Student und psychisch krank- so bekommst du Hilfe

Als Student hat man einige Hürde zu meistern. Klausuren, Hausarbeiten und Lernstress stehen auf dem Tagesprogramm. Wer dazu noch an einer psychischen Krankheit leidet, für den scheinen diese Hürden unüberwindbar. Doch es gibt eine Menge Unterstützung und Hilfestellung für Studierende mit psychischen Erkankungen.

Die Hälfte aller Studierenden in Deutschland leiden an einer psychischen Krankheit. Ein Großteil der Betroffenen leidet an Depressionen, Essstörungen, sowie an bipolaren Störungen. Viele Studierende leiden aber auch unter Prüfungsangst, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefiziten oder Erschöpfung während des Studiums, was sich negativ auf die Psyche auswirkt. An der CAU Kiel leiden 12 Prozent der Studierenden mit Beeinträchtigungen unter einer psychischen Erkrankung. Diese treten häufig erst während des Studiums auf, häufig wegen der Umstellung auf einen neuen Lebensabschnitt oder aufgrund von Leistungsdruck. Die Uni bietet jedoch verschiedene Hilfansgebote an, um Studierenden in schwierigen Lebensphasen zu unterstützen.

Ich habe mit Dagny Streicher, der Beauftragten für Studierende mit Beeinträchtigungen an der Uni Kiel, über solche Hilfsangebote gesprochen.

Nachteilsausgleich

Wer längere Zeit mit gesundheitlichen Problemen oder chronischen Erkrankungen zu kämpfen hat, der kann Prüfungen oft nicht ablegen. In solch einem Fall kann man vom Nachteilsausgleich Gebrauch machen. Hierbei wird unter Berücksichtigung der Chancengleichheit die Prüfungsform der derzeitigen Situation angepasst oder die Umstände der Prüfung so gestaltet, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen ausgeglichen werden. Zum Beispiel durch die Verlängerung von Fristen oder Bearbeitungszeiträumen. Ebenso hat man die Möglichkeit, eine Ersatzleistung zu erbringen. Der Nachteilsausgleich gilt für alle Studierende in besonderen Lebenslagen. Dazu zählen auch Schwangerschaft, Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen. Die zuständige Stelle für die Beantragung des Nachteilsuagleichs ist das Prüfungsamt des Studienfaches. Der Antrag erfolgt schriftlich und formlos, jedoch muss die Beeinträchtigung zum Beispiel durch ein ärztliches Attest oder psychologisches Gutachten nachgewiesen werden. Außerdem sollte nachvollziehbar sein, inwiefern die Beeinträchtigung Auswirkungen auf das Studium hat. Die Anträge werden so schnell wie möglich bearbeitet und der Antragsteller erhält einen schriftlichen Bescheid. In diesem steht, ob und wie ein Nachteilsausgleich gewährt wird. Wird der Antrag abgelehnt, kann man innerhalb von vier Wochen Widerspruch einlegen, um eine erneute Prüfung zu erreichen. Jedoch sollte man beachten, dass es auch immer zu einer Verlängerung des Studiums kommen kann. Das hat oft finanzielle Auswirkungen zur Folge, die man rechtzeitig bedenken und abklären sollte. Hierbei hilft die Sozialberatung des Studentenwerks.

