Liebe auf Distanz – So klappt die Fernbeziehung

Eine Fernbeziehung? Das geht ja gar nicht. Völlig sinnlos und viel zu viel Drama. So oder so ähnlich reagieren wohl die meisten, wenn man sie nach ihrer Meinung zur Liebe auf Distanz fragt. Bevor ich mich mit Lina und Katharina unterhalten habe, hatte ich ein ähnlich negatives Bild von Fernbeziehungen. Doch die beiden haben mir schnell gezeigt, wie die Liebe auf Distanz gut funktionieren kann.

Als ich mich mit Lina* treffe, bin ich erstmal beeindruckt. Selten habe ich jemanden so entspannt und reflektiert über seine Beziehung reden hören. „Vielleicht ist das auch der Grund, warum es bei Lina und ihrem Freund so gut mit der Fernbeziehung klappt“, denke ich heimlich. Schon sieben Jahre sind sie ein Paar. Die beiden haben sich in der Schule kennengelernt. Zunächst haben sie sogar gemeinsam in Kiel gelebt. Mathis begann eine Ausbildung, Lina ein Studium.

„Pendeln ist wirklich scheiße“, sagt sie und trinkt einen Schluck von ihrem Kaffee.

Drei Stunden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln liegen nun zwischen dem Paar. „Pendeln ist wirklich scheiße“, sagt sie und trinkt einen Schluck von ihrem Kaffee. Mindestens zwei Mal im Monat sehen sie sich.  Die Entscheidung für eine Fernbeziehung sei eine gemeinsame gewesen, erklärt die Lehramtsstudentin. Sie sei nach mehreren Studiengangwechseln jetzt erst so richtig in ihrem Wunschstudium angekommen. Ihr Freund, mittlerweile fertig mit der Ausbildung, hat seinen Traumjob in Hamburg gefunden. Also musste sie her, die Fernbeziehung.

Wir müssen gerade eben an zwei unterschiedlichen Orten unser Ding durchziehen!

Keine Eifersuchtsdramen und keine Kontrollanrufe. Wenn Lina über ihre Fernbeziehung spricht, strahlt sie Zufriedenheit aus. Das Wichtigste sei offene Kommunikation. „Wir sind nicht so lange zusammen, weil wir uns die meiste Zeit angeschwiegen hätten“, lacht sie. Man müsse offen darüber reden, wenn etwas nicht funktioniere. So seien auch beide mit der Situation der Fernbeziehung zufrieden und haben Respekt dafür, was der andere beruflich und im Studium tue. Frei nach dem Motto: Wir müssen gerade eben an zwei unterschiedlichen Orten unser Ding durchziehen! Aber wir unterstützen uns gegenseitig dabei.

Wenn die beiden sich dann am Wochenende sehen, ist dieses füreinander geblockt. Die beiden unternehmen dann mehr als früher. „Die Zeit ist begrenzt und muss genutzt werden“, sagt Lina.

Auch Katharina und Julius* kennen dieses Verhalten. Die meiste Zeit ihres 10-jährigen Zusammenseins haben sie in einer Fernbeziehung verbracht. Inzwischen wohnen sie gemeinsam in Lübeck, wo Julius Medizin studiert. Für ihr Masterstudium pendelt sie nun aber nach Kiel. „Wenn es um einen Studienplatz fürs Medizinstudium geht, hat man als Paar einfach keine Entscheidungsgewalt darüber, wo es hingeht“, erklärt sie. Also ging er zum Medizinteilstudium nach Marburg und sie nach Kiel, um Kunstgeschichte und Englisch zu studieren.

Letztendlich ist man immer beschränkt auf die gemeinsame Zeit, die viel zu schnell vorbei geht.

Die beiden genießen es nun einfach beieinander zu sein, ohne wirklich etwas zu machen. „In einer Fernbeziehung ist selten möglich einfach mal nur zu schweigen“, sagt Katharina. Man könne sich auch nie umarmen und kuscheln, wann man will. Letztendlich ist man immer beschränkt auf die gemeinsame Zeit, die viel zu schnell vorbei geht. Vielleicht sind es also nicht die großen Dinge, die eine Fernbeziehung manchmal schwer machen, sondern das Alltägliche und Kleine, dessen man sich oft gar nicht bewusst ist, wenn man den Partner jeden Tag sieht.

Wichtig sei es, dass man sich auch dort wohlfühle, wo der Partner sein Zuhause hat. Katharina und Julius haben beispielsweise einen gemeinsamem Freundeskreis in Marburg und so habe es sich auch immer wie ein zweites Zuhause angefühlt, wenn sie hinfuhr.

Bevor die beiden überhaupt zusammengezogen sind, haben sie im vergangenen Jahr geheiratet. „Gewagt“, würde vielleicht Einige urteilen, die nicht den langen Weg der Fernbeziehung gegangen sind. Andere würde vermuten: Da sind sich aber zwei sehr sicher, wie schön! Die beiden zeigen uns, dass eine Fernbeziehung wahrscheinlicher immer ein Kompromiss ist. Ein Kompromiss den man gern eingeht, weil sich das Warten verdammt lohnt.

*Ihren echten Namen wollen die drei nicht so gern hier stehen haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.