Leben im Studentenwohnheim: Woran es scheitert und wie es klappen kann

Das Wintersemester 2019/2020 hat begonnen und viele Studenten der CAU Kiel und der FH Kiel sind noch auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft. Die zwei beliebtesten Varianten: das Gründen einer WG und die eigene Wohnung. Das Studentenwohnheim dagegen verbinden viele häufig mit lauten Partys, einem kleinen Zimmer oder einer dreckigen Gemeinschaftsküche. In einem Interview teilt die Jurastudentin Zeyneb Tural dem Collegeblog ihre langjährigen Erfahrungen aus ihrem Leben in drei unterschiedlichen Studentenwohnheimen mit.

Zeyneb, du hast in den letzten Jahren in insgesamt drei Studentenwohnheime in Kiel gelebt. Welchen Grund gab es für deine mehrfachen Umzüge?

Ich habe mich zu Beginn des Studiums nicht mit dem Gedanken anfreunden können, nicht in Hamburg bei meiner Familie und meinen Freunden zu sein. Die Wochenenden habe ich immer in Hamburg verbracht, weil ich mich einsam gefühlt habe. Ich habe nicht wirklich versucht, Kontakt zu anderen Kommilitonen aufzubauen. Die erste Zeit habe ich sogar täglich gependelt – obwohl mir ein Einzelzimmer zur Verfügung stand.

Da es anfänglich mit dem Pendeln geklappt hat, habe ich mich dazu entschieden, eine Bahncard zu kaufen und das Zimmer im Studentenwohnheim zu kündigen. Während meiner Prüfungsphase habe ich es jedoch bereut. Durch das Pendeln habe ich sehr viel Lernzeit verloren. So habe ich mich dazu entschlossen, erneut in ein Studentenwohnheim zu ziehen. Ich habe auch nach ungefähr einem Monat ein Angebot bekommen: Dieses Mal sollte ich in eine WG (im Studentendorf) ziehen.

Da ich nicht noch eine weitere Prüfungsphase mit Pendeln verbringen wollte, habe ich den Vertrag unterschrieben. Ich habe mich im Wohnheim zwar wohlgefühlt, konnte mich jedoch bis zum Schluss nicht mit dem Gedanken anfreunden, mit anderen Leuten das Bad zu teilen. Daher bin ich erneut in ein Zimmer mit einem separaten Badezimmer gezogen. Mittlerweile lebe ich seit einem Jahr hier und das bleibt definitiv mein letztes Studentenwohnheim.

Das Wintersemester 2019/2020 hat offiziell begonnen und viele (angehende) Studierende sind noch auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft. Welche Vor- und Nachteile hat das Leben im Wohnheim?

Das Leben in einem Studentenwohnheim hat genauso wie das WG-Leben Vor- und Nachteile. Ein großer Pluspunkt für das Leben im Studentenwohnheim ist die günstige Miete. Ich habe schon in drei unterschiedlichen Studentenwohnheimen gelebt und habe für ein möbliertes Zimmer immer nur ca. 220-260 Euro gezahlt. Man muss im Studentenwohnheim auch nicht mit weiteren Nebenkosten und schon gar nicht mit einer Nebenkostenabrechnung rechnen.

Auch die Kündigung eines Zimmers im Studentenwohnheim ist unkomplizierter als die eines Zimmers in einer WG. Man hat zwar eine dreimonatige Kündigungsfrist, wird sein Zimmer jedoch wegen der langen Wartelisten schnell wieder los. Ich habe nach der Kündigung meiner bisherigen Zimmer immer nur ein bis zwei Monate warten müssen.

Ein weiterer Vorteil der Studentenwohnheime ist die Nähe zur Universität. Viele Studentenwohnheime sind auch in der Nähe der Universität. Als ich im Studentendorf gelebt habe, hatte ich nur einen Fußweg von ca. fünf Minuten und das andere Wohnheim war auch ca. fünfzehn Minuten von der Universität entfernt.

