Ja, wir wollen: Hochzeiten mit Studentenbudget

Auch in meinem Freundeskreis geht es langsam los: Die Hochzeitsglocken läuten, Verlobungen werden verkündet und bei vielen Langzeitpaaren wartet man darauf, dass sie bald mit einem Ring am Finger um die Ecke kommen. Hochzeiten boomen; auf Instagram und Pinterest kommt man kaum an den neuesten Trends vorbei. Nur wie das Ganze bezahlen, wenn oft beide zukünftigen Eheleute noch im Studium sind, aber mit dem Eheversprechen trotzdem nicht mehr warten wollen? In meinem Artikel stelle ich euch Tipps für Hochzeiten mit studentischem Budget vor und erzähle, an welcher Stelle man sparen sollte – und wo auf keinen Fall. Nebenbei erfahrt ihr, wie ihr eure Hochzeit nachhaltig und regional gestalten könnt.

Gibt man auf Pinterest den Suchbegriff „Hochzeit“ ein, erscheint direkt eine schier endlose Anzahl an Vorschlägen. „Boho Wedding“, „Vintage Wedding“ und Co. sind noch immer im Trend. Aber was so leicht und nach Festivalstimmung aussieht, ist oftmals kaum bezahlbar. Gerade für Studierende, die gerne in den Hafen der Ehe schippern möchten, ist das Budget oft begrenzt, wenn man nicht gerade einen Kredit aufnehmen möchte. Zum Glück gibt es viele Möglichkeiten, wie einem das Budget nicht über den Kopf wächst.

Frühe Planung spart Geld

Auf ihrem Blog littlechatterbox.de gibt die 24-jährige Annabel Multusch aus Kiel verschiedene Ratschläge von der Gestaltung von Einladungskarten bis hin zu den Punkten, die man genau planen und beachten sollte. Die Studentin, die gerade ihren Bachelor in Deutsch und Musikwissenschaften abschließt, verrät mir einige Tipps, die sie selbst bei ihrer standesamtlichen Hochzeit sowie bei der kirchlichen Trauung, die im Mai stattfinden wird, umgesetzt hat. Für die Zeremonie im Standesamt standen ihrem Mann und ihr 600 Euro zur Verfügung. Unter anderem habe ich erfahren, dass Geld immer auch eng mit dem Zeitmanagement zusammenhängt. „Als erstes haben wir eine Location gesucht, in der wir feiern können. Das ist gerade bei einer größeren Anzahl an Gästen schwierig, wenn es bezahlbar bleiben soll. Deswegen sollte man mindestens eineinhalb Jahre vorher anfangen, einen passenden Ort zu suchen.“ Wer sich auf das Wetter verlassen kann, für den ist eine Hochzeit unter freiem Himmel oder mit einem Festzelt das Richtige. Hier sollte man jedoch daran denken, dass man meistens selbst für die Bestuhlung und Co. sorgen muss. Man sollte abwägen, ob man ein teureres Rundum-Sorglos-Paket bei einer professionellen Location in Anspruch nehmen möchte oder lieber mehr selbst organisieren möchte, um die Kosten zu senken. Oft ist es auch günstiger, im Heimatdorf zu heiraten als in der Stadt, in die man sich für das Studium begeben hat.

Mindestens genauso schön wie große, professionelle Blumenarrangements: Kleine, selbstgebundene Sträuße. Foto: Verena Anne Ahrens.

Aber nicht nur die Location ist von Bedeutung, auch andere Punkte sollte man bei der Planung nicht vergessen. „Es ist sinnvoll, sich vorher einen finanziellen Rahmen zu überlegen. Wenn man das nicht macht, steigen die Kosten extrem.“ Logisch: Wenn man weiß, wieviel man ausgeben kann, überlegt man sich zum Beispiel den Kauf von kleinen Dingen, die in der Summe aber wieder einen großen Punkten ausmachen, ganz genau. Die Gästeliste  sollte ebenfalls sorgfältig ausgewählt werden. „Wenn man jeden einlädt, mit dem man schon mal gesprochen hat, wird es einfach zu teuer.“ Vor allem die Kosten für das Essen steigen exponentiell zur Gästeanzahl und auch die Location ist immer davon abhängig, ob Großgroßgroßtante Ulla und die Sitznachbarin aus dem Seminar auch einen Platz brauchen oder man lieber nur enge Freunde und Verwandte einlädt.

