Alles auf eine Karte: Die „Jokerregelung“

Wenn plötzlich eine Prüfung darüber entscheidet, ob man weiter studieren kann, können die Nerven schon einmal blank liegen. Auch in diesem Prüfungszeitraum treten zahlreiche Studierende zum sogenannten Letztversuch an. Wie es sich anfühlt, alles auf eine Karte zu setzen und was es mit der „Jokerregelung“ auf sich hat.

Die Härtefallregelung für Prüfungswiederholungen wurde im Juli 2014 durch die sogenannte „Jokerregelung“ ersetzt. Vorher durften Bachelor- und Masterstudenten nach dreimaligem Durchfallen einer Prüfung erst mit dem Nachweis eines Härtefalls lediglich eine Prüfung zum vierten Mal antreten. Mit dem Inkrafttreten der „Jokerregelung“ dürfen Studenten während ihres Studiums für zwei Prüfungen einen vierten Wiederholungsversuch beantragen – ohne einen Grund angeben zu müssen.

Laut der Pressestelle der CAU wurden im Sommersemester 2018 und im Wintersemester 2018/2019 rund 450 Jokerversuche genutzt. Davon wurden etwa 10 Prozent nicht bestanden. Bei dieser Auswertung wurden die Rechtswissenschaftliche und die Medizinische Fakultät nicht berücksichtigt, da dort andere Prüfungsverfahren angewendet werden.

Diese Punkte müsst ihr bei der Jokerregelung beachten

Die „Jokerregelung“ gilt lediglich für nicht bestandene Modulprüfungen (Hausarbeiten, Klausuren, mündliche Prüfungen). Abschlussarbeiten sind vom „Jokerversuch“ ausgenommen. Die beiden „Jokerversuche“ dürfen nicht für die dieselbe Prüfung beantragt werden. Fällt man auch durch den „Jokerversuch“ durch, so darf kein weiterer beantragt werden.

Den genauen Inhalt der Regelung könnt ihr unter https://www.studium.uni-kiel.de/de/pruefungen/pruefungsverfahren/jokerregelung nachlesen.  

Inwiefern die Regelung eine Entlastung für Studenten darstellt, erzählt eine Studentin, die demnächst eine Prüfung im „Jokerversuch“ schreibt. Sie studiert Englisch und Geographie auf Lehramt und steht kurz vor dem Bachelorabschluss. Ihre größte Sorge: Ein gesamtes Fach aufgrund einer Prüfung nicht weiter studieren zu dürfen.

Du hast erzählt, dass du demnächst deine Jokerklausur schreibst. Woran sind die ersten drei Versuche gescheitert?

Studentin: Beim ersten Mal musste ich parallel noch für vier andere Klausuren lernen, sodass ich letztendlich nur drei Tage zum Lernen hatte. Ich wusste natürlich, dass ich unvorbereitet bin. Ich bin aber trotzdem in die Klausur gegangen, um mir ein Bild zu machen. Die Aufgaben waren machbar. Mit einer guten Vorbereitung hätte ich die Klausur auch bestanden. Beim zweiten Mal war ich besser vorbereitet. Da ich jedoch keine Übungsklausuren vorher gelöst habe, habe ich die Zeit falsch eingeschätzt. Als ich gesehen habe, dass ich auch im Zweitversuch durchgefallen bin, habe ich total Panik bekommen. Um für den Drittversuch gut vorbereitet zu sein, habe ich mich für keine weiteren Prüfungen angemeldet. Ich habe rechtzeitig mit dem Lernen angefangen und auch einige Übungsklausuren gelöst. Als ich jedoch vor der Prüfung saß und mir die Aufgaben durchgelesen habe, hatte ich einen totalen Blackout. Ich habe nur daran denken können, dass meine letzten Studienjahre von dieser einen Klausur abhängen. Ich habe keine zehn Sätze geschrieben – da war die Zeit schon um. Es lag einfach am Stress und an meiner Prüfungsangst.

Hattest du vorher auch schon Prüfungsangst?

Studentin: Jein. Ich glaube, dass fast jeder vor Prüfungen aufgeregt ist. Ich war auch immer etwas nervös vor Prüfungen, habe mich aber in den ersten fünf Minuten eigentlich immer ‚eingekriegt‘. Ich habe aber auch immer jede Prüfung im Erst- oder Zweitversuch bestanden. Eine Prüfungsangst hat sich bei mir erst nach der Anmeldung für den Drittversuch entwickelt. Es ist dann eben nicht irgendeine Prüfung, sondern deine letzte Chance, eben diese eine Prüfung zu bestehen. Ich kann dieses Gefühl einfach nicht genau beschreiben, aber es ist ein Mix aus Vorwürfen, Wut und Angst. Ich frage mich bis heute, weshalb ich den Erstversuch mitgeschrieben habe. Ich habe den Erstversuch einfach nicht ernst genommen. Ich hätte mir aber auch niemals vorstellen können, dass ich mich jemals für einen Jokerversuch anmelden müsste.

Fühlst du dich dieses Mal denn sicherer?

Studentin: Nicht wirklich. Ich lerne zwar schon seit mehreren Wochen und habe auch schon etliche Übungsklausuren geschrieben und dabei auf die Zeit geachtet. Die Prüfungsangst konnte ich jedoch nicht wirklich loswerden. Ich schlafe nachts schlecht und bin beim Lernen auch immer angespannt. Ich habe mir von einer Drogerie pflanzliche Beruhigungstabletten geholt. Aber ich habe trotzdem Angst vor der Klausur. Das ist einfach meine größte Angst.

Hast du sonst einen Plan B, falls du die Klausur nicht bestehen solltest?

Studentin: Ich habe mir natürlich sehr viele Gedanken darübergemacht. Mein größter Vorteil – im Gegensatz zu bspw. BWL-Studenten – liegt darin, dass ich auf Lehramt studiere und somit einen 2-Fach-Bachelor machen werde. Wenn ich jetzt die Geographieklausur nicht bestehen sollte, habe ich immer noch mein zweites Fach. Ich wäre dann für das Fach Geographie gesperrt, könnte dann aber ein anderes Fach studieren. Ob ich dann noch Lust habe, ein neues Fach zu studieren, ist natürlich eine andere Frage. Ich habe ja soweit alle anderen Prüfungen bestanden. Ich finde die Jokerregelung noch ausbaufähig: Man könnte vielleicht den Studierenden die Möglichkeit offenlassen, sich zwischen einer mündlichen und einer schriftlichen Prüfung zu entscheiden.

Foto: Maya Alleruzzo/AP/dpa

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