Niederländisch lernen wie der Blitz

Dr. Ulrich Weber ist Experte für Niederdeutsche Philologie. Zusammen mit Jacqueline Wassing als Expertin für das Niederländische fand das Interview statt

Dr. Ulrich Weber ist Experte für Niederdeutsche Philologie. Zusammen mit Jacqueline Wassing als Expertin für das Niederländische fand das Interview statt.

Auch in diesem Jahr bietet die „kieler uni live“ auf der Kieler Woche eine vielseitige Angebotspalette von wissenschaftlichen Vorträgen bis hin zu Blitzsprachkursen an. In diesem Rahmen haben Besucher der Kieler Woche Gelegenheit, Niederländisch zu lernen. Norddeutsche aktivieren auf diese Weise ihr passives Wissen über das Plattdeutsche.

Frau Wassing, wie kam es zu der Idee, Niederländisch auf der Kieler Woche anzubieten?

Das kam ganz spontan. Ich habe mit Frau Schüßler in einer anderen Angelegenheit gesprochen, und so sind wir auf die Kieler Woche und den Blitzsprachkurs gekommen. Und dann habe ich gesagt, dass ich einen Blitzsprachkurs anbieten könnte, wenn Bedarf besteht. Und der Bedarf war da.

Lohnt es sich heutzutage, Niederländisch zu lernen?

Ich würde sagen ja, aber je nachdem, was man an der Universität Kiel studiert oder aus welchem Teil von Deutschland man kommt. Kommt man natürlich aus Niedersachen oder Nordrhein-Westfalen, bietet es sich an, wenn man in der Nähe der Grenze wohnt, Niederländisch zu lernen, weil dort Handelskontakte bestehen und oft Kenntnisse im Niederländischen die Voraussetzung sind, wenn man einen Beruf ergreift – zum Beispiel als Verkäufer oder wenn man irgendwie mit niederländischen Unternehmen zusammenarbeitet. Aber auch, wenn man hier an der Universität Geschichte oder Kunstgeschichte studiert. Dort sind viele Standardwerke auf Niederländisch. Dann braucht man wenigstens Lesekenntnisse. Oder es gibt auch Erasmusprogramme in den Niederlanden oder Belgien. Und dann möchte man doch vorher ein bisschen Niederländisch sprechen.

Herr Dr. Weber, welche Beziehung hat das Niederländische zum Plattdeutschen?

Es sind verwandte Sprachen. Das Niederländische und das Plattdeutsche gehören gemeinsam in eine große Familie, wo auch das Hochdeutsche, das Englisch und das Friesische dazu gehören. Und durch diese Verwandtschaft gibt es einfach viele gleiche Wörter, viele ähnliche Sprachentwicklungen, aber beide Sprachen haben sich auch in den letzten Jahrhunderten auseinander entwickelt, sodass es äußerst interessant ist, beide miteinander zu vergleichen.

Haben Sie Beispiele zu dieser Verwandtschaft?

Es gibt eine Fülle an Beispielen. Vielleicht ist es interessant, wo auch kleine Unterschiede sind: etwa zwischen dem Hochdeutschen, dem Niederländischen und dem Plattdeutschen. Auf der einen Seite hätten wir im Hochdeutschen das „Buch“, im Plattdeutschen „Book“ mit einem „k“ hinten. Das Niederländische hat auch dieses „k“ hinten, aber in der Mitte den Vokal wie das Hochdeutsche. Insofern sind es drei Pole, die miteinander kommunizieren, harmonieren, aber durchaus unterschiedliche Entwicklungen haben. Weitere Beispiele: Da ist das Problem, dass das Plattdeutsche heute nicht eine Sprache ist, sondern viele Dialekte existieren. In Schleswig-Holstein anders als in Westfalen und Niedersachsen. Und wir haben eine Reihe von Lautentwicklungen, die im Niederländischen und im Plattdeutschen gleich sind. Etwa die hochdeutsche „Luft“, im Niederländischen die „Lucht“ und im Niederdeutschen teilweise zumindest die „Lucht“, in Westfalen etwa. Das gibt es auch noch, wenn wir zum Englischen weitergehen. Zum Beispiel „After“, da hat das Niederländische „Achter“. Überall die Entwicklungen von „ft“ zu „cht“. Sie sehen, die Verwandtschaft ist zwischen vielen Sprachen vorhanden. Man muss dann eben gucken: Wer hat was mit wem gemeinsam, oder wer hat welche Sonderentwicklungen.

Frau Wassing, gibt es Unterschiede bei dem Lernerfolg der Studierenden?

Interessant habe ich immer den Unterschied gefunden, wie ein Norddeutscher und ein Süddeutscher Niederländisch lernen. Bei einem Süddeutschen geht es langsamer, aber ohne Indifferenz fürs Niederdeutsche. Bei einem Norddeutschen geht es recht schnell, und wenn ich dann frage: „Sprichst du Plattdeutsch?“, kommt die Antwort: „Nein, ich spreche kein Plattdeutsch“. Aber wenn sie dann einmal mit Niederländisch angefangen haben, kam auf einmal das Plattdeutsche. Und das habe ich natürlich nie bei Niederdeutschen, sprich bei meinen Studenten in Bayreuth.

Der Blitzsprachkurs „Niederländisch“ wird am 21.Juni 2014 auf der Kieler Woche angeboten. Am Stand der „kieler uni live“ beginnt er um 12 Uhr. Zudem können Sie die Sprachen Business English, Dänisch, Chinesisch, Arabisch, Russisch, Estnisch und Norwegisch lernen. Weitere Informationen finden Sie unter folgendem Link: http://www.uni-kiel.de/live/index.php?page=prog

Ein Gedanke zu „Niederländisch lernen wie der Blitz

  1. Maike Schüßler

    Schöne Grüße von der Organisatorin der „kieler uni live“ der Christian-Albrechts-Universität! Prima Artikel, da freuen wir uns sehr! Wenn nun noch aus Frau Schlüter Frau Schüßler würde, wäre es perfekt!!

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