Wenn jeder hilft, wird es günstiger

Beim Essen kann man auch sehr gut sparen, wenn man nicht auf das klassische Catering setzt. Annabel schlägt vor, sich von Freunden und Familie zu wünschen, dass sie bei den Vorbereitungen helfen oder etwas mitbringen. „Bei Hochzeiten geben sich immer alle große Mühe“, sagt sie lachend. Gerade im Sommer bietet sich ein Barbecue an, für das alle etwas beisteuern.

„Auch bei der Deko kann man die Kosten gering halten, wenn man ganz viel selbst macht.“ Einladungen sowie Platz- und Menükarten könne man heute gut selbst gestalten, Youtube und Pinterest bieten einfache Tutorials. Der Blumenschmuck wird günstiger, wenn man ihn selbst zusammenstellt. Es gibt die Möglichkeit, beim Floristen vor Ort die einzelnen Blumen zu bestellen und die Sträuße eigenhändig zu binden. Saisonalität ist ein weiteres Stichwort, im August wird man ohne den gewünschten Pfingstrosenstrauß heiraten müssen, wenn der Preis für den Strauß nicht zu hoch sein soll. Auf Blumingo findet ihr beispielsweise eine Übersicht, wann welche Schnittblumen blühen. In Punkto Nachhaltigkeit ist dies ebenfalls ein guter Tipp. Wer begabt ist, kann ebenfalls bei der Frisur und dem Make-Up selbst Hand anlegen.

Bei selbstgemachter Demo kann man schöne und individuelle Akzente setzen, wie hier die Hochzeitsbilder von Verwandten. Foto: Verena Anne Ahrens.

Annabel würde nicht bei der Musik und den Bildern sparen. Die Musik ist für die Stimmung ausschlaggebend und die Fotos bleiben ein Leben lang als Erinnerungen. „Wir haben das Glück, dass wir Freunde haben, die sowas sehr gut können oder wirklich professionell machen.“ Generell gilt es, den Freundes- und Bekanntenkreis abzuklopfen. So können Gäste von außerhalb statt im Hotel vielleicht bei der Familie untergebracht werden oder die Kosten für den eventuellen Transport der Gäste zur Location gesenkt werden. Auch bei den übrigen Dienstleistern sollte man die Augen offen halten. Vielleicht hat der Fotograf einen guten Tipp für eine Cateringfirma? Auf Regionalität zu setzen, kann die Kosten senken, denn man spart Anfahrtskosten.

Rechnung statt Geschenk

Aber sind Freunde immer die beste Wahl oder kann es auch einen Knacks in der Freundschaft geben, wenn die Haare nicht so frisiert werden wie besprochen? „Ich bin bei diesen Sachen sehr entspannt. Es ist einfach eine Einstellungsfrage.“ Perfektionisten müssen also vielleicht einen Gang runterschrauben und sich nicht gleich in Bride- oder Groomzilla verwandeln, wenn nicht alles nach Plan läuft. Dann sollten Freundschaften auch nach der Hochzeit noch intakt sein. Wer allerdings lieber im Friseursalon entspannen möchte oder ein Fotostudio engagieren will, für den kommt hier ein heißer Tipp: Die Rechnung zum Hochzeitsgeschenk machen. Dann bekommt man nicht nur einen Umschlag mit Geld in die Hand gedrückt, sondern verbindet die zahlenden Personen immer mit einer schönen Erinnerung wie zum Beispiel der Traumfrisur.

Porto nicht vergessen!

