingernägel lackieren, man jeden Tag mit denselben Personen verbringt und überall Partys gefeiert werden. Was nicht heißt, dass es unmöglich ist. Vielleicht findest Du eine Clique mit der du deine Uni Zeit in vollen Zügen genießen kannst. Ich tue es auch so. Ich lerne die verschiedensten Menschen kennen, deren Interessen sowie Zukunftspläne. Treffe mich mit unterschiedlichen Menschen zum Kaffee und weiß dennoch ganz genau, dass das Studium für mich das Richtige ist. Egal wie andere das Seminar empfinden oder wie langweilig der Seminarstoff wieder sein kann. Keiner sollte mir oder dir die eigene Meinung aufdrängen. Die Zukunft bleibt uns überlassen und wir sollten sie von keinem anderen abhängig machen außer uns selbst.

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