Im Studentenwohnheim lernt man zudem schnell Studierende aus anderen Fachrichtungen kennen, die teilweise aus dem Ausland kommen. So ist man oft ‚gezwungen‘ Englisch zu sprechen. Man lernt in Studentenwohnheimen so viele unterschiedliche Menschen kennen, die sich dann teilweise über die Jahre zu Freunden entwickeln. Durch den Austausch mit den anderen Studierenden habe ich auch einen Einblick in unterschiedlichen Studiengängen gewinnen können. Nachdem man sich eingelebt hat, entsteht eine Art ‚familiäre Atmosphäre.

Meine Englischkenntnisse haben sich wegen der Gespräche beim Kochen in der Gemeinschaftsküche deutlich verbessert. Da bin ich auch schon beim nächsten Punkt: Durch die Gemeinschaftsküche hat man die Möglichkeit, mit anderen Studierenden zu kochen und sich während des Kochens auszutauschen. Ich habe dadurch viele neue Gerichte kennengelernt. Es gibt natürlich viele Studierende, die nur ganz kurz in der Küche sind, um sich eine Pizza zu machen. Aber dann gibt es auch Studierende, die gerne kochen und auch ihre Gerichte teilen. Ich habe zum Beispiel viele indische und syrische Gerichte gelernt.

Mir hat es immer Spaß gemacht, mit anderen zu kochen und zu essen, aber anfänglich war eine Gemeinschaftsküche für mich ein großes Problem. Einige Male haben Studierende vor mir gekocht und die Küche nicht sauber hinterlassen. Da kann einem schnell die Lust am Kochen vergehen. Ich habe mich jedoch mit allen Studierenden aus meiner Etage zusammengesetzt und über einen Putzplan gesprochen. Seitdem klappt es auch mit der Hygiene. Auch die Hygiene im Badezimmer kann ohne genaue Absprache zum Problem werden.

In einem Studentenheim musste ich mir das Badezimmer mit drei weiteren Personen teilen. Das finde ich bis heute sehr schwierig. Das Badezimmer war nach der Erstellung eines Putzplans schon viel sauberer, aber ich kann mich bis heute nicht mit dem Gedanken anfreunden, ein Badezimmer mit mehreren Personen zu teilen.

Laute Partys habe ich bislang nur selten erlebt. In der Regel nehmen die Nachbarn sehr viel Rücksicht aufeinander. Es gibt hin und wieder Studentenpartys – diese gibt es aber ja auch in vielen Wohngemeinschaften.

Du hast erzählt, dass du dich in der ersten Zeit nicht sehr wohl in Kiel gefühlt hast und gerne nach Hamburg gefahren bist. Unternimmst du mittlerweile auch mehr in Kiel?

Ich fühle mich mittlerweile sehr wohl in Kiel. Ich unternehme vor allem viel mit Studierenden aus dem Ausland. Wir gehen abends gelegentlich in Cafés, lernen gemeinsam in der Bibliothek und gehen auch zusammen spazieren. Ich bin sogar viel lieber in Kiel. Ich habe in den ersten Jahren leider so viel von Kiel verpasst, das muss ich jetzt nachholen.

Viele Erstis sind momentan noch auf der Suche nach einer Unterkunft. Welche Tipps kannst du ihnen mit auf dem Weg geben?

Bewerbt euch rechtzeitig. Ich habe fast immer direkt einen Platz bekommen, aber ich kenne auch einige, die ca. zwei bis drei Monate warten mussten. Lernt eure Nachbarn schnell kennen. Falls ihr Fragen zum Wohnheim oder beispielsweise zum Internet habt, können sie euch weiterhelfen.

Unter dem folgenden Link könnt ihr euch online bewerben https://www.studentenwerk.sh/de/wohnen/wohnheime/kiel/index.html

Auch die rechtzeitige Erstellung eines gemeinsamen Dienstplans kann hilfreich sein. Was ich noch wichtig finde: Macht euch eure Zimmer gemütlich, sonst kann das möblierte Zimmer schnell ‚öde‘ wirken. Ich habe zum Beispiel sehr viele Bilder meiner Freunde und Familie an der Wand hängen.

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