Obwohl Annabel und ihr Mann sich vorher Gedanken über das Budget gemacht haben, gab es Kosten, mit denen sie nicht gerechnet haben. „Man unterschätzt das Porto für die Einladungen und die Anmeldung der Hochzeit.“ Die Preise sind unter anderem davon abhängig, ob man unter der Woche heiratet oder ob man spezielle Wünsche für die Zeremonie hat. Hierüber kann man sich im Vorfeld beim Standesamt informieren. Versteckte Kosten lauern ebenso bei der Hochzeitstorte, wenn man sie bestellt: Anfahrt und Tortenständer sind eigene Kostenpunkte. Vermeintlich kleine Beträge summieren sich so schnell.

Kalligrafie ist nicht nur im Trend, sondern auch eine tolle Möglichkeit, Tischkarten selbst zu verschönern. Foto: Verena Anne Ahrens.

Omas Kette wird zum Trauring

Für viele Bräute ist es der vielleicht wichtigste Punkt: Das Brautkleid. Man sollte sich den ganzen Tag und Abend darin wohlfühlen sowie tanzen können. Qualität hat zwar ihren Preis, aber auch hier gibt es Möglichkeiten, zu sparen. „Ich leihe mein Brautkleid aus. Das finde ich viel nachhaltiger, als es einmal zu tragen und es dann im Schrank verschwinden zu lassen“, so Annabel. Sie hat sich ihr Brautkleid bei einem Verleih in Hamburg ausgesucht. Die Kosten liegen bei 450 Euro, Änderungen und Reinigung sind im Preis inbegriffen. Einige Läden kaufen außerdem Restbestände von Designern aus der vorherigen Saison auf. So kann man aktuelle Trends um einiges kostengünstiger tragen. Auch das Kleid von der Mutter oder der Oma kann mit den richtigen Änderungen wieder zu einem Hingucker gemacht werden. Im Internet gibt es außerdem Foren, in denen ehemalige Bräute ihre Kleider verkaufen und es lohnt sich, ein wenig zu stöbern. Wer die Möglichkeit hat, in eine andere Stadt zu fahren, sollte bei vererbt in Köln vorbeischauen. Hier werden Kleider aus den 50er bis 80er Jahren verkauft, die bereits eine Geschichte in sich tragen und als Second-Hand günstiger als Kleider von der Stange sind. Aber Vorsicht: Das Outfit beinhaltet oftmals Kosten, die man anfangs nicht einkalkuliert. Möchte man einen Schleier tragen? Hat man bereits passende Schuhe im Schrank oder muss man neue besorgen? Und wie sieht es mit der Unterwäsche aus, die natürlich zum Schnitt des Kleides passen sollte?

Für die meisten Brautpaare dürfen außerdem die Ringe nicht fehlen. Da der Goldpreis momentan recht hoch ist, kann man hier auf andere Metallarten setzen. Annabel kennt eine weitere Alternative: „Wir haben von unseren Familien Gold bekommen, das sie nicht mehr brauchen. Das lassen wir für die Ringe einschmelzen.“ Aus der alten Kette von Oma werden so die Eheringe. Damit spart man nicht nur Geld, sondern hat gleich eine schöne Erinnerung an Familienmitglieder.

Was wirklich zählt

Alles in allem gilt: Planung ist alles! Wenn man frühzeitig beginnt, kann man Preise vergleichen. Um den Überblick zu behalten, bieten sich Listen an. Excel wird euer bester Freund werden. Lasst euch nicht reinreden, aber seid in der Lage, Kompromisse einzugehen. Und vor allem: Habt eine schöne Zeit mit euren Gästen. Denn daran werden sie sich mehr erinnern als an die zehnstöckige Hochzeitstorte vom Konditor.

Ein Gedanke zu „Ja, wir wollen: Hochzeiten mit Studentenbudget

  1. Mailin Dautel

    Ich habe die Hochzeit einer sehr engen Freundin organisiert und sie hat mir für alles ein Budget gegeben. Es ist wichtig schon im Vorhinein zu wissen wie viel man ausgeben kann und will. Man muss auch lernen Abstriche machen zu können und, wie auch im Artikel gesagt wurde auf Kleinigkeiten verzichten die am Ende noch mal eine große Summe ausmachen.

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