Hier geht es zur Sozialberatung des Studentenwerks

Hier findet ihr weitere Informationen zum Nachteilsausgleich

Beurlaubung

Wer länger krank ist, kann sich auch für ein Semester beurlauben lassen. Hierzu reicht man einen schriftlichen Antrag, sowie eine ärtzliche Bescheinigung beim Studierendenservice ein. Bis zum Vorlesungsbeginn haben Betroffene Zeit, einen Antrag zu stellen. In Ausnahmefällen jedoch kann auch noch zwei Monate nach Vorlesungsbeginn ein Antrag gestellt werden, falls ein wichtiger Grund innerhalb dieses Zeitraumes auftritt. Zu beachten ist, dass eine Beurlaubung nicht im ersten Fachsemester möglich ist. Insgesamt kann man sich aber für maximal vier Semester während des Studiums beurlauben lassen. Allerdings ist diese Maßnahme höchstens für zwei aufeinander folgende Semester möglich. Obwohl Studierende für ein Semester beurlaubt sind, muss trotzdem der gesamte Semesterbeitrag bezahlt werden, wobei man sich aber den Beitrag für das Semesterticket über den AStA zurückerstatten lassen kann. Während eines Urlaubssemesters können zudem auch keine Prüfungen oder andere Studienleistungen erbracht werden. Ebenfalls ist zu beachten, dass eine Beurlaubung Auswirkungen auf den BAföG-Anspruch haben kann. Auch hierbei hilft die Sozialberatung des Studentenwerks weiter.

Hier findet ihr weitere Informationen zur Beurlaubung

Teilzeitstudium

Um den Lernstress zu verringern, können Studierende mit Beeinträchtigungen oder chronischen Erkrankungen im Teilzeitstudium studieren. Dabei verlängert sich die Studienzeit, der Inhalt des Studium bleibt jedoch gleich. Hierbei entsprechen zwei Semester in Teilzeit = einem Semester in Vollzeit. Es kann höchstens eine Verdopplung der Regelstudienzeit gewährt werden. Das Teilzeitstudium ist allerdings nicht in allen Studiengängen möglich. Mögliche Studiengänge sind beispielsweise alle 2-Fächer Bachelor- und Masterstudiengänge, sowie 1-Fach Studiengänge Biologie und Chemie. Die Antragstellung erfolgt immer zum Wintersemester für mindestens zwei Semester. Auch hier sind Belege für entsprechende Beeinträchtigungen erforderlich. Wenn man jedoch während des Studiums mehr als 20 LP pro Semester erbringt, dem kann das Teilzeitstudium eventuell nicht mehr gewährt werden. Als Alternative zum Teilzeitstudium kann der Stundenplan im Vollzeitstudium individuell angepasst werden. Anprechpartner ist die Studienfachberatung des jeweiligen Studienfaches.

Weitere Informationen zum Teilzeitstudium

Hier geht es zur Studienfachberatung

Härtefallregelung

Die Härtefallregelung greift bei Studierenden, die aufgrund einer Beeinträchtigung oder chronischen Erkrankung die Regelstudienzeit überschreiten. Wird die Regelstudienzeit um 50 Prozent überschritten, so werden Studierende zur Pflichtstudienberatung eingeladen. Hierbei wird dem Studierenden eine Frist gesetzt, zu dem er die Bachelor-oder Masterprüfung abzulegen hat. Kann der Studierende jedoch nachweisen, dass er beeinträchtigt oder erkrankt ist, so kann sich die Frist verlängern. Auch für die Zulassung zum Studium kann die Härtefallregelung Betroffenen helfen, einen Studienplatz zu bekommen. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn ein Betroffener aufrgrund einer Erkrankung den Studienplatz zum Zeitpunkt der Zulassung nicht antreten kann. Auch hierzu beraten die entsprechenden Studienberatungen der Hochschulen.

Hochschulambulanz für Psychotherapie

Die Hochschulambulanz für Psychotherapie der Uni Kiel (HPK) bietet psychotherapeutische Sprechstunden und psychologische Diagnostik an. Das HPK bietet unter anderem Unterstützung bei Depressionen, Ängsten und Zwängen, aber auch bei körperlichen oder sozialen Problemen und Stress. Die psychotherapeutische Behandlung erfolgt in Einzel- und/ oder Gruppenbehandlungen. Der Schwerpunkt der Behandlung liegt dabei auf dem Konzept der kognitiven Verhaltenstherapie, bei dem es um die Bewältigung konkreter Probleme geht. Zudem orientiert sich die Therapie an individuellen Zielen und Bedürfnissen. Eine Telefonsprechstunde findet Dienstangs und Donnerstags von 13 und 14 Uhr statt. Die Kosten werden von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen.

Telefonsprechstunde: 0431/880-6500

Hier findet ihr weitere Informationen zur Hochschulambulanz

Beratungsangebote

Für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen gibt es zahlreiche Beratungsangebote an der Uni:

Zentrale Studienfachberatung der CAU Beauftragte für Studierende mit Behinderung/chronischen Erkrankungen Dagny Streicher

Beratung zu Themen wie: -Studienbedingungen an der CAU -Nachteilsausgleiche im Studium und in Prüfungen -Studienorganisation -Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Studium

Findet ihr hier

Hier gibt es weitere Beratungsangebote der CAU

Zentrale Studienberatung der FH Kiel Für Studierende und Studieninteressierte mit Behinderung/chronischen Erkrankungen Roswitha Pioch

Studentenwerk Schleswig-Holstein Sozialberatung mit dem Schwerpunkt: Studieren mit Behinderung/ chronischer Erkrankung Anna-Lena Walczak

Beratung zu Themen wie: -Studienfinanzierung -Versicherungsfragen -behinderungs-erkrankungsbedingte Mehrbedarfe -psychosoziale Themen

Psychologische Beratung des Studentenwerks Schleswig-Holstein

Beratung zu Themen wie: -Probleme im Studium (Prüfungsangst, Schreibblockaden, Antriebs-Arbeitssörungen) -persönliche Probleme und/oder krisenhafte Ereignisse

Allegemeiner Studierendenausschuss (AStA) AStA-Beratung für Studierende mit Beeinträchtigung/chronischer Erkrankung Diana Kaufmann

Sonstige Angebote

Es gibt noch viele weitere Angebote, die Betroffene unterstützen, ihren Alltag trotz psychischer Erkrankung zu meistern. Die Uni hat über den ganzen Campus verteilt Ruheräume, in denen Studierende mit Beeinträchtigungen Ruhe finden können während des Uni-Alltags. Die Stadt Kiel hat einen Wegweiser für Sozialpsychatrische/Psychologische Hilfen herausgebracht. Dies ist ein Adressenwerk, dass Betroffenen auf der Suche nach Diensten und Einrichtungen behilflich sein soll. Dieser ist als pdf-Datei zum Download erhältlich. In Akutsituationen können sich Betroffene immer an den Sozialpsychatrischen Dienst oder das Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) wenden. Der Sozialpsychiatrische Dienst bietet Sprechstunden, Beratung und Einzelgespräche, sowie Vermittlung von weiterführenden Hilfen an für Menschen in seelischen Krisensituationen und deren Angehörige. Das ZIP bietet zu dem verschiedene Therapiemöglichkeiten an, u.a. mit den Schwerpunkten Depression, Borderline, Psychose und Sucht.

Ruheräume an der CAU

Wegweiser

Sozialpsychiatrischer Dienst

ZIP Kiel

Trotz vieler Hilfsangebote und Unterstützung seitens der Hochschulen, fällt es vielen Betroffenen schwer sich Hilfe zu holen. Dennoch ermutigt Dagny Streicher, die Studierenden Angebote zu nutzen und Hilfe anzunhemen. Denn niemand soll sich mit seinen Problemen alleine fühlen.

Ein Gedanke zu „Student und psychisch krank- so bekommst du Hilfe

  1. VPN Blog

    Ein guter Artikel. Als ich an der Universität war, war es nicht üblich zu sagen, dass man nicht die Energie oder den Wunsch zu studieren hätte oder dass man darüber depressiv wäre.
    Ich glaube, es ist notwendig, offen darüber zu sprechen und die Studierenden zu unterstützen, weil viele auch parallel arbeiten…und dann haben sie nicht genügend Energie für das Sozialleben =(

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